609 139 VPF Frank Hartmann: Philosophische Grundlagen kw. Theoriebildung 1., VO/UE
http://www.medienphilosophie.net/ Rubrik "Vorlesung"
Buch: Frank Hartmann: Medienphilosophie.
Übungsarbeiten während des Semesters: Beurteilungskriterium. (Alternativ: Prüfung möglich)
Empfehlung: keine "Einführungen" lesen, sondern gleich die richtigen Texte. (Beispiel: Kant: "Kritik der reinen Vernunft")
Ausgangspunkt: 17. Jhdt.
Philosophie heißt eigentlich Streben nach Wissen. Eine wissenschaftliche, forschende Einstellung.
=> Text auf medienphilosophie.net
Der Medienbegriff taucht bei den PhilosophInnen kaum auf. Der Begriff stammt überhaupt aus den 1920er-Jahren.
Der Begriff wird in der VO nicht auf die technischen Dinge beschränkt.
Nietzsche: "Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken."
Wichtige Entwicklungen:
Schrift
Druck mit beweglichen Lettern
Daguerrotypie
Medien sind nicht nur Prothesen, Erweiterungen der menschlichen Kraft.
Gauß: europaweites Kommunikationsnetz.
Übertritt vom Gutenberg- ins Marconi-Zeitalter: Nicht mehr mechanisch, sondern "immateriell".
McLuhan: globaler Hirn, globales Bewußtsein, Medien als Ausweitung des Zentralnervensystems der Welt.
Wir benutzen immer Medien. Licht ist schon ein Medium, das reflektiert wird. Wir nutzen das Medium der Sprache, um zu kommunizieren, und das Medium Geld für den Tausch. Implikation: es gibt keinen medienfreien Aspekt der Realität. Unsere Existenz ist immer mediatisiert.
Mit der Medientechnik ist auch der apparatfreie Blick auf die Welt verlorengegangen.
Induktion: Anhand von Beobachtungen eine Theorie aufbauen.
Unsere Weltsicht (Schein, Erscheinung) ist nicht identisch mit der Welt an sich (Sein).
Dritte Sicht: Medienwirklichkeit. (z.B.: Hebt das Pferd beim Gallopp ab oder gibt es immer eine Bodenberührung? Erst seit der Erfindung der Photographie wissen wir es genau.)
Medienphilosophie: Hinterfragung der üblichen Konstruktionen; keine Objektivität; kein Bild von der Realität.
Kommunikation: widernatürlich. Kommunikation ist negativ entropisch, durchbricht die Tendenz der Natur zum Zerfall.
Information: Unterschied, der einen Unterschied macht (Gregory Bateson).
Medienarchäologie: Ideengeschichte, Reproduktion von Denkordnungen, Geschichte der Denksysteme.
Episteme: Bedingungen der Denkordnungen.
"Wahrheit", "Wirklichkeit" sind abhängig von Epistemen, technischer Vermittlung etc.
Das Subjekt ist nicht Ursprung des Diskurses, sondern nur ein (eventuell optionales) Element davon, ein Effekt von Kulturtechniken.
Nächste VO wegen der Feiertage erst am 9. November
Lesen bis dahin: Einleitung zur "Kritik der reinen Vernunft" (online beim Gutenberg-Projekt)
Kopie von schwer zugänglichen Texten in der Mappe in der Bibliothek.
Robert Darnton (Historiker): Was ist Aufklärung?
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17. Jhdt. |
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18. Jhdt. |
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19. Jhdt. |
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20. Jhdt. |
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Descartes |
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1751 Diderot, |
Kant |
Goethe |
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Leibniz |
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Herder |
Hegel |
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Klages |
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Heidegger |
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Mesmer |
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Cassirer |
Flusser |
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"Philosophie des Seins" |
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=> "Philosophie des Bewußtseins" |
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=> über die Sprache |
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=> Kultur |
=> Symbol, Form |
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(Metapher des Lichtes)
Sichtbarmachung der Gedanken durch schriftliches Festhalten. => in oralen Kulturen hat Schrift keine große Rolle. Dort gilt das gesprochene Wort als Autorität.
Übergänge: vom Besonderen zum Allgemeinen; vom Lokalen zum Globalen; von Zeitbindung zur Zeitlosigkeit
"Mechanisierung des Geistes": Rationalisierung => Bedingung für den Fortschritt in der Wissenschaft
Was uns von der Aufklärung trennt: Säkularisierung; demografische Dinge; etc.
Diderot: Rameaus Neffe
Wichtigster Text der Aufklärung: Enzyklopädie von Diderot und d'Alembert.
Quellen für den Verstand (Aufteilungskriterium in der Enzyklopädie):
1. Historisches Wissen, Gedächtnis, Speicher
2. Vorstellung, Phantasie, Dichtung
3. Theoriebildung, Philosophie, Vernunft
Alphabetische Ordnung - Seitenzahlen - alles Konventionen, um zwischen Leuten, die sich nicht kennen, Verständigung herzustellen
Chinesische Enzyklopädie: Ordnungsbegriff: zuerst Tiere, dann nach Eigentum etc.
"Paratext" (G. Genette): Das, was außer dem Haupttext ein Buch zum Buch macht: Effekt einer Druckkultur etc.
Bei dreimaligem Fehlen wird einE TeilnehmerIn von der Liste gestrichen (Übung!).
"Wir sind alle Cartesianer"
Scholastik: Wissenschaft durch kirchliche Gelehrte, in sich kreisend, Beschäftigung mit der Bibel etc.
René Descartes; Francis Bacon (Anfang 17. Jhdt.): Experiment und Erfahrung statt Dogma und Glauben.
Enzyklopädie (18. Jhdt.): Wissen, Bildung, Verbreitung der Bildung => Arbeit des Subjekts in objektiver Welt.
Kant: Transzendentalphilosophie (Bedingung der Möglichkeit für Denken und Philosophie, Ende des 18. Jhdts.): Neuordnungen des Wissens => Kritik => Sprachphilosophie (mit Vor-Kant-Einflüssen) => Kulturphilosophie (Vico) => (Medienphilosophie)
Auch Tätigkeiten im Bereich Physik (z.B. Licht, Magnetismus), Biologie etc.
21 Regeln für die "Erkenntniskraft" => Angegriffen von Pfaffen an der Universität Sorbonne
1644 nach einer Veröffentlichung zum kirchlichen Rapport. (Es war "vorgeschrieben", mit philosophischen Methoden die Existenz Gottes zu beweisen.)
1649 nach Stockholm auf Einladung der Königin. 1650 an Lungenentzündung gestorben.
Nach seinem Tod von der katholischer Kirche auf den Index gesetzt. (Kant detto; Galilei ca. 1997 rehabilitiert.)
Mathematische/geometrische Fortschritte, z.B. das kartesianische Koordinatensystem.
Zweck der Wissenschaft: Verbesserung der Lebensbedingungen.
"Band" zwischen Denken (Subjekt, Erkenntnis apriori) und Sein (Objekt, Aposteriorische Erkenntnis)
Zentrale Aussagen:
Erkenntnis nur, was klar und deutlich ist
Proben, um klare und deutliche Erkenntnisse zu prüfen (Experiment, Analyse, genaues Hinschauen)
Unterscheidung zwischen der/m, der/die erkennt, und dem, was erkannt wird.
Die Sicherheit liegt im Denken, nicht im Erfahren (Wachs-Beispiel - Zustandsänderung, aber immer noch Wachs)
Idee einer wissenschaftlichen Universalsprache (Ursprache, Idealsprache): "Mathesis Universalis" - Die Zahl ist den Buchstaben überlegen. Alle Probleme der Wissenschaft quantifizierbar und algebraisch darstellbar ("nackte Figuren"). Denken grafisch darstellbar, um das Verstehen zu erleichtern (Stilisierung). (Später von Bischof Wilkins eine "Sprache der Realcharaktere"; Leibniz: digitaler Code.)
Der Stil ist autobiografisch und quasi-dialogisch => Teilnahme der LeserInnen am Denkprozeß.
Literaturempfehlungen:
Hoerster (Hg.): Klassiker des philosophischen Denkens I, II (dtv)
Lawrence Sterne: The life and opinions of Tristram Shandy, publiziert 1759-67 - Persiflage
Adaequatio intellectus ad rem: Die Deckungsgleichheit zwischen Verstand und Welt.
Descartes: Mathesis Universalis - A.i.a.r. konkretisiert
Sprache + Schrift: was war zuerst da?
Ausdrucksmedium für den Geist: Generalsprache, Zeichen mit eindeutigen Bedeutungen etc.
Descartes (+ 1650) => N. Chomsky: Tiefengrammatik
Leibniz (+1716) => Wittgenstein: Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen des Geistes
Vico (+ 1744) => Derrida
(1623: Todesstrafe für Kritik an Aristoteles und seinen Lehren)
"Cogito ergo sum" müßte "Cogito et sum" heißen; Denken und Sein zusammen sind der Anfang.
Michel Serres: "Die Kette ohne Glieder" in Hermes 1. (Andere Bücher von Serres auch empfehlenswert.) => Handapparat in der Institutsbibliothek
Descartes: A.i.a.r nicht möglich. Verstand soll entlastet werden, um leichter nachdenken zu können. Wir erkennen nichts an den Dingen, die nicht vorher im Verstand existiert haben.
Problematik von Licht: Auge(nlicht) als Synonym von Erkenntnis. => Das Licht sorgt für die Erscheinung der Objekte. Descartes sagt, daß nur die Erscheinung erkannt werden kann, nicht das Sein.
Verstand + Phantasie + Intuition = Vernunft
Erscheinungen müssen "evident" sein, klar und deutlich.
Radikalisierung der Erkenntnistheorie: Dinge gibt es nicht, nur Oberflächen.
Fontenelle: Publikum im Theater will betrogen werden; PhilosophInnen und WissenschaftlerInnen sind BühnentechnikerInnen, die die Illusion erzeugen und verstehen.
Jurist, Diplomat, Bibliothekar, Historiker, Physiker, Mathematiker, Ingenieur, Sprachphilosoph, Begründer von Akademien.
ca. 70.000 Briefe, mit ca. 1.000 Gelehrten korrespondiert.
Infinitesimalrechnung (Differential-, Integralrechnung)
~ 1673 Rechenmaschine mit allen 4 Grundrechenarten (um 1830: Charles Babbage: Analogcomputer Analytical und Differential Engine; George Boole: binäre Logik)
Duales Zahlensystem
1700 Preußische Akademie der Wissenschaften
Mathematik trägt ihren Beweis in sich selbst. => Empfehlung für alle Wissenschaften.
"Theoria cum praxe" - Keine Theorie ohne Praxis
ca. 1716 abgefaßt, 1720 herausgegeben: Monadologie (Monade: kleinste Einheit)
Vermittlung: Geist => Zeichen => Welt, aber die Zeichen sind auch fürs Denken wichtig.
Optimierung der Zeichen => bessere Erkenntnis?
Natürliche Sprache <=> formale Sprache.
Wirklichkeit zerfällt in physische (alles, was teilbar ist - Phänomene - aposteriori) und metaphysische (nicht teilbar - apriori) Ebene.
Suche nach der Idealsprache, die keine Mehrdeutigkeiten zuläßt. => Duales Zahlensystem (erst wieder im 20. Jahrhundert von Konrad Zuse aufgegriffen)
Universalsprache, Alphabet des Denkens (Idee): Etiketten für Wissenseinheiten => Nummer => Rekodierung in Buchstaben. Maschinen haben gefehlt.
(Calculus: Rechenstein => "kalkulieren")
"Blindes Rechnen": als natürlicher Vorgang, vereinfacht das Denken wesentlich.
Bedeutungen der Zeichen werden durch Konsens in der Gesellschaft erzeugt.
1759 Voltaire: Candide. Dr. Pangloss (gemeint: Leibniz) beißender Satire unterzogen.
"Kultivierung von Vernunft?" - Bezug zum Gehörten. Weitere Hinweise auf der Vorlesungshomepage.
3-4 Seiten bis 30. 11. (später: Punkteabzug)
3 Punkte pro Übungsarbeit, 3 Übungsarbeiten, mind. 3 Punkte aus mindestens 2 Übungsarbeiten.
Argumentieren: nachvollziehbar; zitieren: nach wissenschaftlichem Usus
Leibniz war von Kulturpessimismus geprägt: Logik des Zerfalls (Idealzustand => Verwirrung); Suche nach Zeichen für den Zerfall in den Sprachen
Leibniz versuchte, Sprache zu rekonstruieren und neu zu konstruieren.
Das damalige "Deutschland" bestand aus ca. 300 Fürstentümern etc., die unterschiedlichen Dialekte waren für andere kaum verständlich (damals viel unterschiedlicher als heute). => Leibniz: "Verbesserung der deutschen Sprache"; eigentlich wollte er überhaupt erst eine geeignete Sprache schaffen. Nationalsprachen => Nationen.
"Muttersprache": Aufgrund von Lesefibeln, mit denen Mütter zu Hause ihren Kindern das Lesen beibrachten.
Latein als Wissenschaftssprache auch nicht optimal geeignet.
Rekodierung in ein duales Zahlensystem: Blindes Denken, um den Verstand zu entlasten.
Dreiteilung der Semiotik: Ikonizität, Indexikalität, Symbolizität
Bildersprache z.B. sehr hoch an Ikonizität, aber niedrig an Symbolizität.
Das Wort "Apfel" hat mit dem Objekt "Apfel" nur insoweit was zu tun, daß es das in einer bestimmten Sprache bezeichnet. (Indexikalität)
Während der Aufklärung: Weg von der Ikonizität, hin zur Symbolizität
heute: Wieder weg von der Symbolizität
Klage über zu viel Wissen schon 1680 von Leibniz. (Ziel, alle Bücher zu rezipieren, war für den Bibliothekar Leibniz nicht mehr erreichbar.)
John Locke: Sprache besteht aus abstrakten Zeichen, die als Konvention festgelegt wurden. Leibniz stimmt zu, mit der Einschränkung, daß es auch lautmalerische und andere "natürliche" Wörter gibt. (Leibniz: "Adamitische Ursprache" nicht mehr vorhanden und auch nicht mehr rekonstruierbar.)
Sprache: intersubjektiv, sozial; ein Mensch allein kann nicht "sprechen". Laut Leibniz kann das Denken über die Sprache hinausgehen.
3 Ebenen: Universalsprache, Umgangssprache, Sprache als solche.
Sprache erforschen: 1. geschichtlich 2. die Perspektiven
Humboldt: Sprache grenzt den Menschen ein.
Wittgenstein: Worüber mensch nicht sprechen kann, darüber muß mensch schweigen.
Leibniz: was unbekannt ist, ist prinzipiell erforschbar.
Descartes: "Formatierung" des Gehirns, angeborene Ideen
Leibniz: Monaden können nicht miteinander kommunizieren, sondern nur über und mit Gott. Die ganze Welt bestehe aus Kommunikation.
Objekt <=> Zeichen <=> Bedeutung des Objekts
Funktionen des Zeichens bei Leibniz: Erinnern und mitteilen.
Rationalismus: Befreiung des Denkens. Neue Medien können als Befreiung des Denkens verstanden werden.
Problem der damaligen Zeit: Subjekt und Verstand rücken in den Vordergrund, scheitern aber, die zur Verfügung stehende Informationsmenge zu beherrschen.
Exteriorisierung des Geistes: Denkfunktionen auslagern. (Gegen die Idee einer Informationsflut und gegen Kulturpessimismus.)
Medien als Prothesen des Geistes
Erweiterung und Vernetzung/Kollektivierung der Einzelsubjekte
Individuum sucht Orientierung; Druckkultur führt anfangs zu Desorientierung ("zu viel") => neue Orientierungsleistung (Enzyklopädie, Wörterbücher etc.): Meta-Ebene.
Alphabetisch-typografisches Gedächtnis
1748 Mompertius: sprachphilosophische Schriften; Condillac: "Sensualismus"
Jean-Jacques Rousseau: Anfänge einer Sprachtheorie, Theorie der Schrift
(Logozentrismus/Phonozentrismus: Vorherrschaft des Wortes)
1751 Enzyklopädie
Relativ unabhängig von den Arbeiten seiner Vorgänger (z.B. ignoriert er die zu seiner Zeit schon entwickelte Sprachtheorie), keine Anknüpfung an Leibniz, Descartes.
Ausdifferenzierung von Wertsphären (Arbeitsteilung)
Dreiteilung der Vernunft durch Kant: Theorie (Kognition => Kritik der reinen Vernunft), Praxis (Sitte und Norm => Kritik der praktischen Vernunft), Poiesis (Ästhetik => Kritik der Urteilskraft)
Kopernikanische Wende von der Ontologie zur Analytik. Wirklichkeit kann nicht untersucht werden, solange nicht untersucht wird, was der Geist in diese Wirklichkeit hineinlegt. (~ Konstruktivismus)
Philosophie versucht zu ergründen, woher die Fähigkeit zum Erforschen von Dingen kommt. Wille des Einzelnen => Vermittelbarkeit für die Allgemeinheit.
Welt der Sinne (Phänomena) <=> Welt des Vorstellbaren (Noumena)
Welt der Sinne: Erscheinungen - nicht sehr interessant für Kant. Aposteriori-Erfahrungen - Theorien anhand von Experimenten, Überprüfung der Theorien durch weitere Experimente
Welt des Vorstellbaren: Transzendenz ("Überschreiten"); Welt von Mesmer und Svedenborg. Kant bestreitet nicht, daß es das Übersinnliche geben könnte. Transzendentalphilosophie: Philosophie, die nicht von der Erfahrung abhängt, aber ihre Grenzen nicht überschreiten darf. Transzendentalsubjektivität: Bedingung der Möglichkeit jeder Subjektivität.
(Bei Leibniz: Monaden, keine Kommunikation zwischen ihnen, nur übers Relais "Gott")
Vernunft: nicht nur Quelle der Erkenntnis, sondern auch Quelle der Täuschungen
Politische Aspekte bei Kant: Freie Meinungsäußerung, Publizität
Kritik an Kant: Vernunft, die nicht kontextualisiert ist. Keine Notiz von der Sprache genommen.
Werke:
Träume eines Geistersehers: (gemeint: Svedenborg). Subjektive Sicht der Träume, Ziel: sie intersubjektiv gültig machen. Svedenborg für wissenschaftliche Aussage diskreditiert.
Kritik der reinen Vernunft: Motiv des Verbindlichmachens eines bestimmten Denkens. (Empfehlung: zumindest beim Gutenberg-Projekt online das Inhaltsverzeichnis der KrV anschauen.)
Schwerpunkt auf der Sprache
Arzt in Wien, um 1767 Dissertation über die Beeinflussung des Nervensystems durch die Planeten. Überlegungen zur Schwerkraft, zu Gasen und zur Elektrizität. Großer Publikumserfolg; 1787 nach Paris übersiedelt, Seancen ("magnetische Krisen"); von der Schulmedizin angefeindet. Ziel: kosmische Harmonisierung der PatientInnen. => Hypnose
"Fluidum", tierischer Magnetismus - alles davon bestimmt
Wirklichkeit außerhalb der sinnlichen Welt? Kann die Philosophie die Grenze zwischen der realen Welt und dem Transzendenten ziehen?
1749 "Arcana Coelestia" - Geheimnisse des Himmels, Alternativprogramm zur Enzyklopädie. Reisen auf den Sirius: Sprache der Engel, Eheverhältnisse der Engel, Polizeiwesen der Engel etc.
(Auch heute noch rezipiert)
Jacques Derrida: Grammatologie (~ 1960)
Ästhetik => Sinne => Einbildungskraft => Synthesis von Vorstellung
Logik => Verstand => Urteilskraft => Kausalität, Anwendung von Kategorien
=> "transzendentale Einheit der Apprezeption"
=> Gegenstandsbewußtsein
=> Selbstbewußtsein
1766 Träume eines Geistersehers
1781 Kritik der reinen Vernunft
1784 Was ist Aufklärung?
1795 Zum ewigen Frieden
1. Schritt: sich des eigenen Verstandes bedienen
Laut Kant Raum und Zeit nicht objektiv gegeben. (Heute leichter vorzustellen.) Sie seien nur Bedingungen, die der Verstand auf die Welt projiziert. Unterscheidung in Oberfläche und das, was hinter der Oberfläche steht.
Metaphysik => Erkenntnistheorie (Epistemologie): "Nach der Physik"
Bei Kant nicht mehr Metaphysik, sondern Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis.
Bedingungen der Möglichkeit: Raum und Zeit - beides aber subjektiv.
Unterschied zwischen
noumena
Erkenntnistheorie
Bewußtseinsphilosophie
phänomena
Phänomenologie (=> später wichtig für Medienphilosophie)
Deduktion der Kategorien: Quantität und Qualität bedingen die Logik, nach der wir die Kategorien bestimmen. Deduktion nicht im heutigen Sinne, sondern "Vorführung von Beweismitteln". Widersprüchlichkeiten müssen aufgelöst werden.
Eigenverantwortlichkeit des Subjekts, nicht mehr Berufung auf Autorität.
Es gibt keine absolute Wahrheit, sondern Strukturen/Raster/Kategorien, die auf die Welt projiziert werden können.
Freiheit des Geistes benötigt, damit das Volk sich aus der "geistigen Rohigkeit" herausarbeiten kann (aufrechter Gang, Gehen lernen - dazu ist dreimaliges Auf-die-Nase-Fallen nötig) => keine Zensur, Pressefreiheit, keine Einschränkung der Wissenschaft etc. Macht ersetzen durch die besseren Argumente (=> Kritik und Drohungen von Kirche und Staat)
Aufklärung: Förderung öffentlichen Vernunftgebrauchs und freier Publizität (NICHT Öffentlichkeit!)
Konstruktivismus: Die Welt gibt es nicht, nur den Verstand.
Dieter Henrich: Kant-Experte, ohne Masochismus lesbar.
John R. Searle: Kritiker der Artificial Intelligence-Philosophien; "Die Wiederentdeckung des Geistes"
Hanna Arendt: Manuskript über die politische Philosophie Kants
Auf Stil und Form achten ("X sagte..."; Zitate von hausarbeiten.de etc.)
bis 11. Jänner: "Das Motiv Publizität" - (nicht "Öffentlichkeit"), wozu dient es, was macht es aus etc. Prinzipien bei Descartes, Leibniz oder auch nur Kant.
Alternative: "Was ist Medienphilosophie"? Rezension der Arbeiten von Hartmann (Buch, Webseite, Interview etc.).
Über Weihnachten lesen: Herder: Abhandlung über den Ursprung der Sprache
3. Übungsarbeit in der nächsten Woche
Hinweis: keine guten Noten voraussetzen - die gibt es nur für gute Leistung!
Veranstaltungshinweis: Culth2 - Die Zukunft des /digitalen/ kulturellen Erbes http://www.culth2.org/
Kant: moderne Philosophie - Fragen ins Subjekt verlegt (Geist, Verstand, nicht mehr "draußen in der Welt"). Geist ist die Quelle der Vernunft, aber auch von Irrtum.
Bei Kant wird das Subjekt kollektiviert, das Ich transzendental. "Gelehrtenrepublik": das Wir der Wissenschaft.
Aufklärung prozeßhaft - "Wir leben im Zeitalter der Aufklärung, wir sind nicht aufgeklärt"
"Strukturwandel der Öffentlichkeit" - starke Kritik seit dem Erscheinen 1962. Es steht in Frage, was unter Öffentlichkeit verstanden wird.
Strukturwandel: von einer feudalen Gesellschaft zu einer argumentierende bürgerliche Gesellschaft.
Restriktiver Begriff der Öffentlichkeit: auf "weiße, reiche Männer" beschränkt. (z.B. "Qualitätszeitungen")
Realität: Überredungs-, Überrumpelungsrhetorik der "Lemminge" in den Werbe- und PR-Agenturen
Buchempfehlung: Jürgen Trabant: Artikulationen
Zweite Hälfte des 18. Jhdts.: Von Akademien öffentlich ausgeschriebene Preisfragen
1769 Herder gewinnt den ersten Preis einer Ausschreibung mit seiner "Abhandlung über den Ursprung der Sprache"
"Hörendes Sehen" - auf die Welt "hören" => Rückkopplung akustischer Art aus der Welt.
Das Tier hat Instinkt - das ist Erleichterung und Grenze zugleich. Der Mensch hat keinen Instinkt (Mängelwesen) - er kann alles, aber nichts so gut wie einzelne Tiere. Menschen sind daher SchöpferInnen neuer Welten => Symbole, Sprache.
Herder zitiert die Bibel ("eine bestimmte morgenländische Schrift") und beweist, daß die Sprache nicht gottgegeben ist. (Gott läßt Adam die Tiere benennen.)
Ursprung, Motiv: "Wort der Seele" - noch nicht an andere Menschen gerichtet.
Schaf-Beispiel: Der Mensch bezeichnet reflexiv das Tier als "das Blökende" als Reaktion auf die stärkste Empfindung, das Hören.
Denken (kognitiv; Problem: Erkenntnis(kritik) => Sprachkritik bei Fritz Mauthner) <=> Sprache ("Sprachdenken", Humboldt) <=> Sprechen (Tätigkeit)
Sprachwissenschaft (häufig mit Politik verbunden): Gibt es eine Ursprache? Wieviel von der Sprache ist "angeboren"? Warum sprechen nicht alle Menschen auf der ganzen Welt gleich? Was ist Konvention an den Zeichen und was liegt "in der Natur" der Sache?
Die drei großen H-s: Hamann (Lehrer von Herder), Herder, Humboldt (Philosophieren nicht mehr über die Sprache, sondern mit der Sprache)
Vico um 1750: Überlegungen zur Sprache - Erstes Wort sei "Gott" gewesen, vom Klang des Donners her.
Was sind Worte? "Flatus vocis" - "Stimmhauch". Nominalismus: gibt es abstrakte, allgemeine Begriffe?
http://www.edge.org/ - "Third culture": "Neue Wissenschaft": überwindet die Kluft zwischen Naturwissenschaft und den "anderen".
Herder, Humboldt: Der Mensch mußte Sprache erfinden, um Mensch zu werden.
Sprache: Instrument der Welterkenntnis - kognitive Funktion (Theorie) zusätzlich zur kommunikativen (Performanz).
Drei Oppositionen: Bibel, Cartesianismus, Aristotelismus.
Herder: Sprachursprung menschlich - gefährlich, da die Implikationen gefährliche Ideen waren. (Religion: stabilisierende Funktion) Bibel: Gott ist der Sprechende - aber Adam benennt die Dinge und wird dann von Eva zur Kommunikation (=> Bewußtsein, Wissen) verführt. => Emanzipation des Menschen => Turm zu Babel => Sprachverwirrung, Turm kann nicht mehr gebaut werden.
Cartesianismus: Autorität, Lehrmeinung: Trennung von Geist und Körper. Ideen sprachlos, mit Affinität zu den Sinnen. Sprache körperlich, daher unscharf und daher kein Mittel der Erkenntnis.
Aristotelismus: Alle Menschen haben die gleichen Vorstellungen, und zwar Abbildungen von Dingen => kognitiver Bereich universell, sprachlos, einheitlich.
Kant: "Einheitserzeugung im Geiste" => für alle Menschen bindend.
Erkenntnis bis Kant: "Unbefleckte Empfängnis", unbeeinflußt von Sprache, Empfindung etc.
Humboldt: Verschiedene Sprachen => verschiedenes Denken
Mensch ist auch Tier (aber laut Herder ein ziemlich schlechtes Tier). Wenn Tiere auch hören und Laute ausgeben, warum haben sie keine Kultur?
Die Tiere haben Kommunikationssysteme, die in ihrem Instinktsystem nützlich sind. Sie sind in ihren Instinkten gefangen und entwickeln keine Kreativität, daher keine Kultur.
Unterschiede:
Sprache <=> phonetische Realisierung der Laute
Sprechen <=> Kommunikation
Chomsky: Tiefengrammatik. Syntax ist angeboren.
Frage: wie frei ist der Mensch? Vieles kann durch Biologie erklärt werden, aber die Kreativität nicht.
Bis spätestens 31. 1.
Wer auf der Liste steht und zwei Übungsarbeiten abgegeben hat, wird mit 31. 1. beurteilt - andernfalls sich melden!
"Prüftermin" am 4. März 2002.
Im Sommersemester wird mit Mauthner begonnen, um Sprachkritik, Medienkritik etc. abzuhandeln.
Fritz Mauthner: Sprache ist nirgends, außer zwischen den Menschen.
Wilhelm von Humboldt (Diplomat): Sprache ist Funktion innerhalb des Gemeinwesens. Intersubjektivität wird thematisiert (früher, z.B. bei Kant, vorausgesetzt). Analyse einzelner Sprachen, nicht mehr "der Sprache".
Alexander von Humboldt (Entdecker): 1804: 35 Bände "von der Welt".
Ursprache => Idealsprache: Sprache für Wissenschaftselite, Therapie durch Sprache => "linguistic turn": z.B. Wittgenstein.
Universalsprache: eine, die von allen verstanden wird.
Humboldt: dialogisches Modell, es geht nicht um Objekte, sondern daß wir über die Objekte sprechen, daß wir unsere Sicht der Objekte miteinander abgleichen. => Intersubjektivität.
Welt ist sprachlich konstituiert => es kann sein, daß es mehrere Welten gibt, keine Welt an sich. Sprache übt eine "Gewalt" gegen den Menschen aus, der Mensch wird "von der Sprache gesprochen".
Michael Giesecke: Feedback in der Kommunikation => Zielgerichtetheit der medialen Kommunikation ein Effekt der Gutenberg-Galaxis.
Ab 1921 Neudefinition der Sprachwissenschaft. Sapir: "Language"; Whorf: "Language and reality".
Sprache ist Konstruktion, auch bei "primitiven" Völkern nicht nur lautmalerische Wörter. => Lösen von biologischen Erklärungsversuchen.
Sprachrelativismus, Sprachdeterminismus? Unsere Weltauffassung/Naturbeschreibung ist nicht Welt, sondern Beschreibung von Welt. Grammatik beeinflußt diese Beschreibung: linguistisches System. Objektivität: kulturrelatives Ordnungssystem.
© Balázs Bárány.
(Homepage)
Zuletzt geändert:
2002-01-26.