Kommunikationswiss. Seminar:

Selbstverständnis in traditionellen und neuen Kommunikationsberufen

WS 2001/02

LV-Leiter: Dr. Roman Hummel


Content-Produzent:

Zwischen Techniker, Redaktroniker und Journalist


Eingereicht von:


Balázs Bárány, 9606800

Simon Hadler, 9403074

Sonja Luef, 9551459

Christoph Zich, 9604563

INHALT


1. Einleitung 2

2. Aus- und Fortbildung 2

2.1. Universität 3

2.2. Lehrgänge/Zusatzqualifikationen/Weiterbildung 5

3. Rekrutierung 9

3.1. Wie Firmen neue Mitarbeiter rekrutieren 9

3.2. Inhaltsanalyse ausgewählter Stellenanzeigen 11

3.2.1. Auswertung 11

3.3. Auswahlverfahren und Probezeiten 17

4. Tätigkeitsprofile bei der Produktion von Online-Content 18

4.1. Online-Redakteure 18

4.1.1. Der Textredakteur 20

4.1.2. Der Content-Manager 20

4.1.3. Der Gatekeeper 21

4.2. Informations-Designer (Info-Designer) 21

4.3. EDV-Administratoren 23

5. Arbeitsbedingungen der Online-Content-ProduzentInnen 23

Exkurs: Unternehmen im Online-Publishing 23

5.1. Beschäftigungsverhältnisse 24

5.1.1. Gehälter und sonstige Leistungen 25

5.1.2. Atypische Gehaltsformen 27

5.2. Organisation in Interessensvertretungen 27

5.2.1. Gewerkschaftszugehörigkeit 27

5.2.2. Betriebsräte 28

5.2.3. Berufsverbände 29

6. Abschließende Bemerkungen zum Arbeitsmarkt 29

7. Literaturverzeichnis 30






1. EINLEITUNG


Der Web-Content-Bereich ist noch recht jung, dementsprechend wenig ist bisher in der Wissenschaft - und noch dazu in der österreichischen - dazu geforscht worden. Es existieren wenig Studien, die die spezielle Berufssituation in unserem Land untersuchen.

Ziel dieser Arbeit ist es, systematisch relevante Informationen zu Web-Content und den Beschäftigten dieser Branche zusammenzutragen. Welche Berufe gibt es in diesem Bereich überhaupt? Wie lauten die einzelnen Tätigkeitsprofile? Wo kann man sich ausbilden lassen? Worauf legen Personalrekrutierer wert? Und - last but not least - unter welchen Bedingungen versehen die Mitarbeiter ihren Dienst?

Wie schon angesprochen, gibt es zu diesem Thema noch ziemlich wenig seriöse Literatur, fündig wurden wir am ehesten noch im Internet. Wir traten aber auch an Menschen aus der Praxis heran, an Personalverantwortliche, Betriebsräte und Content-Mitarbeiter, um ihre Sicht der Dinge zu erheben und ihre Einschätzung zur gesamten Branche zu erfassen. Außerdem versuchten wir mit einer Inhaltsanalyse von 50 Stellenanzeigen aufzudecken, welche Eigenschaften und Fähigkeiten im Web-Content wirklich zählen. Und zumindest ein kleines Stück Pionierarbeit in der Internet-Berufsfeldforschung haben wir mit dieser Seminararbeit hoffentlich geleistet.



2. AUS- UND FORTBILDUNG


Es gibt eine Vielzahl von Ausbildungsangeboten und eine Vielzahl von Wegen, um sich später als Onlinejournalist profilieren zu können . Leider ist nicht alles Gold was glänzt.

Wir haben versucht die besten Angebote zu eruieren. In unsere Untersuchung haben wir sämtliche Angebote der Universitäten, (Fach)Hochschulen, Bfi Kurse sowie Wifi Kurse und am Rande die Kurse der Volkshochschulen herangezogen. Nach eingehenden Literaturrecherchen sowie Gesprächen mit Professoren, Lehrkräften sowie Mitarbeitern der Studien- und MaturantInnenberatung der Österreichischen Hochschülerschaft hat es sich gezeigt, dass die Ausbildungsstätten auf die (noch) Nachfrage nach IT Fachkräften reagiert haben und auch an den Bereich des Onlinejournalisten gedacht wurde. Die Angebote an den Fachhochschulen in diese Richtung sind jedoch meist an die Bedingung eines abgeschlossenen Studiums und/oder Berufserfahrung geknüpft.

Nachfolgend haben wir alle Kursangebote die uns relevant erschienen aufgelistet:

2.1. UNIVERSITÄT


Leider gibt es an den Österreichischen Universitäten kein Studium das speziell auf Onlinejournalismus zugeschnitten ist, jedoch kann man sich in Medieninformatik auf den Bereich Onlinemedien spezialisieren.

Folgende Studien wären eine gute Wahl für den angehenden Onlinejournalisten: Medieninformatik, Computergraphik & Digitale Bildverarbeitung sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.


Bakkalaureatstudium Medieninformatik:


Das Bakkalaureatstudium der Medieninformatik dauert sechs Semester und umfasst 130 Semesterwochenstunden.

Im Studienplan der Technischen Universität steht:

"Das Studium Medieninformatik versteht sich als spezielle anwendungsorientierte Informatik, die die Bereiche Design, Computergraphik, Bildverarbeitung und Multimedia des Visuellen in den Mittelpunkt stellt.[...]

Hierzu wird als Kern des Studienganges eine solide Grundausbildung in der Informatik angeboten, mit einer Spezialisierung auf visuelle Themen wie Design, Computergraphik, Bildverarbeitung und Mustererkennung. Hier sind Gebiete wie die technische Bildaufnahme, Bildvorverarbeitung, Bildauswertung und automatische Bildinterpretation vertreten, aber auch neben Bildwiedergabe und Bildkommunikation alle Aspekte der Bildsynthese, der virtuellen Realität und der wissenschaftlichen Visualisierung. Tätigkeitsfelder für die AbsolventInnen sind überall dort zu finden, wo mit dem Computer anspruchsvolle Problemstellungen bearbeitet werden, bei denen Bilder produziert oder analysiert werden. Bereits heute absehbare Bereiche sind der Medienbereich (Fernsehen, Internet-Dienste, aber auch Printmedien), CAD/CAM-Systeme, Bildverarbeitung, das elektronische Publizieren, Filmproduktionen mit anspruchsvoller Tricktechnik, Multimedia- und Internetanwendungen sowie alle Medienberufe."1


Magisterstudium Medieninformatik sowie Computergraphik & Digitale Bildverarbeitung:


Vor Beginn dieser Studien muss ein Bakkalaureatstudium absolviert werden. Dies kann sein: Data Engineering & Statistics, Medieninformatik,Medizinische Informatik, Software & Information Engineering oder Technische Informatik.

Das Magisterstudium dauert vier Semester und es sind 55 Semesterwochenstunden zu absolvieren.

Die Magisterstudien sind als "Vertiefung und Spezialisierung in relevanten Gebieten der Informatik" gedacht. "Die AbsolventInnen sind sowohl für höhere Positionen in der Wirtschaft als auch für weiterführende Forschungsaufgaben hoch qualifiziert. Die weit gefassten Zulassungsbedingungen erhöhen die Möglichkeiten, in verschiedenen Anwendungsgebieten Schlüsselqualifikationen zu erwerben." 2


Magisterstudium Publizistik- und Kommunikationswissenschaft:


Das Studium ist zur Zeit noch kombinationspflichtig und soll ab 01.10.2002 auf ein Bakkalaureatstudium sowie Magisterstudium umgestellt werden. Leider bietet das Studium in der jetzigen Form nur ein Grundlagenstudium aus allen Teilbereichen der Medienlandschaft.

Um sich auf Onlinejournalismus zu spezialisieren sind auf jeden Fall noch Zusatzqualifikationen notwendig.

Aus dem Studienleitfaden: "Für die Anforderungen der Praxis in den Berufsfeldern Journalismus, Werbung, PR, Marketing, Medienpädagogik etc. [...] gibt es nur eine zielführende Schule: Die Praxis selbst."3


Natürlich ist das Studium der Informatik, der technische Informatik und der Wirtschaftsinformatik eine solide Grundlage um als Onlinejournalist zu arbeiten. Es sind aber sicherlich Zusatzqualifikationen bzw. Praktika notwendig. Unserer Meinung nach wäre ein Doppelstudium Medieninformatik und Publizistik am zielführendsten.


2.2. LEHRGÄNGE/ZUSATZQUALIFIKATIONEN/WEITERBILDUNG


Es gibt eine Vielzahl von Lehrgängen und Weiterbildungsangebote die, mit einem Studium kombiniert, sicherlich zum Ziel führen können.

Wir haben wieder die für uns am relevantersten Angebote herausgearbeitet.


Studium Inter Media:


Anbieter: Fachhochschule Vorarlberg


Voraussetzungen: allgemeine Hochschulreife/Matura/Studienberechtigungsprüfung oder einschlägige berufliche Qualifikation mit Zusatzprüfungen, Bewerbungsschreiben sowie Aufnahmeprüfung


Inhalte: "Grundlagen, Semiotik, Kultur & Design, Kommunikation, visuelle, verbale und akustische Gestaltung, Medien-BWL, Marketing, Werbung, Management, Recht, Ethik,
Programmieren, Technologie, Englisch, Kommunikationstraining, Psychologie, wissenschaftliches Arbeiten"4


Abschluss: Magister/Magistra für mediale Kommunikationsgestaltung (FH)


Kosten: € 363,36 /Semester


MultiMediaArt:


Anbieter: Fachhochschule Salzburg


Voraussetzungen: Abgeschlossenes Universitätsstudium oder gleichwertige berufliche Qualifikation, vierteilige Aufnahmeprüfung


Inhalte: "Die AbsolventInnen des FH-Studienganges MultiMediaArt werden zu umfassend kompetenten und innerhalb der Wirtschaft universell einsetzbaren Multmedia ProduzentInnen ausgebildet. Die AbsolventInnen sind - unter Einbeziehung von Texten, Bildern, Tönen und Animationen - in der Lage, Multimedia-Programme und Multimedia-Anwendungen zu konzipieren und zu produzieren. Ihre Kompetenz betrifft dabei sowohl technische, als auch künstlerische Aspekte.

Weiters verfügen sei über ausreichende Fähigkeiten, die Gesetze und Spielregeln des Marktes zu verstehen und die Grundsätze einer betriebswirtschaftlichen Unternehmungsführung anwenden zu können. In diesem Sinne übernehmen sie Fach- und Führungsaufgaben in Unternehmen und Institutionen, die als Anbieter und Nachfrager von Multimedia-Produktionen auftreten."5

Abschluss: Diplomingenieur/in (FH)


Medientechnik und Mediendesign:


Anbieter: Fachhochschule Hagenberg


Voraussetzungen: allgemeine Hochschulreife/Matura/Studienberechtigungsprüfung (wenn kein Nachweis in Englisch so muss bis zum Beginn des Studium dies nachgewiesen werden)


Inhalte: "Der Fachhochschulstudiengang soll Praktikerinnen und Praktiker ausbilden, die integrative Projekte im Bereich Kommunikation und neue Medien planen, durchführen und überwachen sowie die informationstechnischen Infrastrukturen entsprechender Systeme wirtschaftlich und wirksam betreiben und nach systemtechnischen Gesichtspunkten optimal managen können. Der Studienplan besteht aus drei Hauptgruppen von Gegenständen und zwar aus technischen und gestalterischen Grundlagen der/des Medientechnik/Mediendesigns und integrativen Projekten."6


Abschluss: Diplomingenieur/in (FH für Medientechnik und -design)


Universitätslehrgang Electronic Publishing:


Anbieter: Donau-Universität Krems


Voraussetzungen: Abgeschlossenes Universitätsstudium oder gleichwertige berufliche Qualifikation, Zulassung durch das Lehrgangsteam, gute Englischkenntnisse


Inhalte: "Durch die Vermittlung von professionellem Wissen über Projektplanung, Produktentwicklung sowie Produktionsabläufe bei der Herstellung von New Media-Produkten und Diensten kombiniert mit dem Fach Management erwerben die Absolvent/inn/en [...] jene Kentnisse und Fähigkeiten, die sie als Projektmanager bzw. Producer im Multimedia-Bereich qualifizieren."7


Abschluss: Master of Advanced Studies (Electronic Publishing)


Kosten: € 9.810,83


Universitätslehrgang Qualitätsjournalismus und Master-Programm:


Anbieter: Donau-Universität Krems


Voraussetzungen: Studentinnen und Studenten im 2. Studienabschnitt oder Praktikerinnen und Praktiker mit gleichzuhaltender Berufserfahrung


Inhalte: "Qualitätsjournalismus kombiniert die praktische Grundausbildung im Print- , Radio- und Fernsehjournalismus mit der Vermittlung von theoretischem Grundlagenwissen. In der Master-Variante wird dies noch um die neuen Berufsfelder (Online-, Multimediajournalismus) ergänzt."8


Abschluss: Akademische/r Journalist/in oder Master of Advanced Studies in Journalism


Kosten: € 2.900 /Semester


Ausbildung zum/zur Multimedia-ProduzentIn:


Anbieter: bfi Wien


Voraussetzungen: Gute Windows und/oder Apple-Macintosh- Kenntnisse sowie ein Aufnahmetest


Inhalte: Journalismus und neue Medien, Grafik- und Screenpublishing, Digitale Videoproduktion und -animation, Produktion interaktiver CD-ROMs, Website- Realisierung


Abschluss: Zertifikat


Kosten: auf Anfrage 9


Journalismus und Umgang mit Medien:


Anbieter: Werbeakademie (Wifi Wien)


Voraussetzungen: Praktikerinnen und Praktiker sowie Menschen die in einer Medienausbildung stehen


Inhalte: Strukturen von Medienunternehmen, journalistische Recherchetechniken und journalistische Stilformen, Arbeitsweisen und Umfeld von Journalisten, medienrechtliche Fragen, Fallbeispiele zur Medienarbeit.


Kosten: € 501,44 10


Lehrgang für Online-Redakteure:


Anbieter: polycollege


Voraussetzung: Keine; Zielgruppe sind Journalistinnen und Journalisten im Beruf oder Menschen die in einer Medienausbildung stehen, die eine Zusatzqualifikation suchen.


Inhalte: Der Lehrgang soll sowohl eine theoretische als auch eine praktische Ausbildung im Bereich der Onlinemedien bieten.


Kosten: € 1.163 für 10 Schulungstage 11


Bei den letzten zwei Angeboten ist die Qualität der Ausbildung leider nicht feststellbar gewesen. Wir würden sie als Zusatzqualifikation sehen.



3. REKRUTIERUNG


3.1. WIE FIRMEN NEUE MITARBEITER REKRUTIEREN


Wie in jeder Branche gibt es auch für Arbeitssuchende im Internet-Content-Bereich mehrere Möglichkeiten, an einen Job heranzukomen. Eine der aussichtsreichsten ist es sicherlich, sich im Internet umzuschauen. Auch für Österreich gibt es eine Vielzahl von online-Jobbörsen, die von Firmen im EDV-Bereich stark frequentiert werden. Als die für IT-Worker am brauchbarsten und umfangreichsten haben sich im Zuge der Recherchen jobpilot12, eurojobsearch13, die virtuelle Jobvermittlung des Arbeitsmarktservice14 und der jobmonitor15 herausgestellt. Für Nebenbeschäftigungen und zeitlich begrenzte Projekte bieten sich auch die Jobvermittlung der Österreichischen Hochschülerschaft16 sowie www.myfreelancer.at an. Und Nachfrage und Angebot nach Arbeit boomt im Netz: "Eine Wachstumsrate von 232 Prozent im Vergleich zum Vorjahr meldeten 2000 allein die zehn erfolgreichsten Internet-Jobvermittler."17 Der Vorteil der virtuellen Jobsuche liegt auf der Hand: Interessenten können rund um die Uhr und völlig anonym auf eine Datenbank von Anzeigen zurückgreifen. Für die Firmen sind die Kosten geringer als eine Schaltung in der Presse, es können potentiell mehr Personen erreicht werden, das Unternehmen transportiert ein junges, modernes Image.

In den Printmedien wird man auf der Suche nach offenen Stellen von Web-Firmen schon schwerer fündig. In der Jobbeilage des Wochenend-Standards stößt man zwar auch jedes Mal auf Stellenangebote im Bereich WWW, die Auswahl ist hier allerdings geringer. Ansonsten lohnt es sich meiner Ansicht nach gar nicht, in Printausgaben von Tages- oder Wochenzeitungen überhaupt zu suchen.

Am erfolgsversprechendsten scheint es jedoch zu sein, wenn man auf Beziehungen zu Beschäftigten in der Branche zurückgreifen kann. Der Vorteil: Man erfährt von Jobs, die noch nicht einmal offiziell ausgeschrieben sind (und es oft auch niemals werden) und hat gegenüber des Personalverantwortlichen einen Fürsprecher. Aber auch für die Firma scheint diese Lösung nahezu ideal zu sein: Ein Beschäftigter wird es sich kaum leisten, eine ungeeignete Person zu empfehlen, weil das auch auf ihn selbst schlechtes Licht werfen würde. Der Human Resource Manager der Wiener Firma apc interactive, Philipp Schimek, drückte das in einem Interview mit uns so aus: "Es ist ganz bestimmt sehr relevant, wenn ein guter Mitarbeiter jemanden empfiehlt. Gerade im technischen Bereich ist das ein gutes Rekrutierungsmittel, man empfiehlt keine schlechten Leute! Es funktioniert in der Praxis auch gut. Plus: Niemand würde jemanden ins Team holen, mit dem er nicht kann!" Gerade das letzte von Schimek angeführte Argument wiegt in einer Arbeitsumgebung, in der viel gemeinsam an Projekten gearbeitet wird, schwer.

Auch was die Bewerbung angeht, bevorzugen viele Firmen den Weg übers Internet. "In der IT- und Internetbranche setzen derzeit etwa 60 Prozent der Bewerber auf die Online-Bewerbung als chancenreichsten Einstieg in einen neuen Job. Bei Vertriebs- und Marketingprofis sind es nur 20 Prozent, im Bereich Verwaltung gerade noch fünf Prozent."18 Diese Zahlen beziehen sich zwar auf Deutschland, sind aber wohl auch auf Österreich ganz gut übertragbar. Zumindest dass mindestens die Hälfte der Bewerbungen im WWW-Bereich online verschickt werden und dass der Prozentsatz der höchste im Vergleich zu anderen Branchen ist, kann man auf unser Land übertragen.

apc-Personalchef Philipp Schimek über seine liebste Art der Kontaktaufnahme mit einem Jobsuchenden: "Bei uns soll man sich online bewerben, natürlich, nur online. Es ist viel zu mühsam, per Brief zu antworten. Außerdem kann man gleich links mitschicken, Arbeitsproben sind der beste Beweis! Die kann man gleich anklicken und anschauen. Der Bewerber soll aber genau beschreiben, was er bei dem Projekt gemacht hat, zum Beispiel `redaktionelle Verantwortlichkeit für die site xy´. Man kann dann auch ein Vorgespräch über e-mail führen und einen Vorstellungstermin vereinbaren." Dass die meisten IT-Firmen zumindest einer ersten Kontaktaufnahme via e-mail nicht abgeneigt sind, erkennt man daran, dass fast alle in ihren Stellenanzeigen ihre Mailadressen bekannt geben.


3.2. INHALTSANALYSE AUSGEWÄHLTER STELLENANZEIGEN


Um genau zu überprüfen, welche Kenntnisse und Eigenschaften den Arbeitgebern bei zukünftigen Mitarbeitern wichtig sind, habe ich eine Inhaltsanalyse von 50 Stellenanzeigen durchgeführt. Die Auswahlkriterien waren, dass es sich um Jobausschreibungen im Bereich Internet-Content handelt und diese Anzeigen zwischen November 2001 und Jänner 2002 in einem Printmedium oder online aufgegeben worden sein.

Nach Vorliegen des Materials entwickelte ich ein Kategorienschema, das sich an den unterschiedlichen von Siegfried Weischenberg definierten Kompetenzen anlehnt. Zum Schema heißt es in der Literatur: "Kategorien müssen einander ausschließen, erschöpfend und unabhängig voneinander sein."19 Das konnte ich in der Praxis allerdings nicht hundertprozentig sicherstellen, da sich im Web-Content-Bereich die Fach- und die Technikkompetenz zum Teil überschneiden, die beiden Fähigkeiten also oft nicht gut aufgespalten werden können und daher in den Stellenanzeigen meist gemeinsam auftreten. Dazu aber später, wenn dieser Punkt der Auswertung angesprochen wird, noch genaueres.


3.2.1. AUSWERTUNG


44 der von mir untersuchten Stellenanzeigen stammen aus dem Internet, und zwar aus insgesamt elf verschiedenen Jobbörsen beziehungsweise Firmenhomepages. Die restlichen sechs Anzeigen habe ich der Stellenbeilage des Standard entnommen.

Die Annoncen stammen von 44 verschiedenen Firmen, ich habe also versucht, ein möglichst breites Spektrum an Arbeitgebern und Quellen für meine Analyse heranzuziehen. Nach folgenden Personen wurde gesucht:20





Bereich Design/Grafik

26 Mal

Webdesigner

12

Screendesigner

3

Grafiker

2

Junior Webdesigner

1

Mitarbeiter Webdesign und Entwicklung

1

Medienfachmann - Mediendesign

1

Web Application Designer

1

Multimediadesigner

1

Screen Illustrator

1

Junior Grafiker

1

3D-Grafiker

1

DTP-Grafiker

1


Bereich Programmierung

8 Mal

Web Programmierer

6

Java-Experte

1

Java/XML/EJB-Experte

1


Bereich Entwicklung

7 Mal

Entwickler

2

Webentwickler

2

Webdeveloper

1

Portal Entwickler

1

Entwickler für Web-Applikationen

1


Bereich Inhalte

5 Mal

Online-Redakteur

3

Jurist für arbeitsrechtlichen Online-Dienst

1

Mitarbeiter für Internet-Liveübertragungen

1


Anderes

12 Mal

Webmaster

5

Content-Management

2

Mitarbeiter Informatikdienst

1

Techn. Produktmanagement im Portalbereich

1

Mitarbeiter Internet Portal Application

1

Kundenberater

1

Account Manager für Internet

1


Der klassische Online-Redakteur ist also längst nicht so gesucht wie Personen, die aus dem grafischen Bereich oder der EDV kommen. Mögliche Ursachen: Zum einen gibt es anscheinend kaum einen Mangel an Journalisten, auch nicht im Web. Der Grund dafür könnte sein, dass bei klassischen Printmedien, die neuerdings auch im Internet vertreten sind, gleich Personen von der Printredaktion angeworben werden, dass also keine neuen Leute von Außen benötigt werden. Zum anderen könnte die Arbeitszufriedenheit der Designer und Grafiker so gering sein, dass sie ungewöhnlich oft ihren Job wechseln und daher laufend Stellen nachbesetzt werden müssen. Ich vermute allerdings, dass es einfach viel weniger Grafiker am Markt gibt, da ihre Arbeit durch das Beherrschen-müssen von etlichen Computerprogrammen "schwieriger" ist und durch Ausbildung zumindest stärker geregelt ist als die der Journalisten. Um genauere Auskünfte über den Grund der Berufsverteilung am WWW-Stellenmarkt zu bekommen, müsste allerdings noch genauer geforscht werden.


Des weiteren habe ich bei meiner Inhaltsanlayse erhoben, welche persönlichen Fähigkeiten und Stärken von den Bewerbern verlangt werden. Diese sogenannten social skills werden in 35 der 50 Anzeigen angesprochen. Insgesamt konnte ich 119 Nennungen verbuchen, die ich wieder in Oberbereichen zusammengefasst habe.


Bereich selbständiges Arbeiten

18 Mal

Selbständigkeit

11

Eigeninitative

3

Eigenverantwortliches Arbeiten

3

Eigenständig

1


Bereich Kreativität

16 Mal

Kreativität

14

Viele Ideen

2



Bereich Teamarbeit

12 Mal

Teamfähigkeit

8

Teamorientierung

2

Teamgeist

1

Freude an Teamarbeit

1


Bereich Leistungsbereitschaft

11 Mal

Engagement

5

Einsatzbereitschaft

4

Leistungsbereitschaft

2


Bereich Kommunikationsfähigkeit

7 Mal

Kommunikationsfähigkeit

5

kommunikativ

1

Kontaktfähigkeit

1


Bereich Innovationen

5 Mal

Visionäres Denken

3

innovativ

2


Bereich Auftreten

4 Mal

Sicheres Auftreten

1

Überzeugendes Auftreten

1

Gutes Auftreten

1

Präsentationssicherheit

1


Bereich Mobilität

4 Mal

Mobilität

2

Reisebereitschaft

2


Bereich Organisation

4 Mal

Organisatorische Fähigkeiten

4


Anderes

38 Mal

z.B. flexibel, Sportbegeisterung, Verlässlichkeit, lernfähig, Kundenorientierung,...


Erstaunt hat mich im ersten Moment, dass der Komplex "Teamarbeit" nicht an erster Stelle liegt. Schließlich arbeiten die meisten jungen Internet-Unternehmen in Teams, Programmierer, Grafiker und Redakteure gestalten zusammen Projekte, mit Einzelkämpfern hätten es die Kollegen schwer. Allerdings haben ja auch social skills aus dem am häufigsten genannten Bereich "Selbständigkeit" mit Teamarbeit zu tun. Durch die flachen Strukturen gibt es in den Firmen niemanden, der den Mitarbeitern ständig sagt, was sie zu tun haben. Jeder ist für seinen Bereich zuständig, im Team kann man niemanden brauchen, der andauernd instruiert werden muss und sich die anfallende Arbeit nicht selbst einteilen kann.

Dass die Kreativität an zweiter Stelle der erwünschten Eigenschaften steht, hat wohl damit zu tun, dass in meinen Stellenanzeigen so viele Designer und Grafiker gesucht werden. "Kreativität" ist hier aber meiner Ansicht nach eine nichtssagende Forderung, denn wenn es jemand an Ideen und gestalterischen Ausdrucksmöglichkeiten mangelt, wird er sicher ohnehin nicht den Beruf des Grafikers wählen.

Leistungsbereitschaft ist etwas, dass natürlich nicht nur in der EDV-Branche gefordert wird, sondern überall wichtig ist. Mitarbeiter in IT-Unternehmen arbeiten aber meist mehr als acht Stunden pro Tag und ohne den gesetzlich erlaubten Urlaub auszunützen, sie müssen also noch engagierter sein als manch andere.


Analysiert habe ich auch, welche klar überprüfbaren technischen Kompetenzen von den Bewerbern verlangt werden. Das hängt natürlich auch von der zu besetzenden Position ab, gewisse Grundkenntnisse scheinen aber quer durch hilfreich zu sein. Zu den am meisten geforderten Programmen und Programmiersprachen zählen:


HTML 16 Nennungen

Java 12

JavaScript 11

PHP 9

Photoshop 7

Flash 7

MySQL 6

SQL 6


Insgesamt waren 32 Anzeigen Forderungen nach ganz bestimmten EDV-Kenntnissen zu entnehmen.


Auch der Kern meiner Inhaltsanalyse, die Zerlegung der Anzeigen in einzelne Kompetenzkategorien, hat Interessantes ergeben:


Kompetenzen

Begabung

Praxis

Theorie




Schule

Uni

Sachkompetenz

2

11

2 (+1 Wifi)

2 (+1 eventuell, +1 Uni od. FH)

Fachkompetenz

3

44

5 (+1 Wifi)

2 (+1 Uni od. FH od. Praxis, +1Uni od. FH, +1 Uni od. Praxis, +1 Uni od. Schule od. Praxis)

Vermittlungsk.

3

7

-

-

Technikk.

3

45

3 (+1 Wifi)

2 (+1 Uni od. FH od. Praxis, +1 Uni od. Praxis, +1 Uni od. Schule od. Praxis)



1 Mal abgeschl. Berufsausbildung

2 Mal Matura als formale Hürde



Was aus der Tabelle auf den ersten Blick ersichtlich ist: Praxis ist für die Arbeitgeber das allerwichtigste Einstiegskriterium. Begabung alleine reicht anscheinend nicht aus, eine bestimmte Schulausbildung oder gar ein Studienabschluss ist dem Großteil der Firmen ebenfalls egal. Zwei Firmen geben als Kriterium "Matura" an, in welcher Schule der Bewerber war, ist aber egal. Die Matura wird so zur rein formalen Hürde und ist nicht an bestimmte Lerninhalte geknüpft.

Nur ganz selten verlangen die untersuchten Firmen eine universitäre Ausbildung. Als Alternative eine Fachhochschule, eine einschlägige Schule (HTL) oder schlicht und einfach Praxis genügt fast allen, die doch auf ein fundierteres Wissen bei ihren Mitarbeitern setzen. Wo die Bewerber ihre Fähigkeiten erworben haben, ist eher egal. Das sieht man auch sehr gut daran, dass in den Annoncen oft "Kenntnisse" in verschiedenen Bereichen vorausgesetzt werden. Woher diese Kenntnisse stammen, wird nicht näher spezifiziert und ist somit anscheinend unwichtig.

Die Zahlen für Fach- und Technikkompetenz sind beinahe gleich hoch und übertreffen alle andere Werte bei weitem. Den Grund dafür sehe ich darin, dass der Web-Content ein sehr stark technisierter Bereich ist, ohne Technikkompetenz geht hier für die Arbeitnehmer praktisch gar nichts. Fach- und Technikkompetenz überlappen sich auch sehr häufig, zum Beispiel ist bei einem Webdesigner das Beherrschen des Handwerks (also die Fachkompetenz) unmittelbar an die Computerprogramme angebunden. Ähnlich verhält es sich bei einem Programmierer. Ausnahmen sehe ich vor allem in Bereich des Online-Journalismus, wo zum Beispiel das Recherchieren, die Selektion von Themen oder das Verfassen einer ganz bestimmten Textsorte nicht oder nur zum Teil an technische Hilfsmittel gebunden sind.

In fünf Anzeigen war als Kriterium zur Einstellung eine Altersspanne angegeben, meist wurden Bewerber zwischen 20 und 35 Jahren gesucht. Das Alter nimmt somit mindestens einen so großen Stellenwert wie die theoretische Ausbildung ein!


Zusammenfassend kann man durchaus sagen, dass die Inhaltsanalyse der Stellenanzeigen die Situation in der Praxis wiederspiegelt. Die IT-Branche und ihre Mitarbeiter sind zum Großteil jung, sie sind Menschen der Praxis, die sich ihr Wissen in Kursen oder selbst beigebracht haben, unabhängig von ihrer persönlichen Schulbiographie.

Publizistik-Studenten der Universität Salzburg untersuchten im Rahmen eines Seminars, aus welchen Bereichen die Mitarbeiter von 13 verschiedenen Online-Redaktionen in Österreich kommen.21 In dieser Studie zeigt sich, dass in dem Bereich viele Studenten und Studienabbrecher beschäftigt sind. Die Studienrichtung spielt eine untergeordnete Rolle, es finden sich neben Publizisten auch Theologen, Philosophen, Naturwissenschafter, Soziologen, Politologen und Wirtschaftswissenschafter in den heimischen Online-Medienbetrieben.


3.3. AUSWAHLVERFAHREN UND PROBEZEITEN


Für neue Angestellte gilt allgemein eine gesetzlich verankerte Probezeit von einem Monat. Diese Regelung wird laut Einschätzung von apc-Human Resource Manager Philipp Schimek in der Branche auch eingehalten - zumindest bei professionell geführten Unternehmen. Nach der Probezeit kann der Bewerber rechtlich unproblematisch gekündigt werden, sollte sich herausstellen, dass er doch nicht in das Unternehmen passt. Diese drop out-Quote ist allerdings nicht sehr hoch. Schimek: "Von zehn Personen betrifft das vielleicht eine oder zwei. Die Leute in dieser Branche haben einen großen Drang nach Selbstverwirklichung, sie zeigen großes Engagement. Einen drop out gibt es eigentlich nur, wenn es Missverständnisse bei der Einstellung gegeben hat."

Weil Teamarbeit im Web-Content groß geschrieben wird, haben meist auch die Teams Mitspracherecht bei der Rekrutierung eines zukünftigen Kollegen. Schon vor der Einstellung werden neue Kandidaten der Arbeitsgruppe vorgestellt, eindeutige Antipathien können also noch vor dem Probemonat entdeckt werden.

Dass im Team alles stimmen muss, weil es die Motivation bei den Web-Beschäftigten entscheidend beeinflusst, hat eine deutsche Studie im Vorjahr herausgefunden.22 "Fast zwei Drittel identifizieren sich mit der Kultur ihres Unternehmens. Insbesondere der ausgeprägte Teamgeist spielt eine entscheidende Rolle. [...] Die große Zufriedenheit mit den beruflichen Herausforderungen und der teamorientierten Unternehmenskultur bestätigen die These, dass diese beiden Bereiche für E-Worker die größten Motivationsquellen darstellen."23



4. TÄTIGKEITSPROFILE BEI DER PRODUKTION VON ONLINE-CONTENT


"Idealerweise sollten bei Online-Medien Design und redaktioneller Output eine Einheit bilden und einer Funktion dienen: dem User helfen, online effektiver und problemloser zu kommunizieren." - Das als knapper, programmatischer Grundsatz der Content-Produktion, zu finden in Steve Quinns Fibel des digitalen Journalismus, "Digital Sub-editing & Design"24.

Wie die Aufgabenbereiche bei der Produktion von Online-Content verteilt sind, ist natürlich von Redaktion zu Redaktion verschieden. Echte Allrounder, die sowohl für Text, als auch für Info-Design und vielleicht zusätzlich sogar noch für die EDV-Administration zuständig sind, wird man nur in sehr kleinen Redaktionen finden. Bei größeren Unternehmen wie etwa ORF ON sind diese Aufgaben meist getrennt.

In erster Linie orientiert sich der User von Online-Portalen und News-Websites nach dem Text, wie eine Studie der Stanford University gezeigt hat25 - auch wenn das World Wide Web ein visuelles Medium ist. Zuerst werden Titel und kurze Texte gelesen, dann erst Grafiken und Illustrationen betrachtet.

Der erste und umfangreichste Punkt dieses Kapitels ist deshalb den Online-Redakteuren gewidmet. Essentielle Arbeit leisten aber auch die Info-Designer. In den redaktionellen Richtlinien von ORF ON26 ist etwa von einer "erheblichen visuellen Komponente" und "zentralen multimedialen Erweiterungen" die Rede. Und auch ohne EDV-Administration blieben viele Artikel offline. Ganz zu schweigen vom Produkt- und Softwaredesign, das über die Brauchbarkeit einer Website entscheidet.


4.1. ONLINE-REDAKTEURE


Der Journalismus-Forscher Siegfried Weischenberg27 mutmaßte 1994, dass Redakteure immer mehr zu technisch versierten "Redaktronikern" würden und sich deshalb immer weniger auf ihre journalistische Arbeit konzentrieren können würden. Aus der Sicht des Online-Journalismus im Jahr 2001 hat er nur bedingt Recht behalten. Die Digitalisierung von Redaktionssystemen und in der Folge die Vernetzung von Inhalten über das Internet hat zwar auch die Arbeitsweise von Redakteuren verändert, vor allem aber neue Tätigkeitsfelder innerhalb der Redaktionen geschaffen. Der Redakteur muss sich den Bedingungen eines Online-Mediums beugen - etwa knapper schreiben und präziser titeln - von Technik muss er meist aber nicht viel mehr verstehen, als zur Bedienung eines Computers notwendig ist. Denn für den rein technischen Part sind andere zuständig.

Die Tätigkeitsfelder eines Online-Redakteurs beschreibt der stellvertretende Redaktionsleiter von ORF ON, David Zelinger, als äußerst breit gefächert: "Das ist je nach Dienst verschieden. Als "Chef vom Dienst" etwa ist man für die Gesamterscheinung der Website verantwortlich. Man koordiniert die verschiedenen Redaktionen und entscheidet, wer auf der Front-Seite mit seinen Artikeln verlinkt wird. Dann gibt es den Copy-Taster, der entscheidet, welche Agenturthemen aufgegriffen werden. Die ,klassische' Arbeit eines Redakteurs, das schreiben von Artikeln, bearbeiten von Agenturmeldungen und umschreiben von Texten anderer ORF-Redaktionen, spielt natürlich ebenfalls eine zentrale Rolle." Bei ORF ON gebe es keine strikte personelle Trennung bei diesen Aufgaben. Lediglich die Rolle des "Chefs vom Dienst" kommt im Regelfall dem Redaktionsleiter (Chefredakteur) zu, so er sich in der Redaktion befindet.

Quinn hat versucht, die diversen Aufgabengebiete von Redakteuren (nicht nur im Online-Bereich) zu systematisieren. Er schlägt folgende Einteilung28 vor:


1. sicherstellen, dass zu veröffentlichende Artikel leicht zu verstehen sind

2. alles kontrollieren, was zu kontrollieren ist - und dann noch einmal zu kontrollieren

3. sicherstellen, dass es zu keinen Problemen mit dem Gesetz kommen kann

4. Artikel den redaktionellen und technischen Erfordernissen anpassen (Länge etc.)

5. Schlagzeilen schreiben und auf das Design der einzelnen Seiten achten


Im Großen und Ganzen ist diese Systematisierung auch auf den Online-Journalismus anwendbar.

Punkt 1 - die leichte Verständlichkeit der Artikel - muss man jedoch um die Anpassung an medienimmanente Erfordernisse erweitern. Denn eine Story, die in einer Zeitschrift leicht lesbar ist, kann für den Bildschirm vollkommen unbrauchbar sein.


An diesem Punkt geht Quinn in die Tiefe. Folgende Regeln müssen beim Verfassen von Artikeln für das Web verstärkt beachtet werden29:


.) Effektive und simple Überschriften verfassen

.) Kurze Absätze machen

.) Knapp und einfach schreiben


4.1.1. DER TEXTREDAKTEUR


Eine zentrale Aufgabe von Online-Redakteuren ist es nun, aus Print-Texten Online-Texte zu machen. Im Fall von ORF ON müssen laut Zelinger häufig auch Hörtexte (TV und Fernsehen) fürs Web adaptiert werden, die der Redaktion zur exklusiven Verwendung zur Verfügung stehen. Ein "Schlüssel zum Online-Erfolg" ist es auch für Quinn, der "Versuchung zu widerstehen, einfach alle verfügbaren Offline-Texte online zu schaufeln. Das macht die Rolle eines Redakteurs im Online-Bereich noch wichtiger - jemand muss ,webby' Schlagzeilen verfassen und das Textmaterial vereinfachen."30

Im Fall von ORF ON lauten die konkreten Anforderungen im Redakteursstatut31:

"Ein Absatz sollte im Internet im Idealfall nicht mehr als zwei, maximal drei Sätze umfassen. Lange Nominalphrasen und Endlos-Satzgefüge sind im Web tunlichst zu vermeiden. Je nach Browser-Einstellung ergibt sich daraus eine maximale Absatzlänge von sechs Zeilen. Zentrale Orientierungshilfe in der Lektüre eines Web-Textes sind Zwischentitel: Diese können vor jedem Absatz stehen, zumindest müssen sie aber nach jedem zweiten Paragrafen zum Einsatz kommen."


4.1.2. DER CONTENT-MANAGER


Die verantwortungsvollste Position im Redaktionsalltag hat der Content Manager inne, oder, wie Zelinger ihn nennt, der "Chef vom Dienst". Er ist es, der letztendlich entscheidet, wie sich die Website dem User darstellt. Er ist für die Komposition verschiedener Themen, für den entscheidenden Mix auf der Frontseite verantwortlich. Er koordiniert, so Zelinger, auch die verschiedenen "Sub-Channels", wie etwa bei ORF ON Ressorts genannt werden.


In den Redaktionellen Richtlinien heißt es dazu32:

"Online-Journalismus umfasst das Gestalten von journalistischen Beiträgen für Webseiten bzw. Internet-Plattformen und darüber hinaus Aufgaben im Informationsmanagement. Online-Redakteure stimmen sich mit anderen redaktionellen Knotenpunkten von ORF ON bzw. des ORF in der Gestaltung ihrer Online-Beiträge [...] ab. Durch die Vernetzung mit anderen Contents aus den ORF-Teilbereichen zu einem spezifischen Thema entsteht ein stimmiges wie zugleich vielschichtiges journalistisches Produkt, mit dem - je nach Aufgabenstellung - ein möglichst breites Publikum bzw. eine spezifische User-Gruppe erreich werden soll"


4.1.3. DER GATEKEEPER


Der Gatekeeper, oft auch Copy-Taster genannt, durchsucht den Meldungsfluss der Presseagenturen nach brauchbaren Meldungen, bzw. Themen. Gegebenenfalls macht er den Content Manager auf ein Thema aufmerksam. Dieser verwirft es dann entweder oder redigiert es an einen anderen Redakteur weiter.

Eine besonders wichtige Aufgabe des Gatekeepers ist es auch, auf mögliche Updates von Artikeln aufmerksam zu machen. Im Online-Journalismus gibt es keinen Redaktionsschluss, wie auch in den redaktionellen Richtlinien von ORF ON zu lesen ist33: "Geschichten müssen ständig auf den letzten Wissensstand gebracht werden und sind gegebenenfalls neu aufzumachen. Relevante Veränderungen müssen im Titel und dem ersten Textabsatz deutlich erkennbar sein."

Bei ORF ON ist der Gatekeeper auch gleichzeitig der sogenannte "Ticker-Redakteur", wie David Zelinger erläutert. Auf der News-Site des ORF gibt es neben dem magazin-ähnlichen, bebilderten "Grid" auch einen Newsticker. In diesem sind jene wichtigen News des Tages als Kurzmeldungen nachzulesen, zu denen keine größere Story geplant ist.


4.2. INFORMATIONS-DESIGNER (INFO-DESIGNER)


Als Info-Designer werden Grafiker bezeichnet, die nicht am grundsätzlichen Design der Website beteiligt sind, sonder in der redaktionellen Tagesarbeit in erster Linie Grafiken zur Illustration von Textinhalten anfertigen.


Im Web müssen - ähnlich wie im Textbereich - auch bei den Grafiken ganz bestimmte medienspezifische Erfordernisse erfüllt werden. Zum Beispiel sollten Bilder immer mit der geringst möglichen Datenmenge transportiert werden, um dem User lange Wartezeiten beim Download zu ersparen.

Bei ORF ON werden zwei verschiedene Arten von Bildern eingesetzt. Zunächst in den Storys selbst, zur Illustration des Inhalts. Diese Bilder müssen in erster Linie formatiert werden. Die Größe wird dem Seiten-Layout angepasst und die Datenmenge so weit reduziert, dass das Foto möglichst nichts an Informationswert verliert. Manche Bilder werden als Pop-Ups formatiert, andere einfach in den Text eingebettet.

Die größere Herausforderung ist jedoch die Illustration der Buttons, die von der Frontseite aus zu den jeweiligen Geschichten führen. Hier wird die Grafik gemeinsam mit dem Titel zur Ikone, die der "modernen Klasse der Idionten" - dem User - "trotz vollkommener Unkenntnis der Maschinenvorgänge die Möglichkeit einer Steuerung suggeriert", wie es Stefan Heidenreich in seinem Essay "Icons: Bilder für User und Idioten34" überspitzt formuliert. In den redaktionellen Richtlinien von ORF ON ist vom "semiotischen Double35" Text und Bild die Rede.


orf.at; 27. 11. 2001 - Button, der zu einem Artikel über die österreichische Wasserwirtschaft führt. Tenor der Geschichte: Österreich könnte die sechsfache Menge des hier zu Lande konsumierten Trinkwassers ins Ausland verkaufen.

Bei diesen Buttons werden alle möglichen Kunstgriffe der digitalen Bildbearbeitung angewandt, von den verschiedensten Filtern bis hin zur behutsamen Fotomontage. Perfekte Kenntnisse gängiger Bildbearbeitungs-Software sind Voraussetzung.

Auch der Textredakteur hat Einfluss auf das Bild, wie David Zelinger erklärt. Er berät den Grafiker, weil er selbst die Stoßrichtung des Artikels kennt und bei der Recherche vielleicht auch schon brauchbare Bilder entdeckt hat.

Die Info-Designer haben - zumindest bei ORF ON - aber auch noch andere Aufgaben. So sind sie etwa für die Einbettung von Multimediaangeboten in die Berichterstattung verantwortlich. Sie formatieren Video- und Audio-Beiträge von anderen ORF-Redaktionen und stellen sie den Usern zur Verfügung.

Eine weitere Aufgabe der Info-Designer ist es laut Zelinger, die Artikel mit - zusätzlichen - Links auf verwandte Inhalte oder etwaige Quellen zu versehen. Stößt er bei der Recherche auf relevante Zusatzinformationen, teilt er dies dem Textredakteur mit.


4.3. EDV-ADMINISTRATION


EDV-Administratoren kommt in Online-Redaktionen naturgemäß eine ungeheuer wichtige Rolle zu. Text- und Bildredakteure sind praktisch bei jedem Handgriff auf den reibungslosen Ablauf von EDV-Vorgängen angewiesen. Stürzt ein Server ab, ist die Website von außen nicht mehr sichtbar. Funktioniert das Redaktionssystem nicht, können keine Artikel produziert werden, usw.

Darüber hinaus kommt den Administratoren auch die Aufgabe zu, ihre Kollegen in der Redaktion technisch zu schulen. Da vor allem einige Textredakteure bei ORF ON kaum Vorkenntnisse am Computer hatten (außer einem behelfsmäßigen Umgang mit Microsoft Windows und Microsoft Word), wie David Zelinger berichtet, mussten sie in die Arbeit mit digitalen Redaktionssystemen und mit den Feinheiten verschiedenster Office-Programme erst vertraut gemacht werden.



5. ARBEITSBEDINGUNGEN DER ONLINE-CONTENT-PRODUZENTINNEN


Exkurs: Unternehmen im Online-Publishing


Die Betreiber der Sites, auf die wir uns beziehen, fallen im Wesentlichen in drei Gruppen:

+ Klassische Medienunternehmen - z.B. ORF, Kronen-Zeitung, Der Standard

+ "Offline-Firmen" mit Online-Unterstützung - z.B. Microsoft, ÖBB, Banken

+ "Dotcoms" - z.B. sms.at, Yahoo oder eBay. Diese haben früh und mit geringen Mitteln angefangen, etwas Einzigartiges anzubieten und sind so groß geworden.


Die erste Gruppe (Medienunternehmen) sind vor allem im journalistischen Bereich tätig (von zugekauften Klick-Steigerungswerkzeugen wie Games abgesehen). Die Content-ProduzentInnen dieser Firmen stammen eher aus dem etablierten Journalismus als bei den anderen zwei Gruppen. Die Arbeitsbedingungen, was Gehälter, Organisationsformen etc. betrifft, ähneln denen ihrer KollegInnen bei den Print- und elektronischen Medien.

In der zweiten Gruppe sind Firmen, die vor dem Start ihres Internet-Auftritts keine Inhalte produziert haben. In diesen Unternehmen ist der Internet-Auftritt meist unter dem Einfluss der internen EDV-Abteilung entstanden. Die produzierten Inhalte sind kaum journalistischer Natur und in einem unterschiedlichen Ausmaß überhaupt durch Menschen produziert. (Z.B. liegt bei einem Softwarehersteller der Schwerpunkt bei den Dokumentationen; bei der ÖBB geschehen Fahrplanauskunft und Online-Buchung vollautomatisch, die Datenbank- und Webserver müssen großteils nur beaufsichtigt werden.)

In dieser Gruppe herrschen eher die in der EDV üblichen Arbeitsbedingungen.

Die dritte Gruppe der Dotcoms - von denen viele schon wieder schließen mussten oder von "klassischen" Firmen übernommen wurden - lässt sich schwieriger einteilen. Sie sind in vielen Bereichen die "eigenständigste" Gruppe, was unter anderem große Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen hat. Solche Unternehmen sind sehr häufig mit Wagniskapital von privaten Investoren, manchmal von den MitarbeiterInnen und in einigen Fällen von der Börse finanziert, was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu großen, plötzlichen Änderungen führen kann (z.B. wird das Management komplett ausgetauscht36, eine als sicher angenommene Finanzierungsrunde fällt aus37 und die Firma wird von einem Tag auf den anderen zahlungsunfähig etc.).


5.1. BESCHÄFTIGUNGSVERHÄLTNISSE


Sowohl in der EDV als auch in der Medienbranche ist der Anteil der freien und anderer atypischen Beschäftigungsformen höher als sonst in der Wirtschaft. Nach Auskunft von Personalexperten und der Gewerkschaft gibt es jedoch in den letzten Jahren gerade im Internet-Bereich einen Trend zur Festanstellung. Zwei Gründe wurden dafür genannt: In den Boom-Jahren (ca. 1998-2000) gab es einen großen Mangel an Leuten mit speziellen Kenntnissen im Bereich der neuesten Technologie. Die Arbeitgeber versuchten daher, die Leute möglichst an sich zu binden. Als sich dann Schwierigkeiten und bevorstehende Entlassungen bei den Internet-Unternehmen abgezeichnet und der Arbeitsmarkt sich etwas ausgeglichen hat, waren es wiederum die MitarbeiterInnen, die die Sicherheit, die eine Festanstellung bietet, erkannten.

Mit der Konsolidierung der "New Economy" in dem Sinne, dass das Internet ein normaler Teil des täglichen Lebens wird, ist zu erwarten, dass die Beschäftigungsverhältnisse sich an den Offline-Bereich anpassen, sowohl bei den Medien (wo die Internet-Version einfach nur als noch eine Ausgabe angesehen wird), als auch auf der EDV-Seite (wo ein Internet-Projekt nur eins von vielen Projekten ist).

Bei den Dotcoms ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen zu treffen. Es scheint, dass die Kapitalgeber vorsichtiger werden und versuchen, auf bewährte Methoden zu setzen, zum Beispiel auch im Bereich der Personalführung. Je nach Ausrichtung des Unternehmens und dem individuellen Werdegang und der damit verbundenen Präferenzen der MitarbeiterInnen werden sich die Bedingungen der Medien- oder der EDV-Branche angleichen.


5.1.1. GEHÄLTER UND SONSTIGE LEISTUNGEN


Der Journalismus und die EDV gelten in Österreich als gut bezahlte Branchen.

Laut "JournalistInnen Tarifvertrag 2001" für Tages- und Wochenzeitungen38 sind journalistisch tätige Personen in Anstellung nicht unter 23.645 öS / € 1.718 (Einstiegsgehalt im 1. Jahr) zu bekommen. Da, wie überall, höhere Gehälter von Männern anzunehmen sind, muss auch der Durchschnitt höher liegen. Für "journalistisch tätige Mitarbeiter im Onlinedienst" sind ausdrücklich die selben Bedingungen wie für ReporterInnen vorgesehen, die Gehälter liegen ca. 10 % unter denen der "RedakteurInnen".

Es gibt weitere außergewöhnlich gute Bestimmungen im JournalistInnen-Kollektivvertrag39 und im Journalistengesetz40, wie höhere Urlaubs- und Weihnachtsgelder und mindestens 30 Urlaubstage im Jahr.

Der EDV-Kollektivvertrag von 200141 ("Kollektivvertrag für Angestellte von Unternehmen im Bereich Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik") schreibt bei durchschnittlicher Qualifikation vergleichbare Gehälter vor. Eine genaue Vergleichsmöglichkeit ist nicht gegeben, da der EDV-Kollektivvertrag keine inhaltsproduzierenden Tätigkeiten aufzählt. Es ist anzunehmen, dass diese am ehesten in die Kategorie ST1 ("Spezielle administrative, kaufmännische, technische sowie IKT-Tätigkeiten, welche einer Qualifikation und/oder Verantwortung bedürfen und selbstständig ausgeführt werden") fallen. Die Einstiegsstufe beträgt für diese Gruppe 22.250 öS / € 1.616. Es gibt jedoch "nur" 14 Monatsgehälter und nicht mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstage.

Laut Auskunft der Gewerkschaft für Privatangestellte liegen die Gehälter ca. 20 % höher als im Kollektivvertrag vorgeschrieben.

Der EDV-Kollektivvertrag ist eher nicht direkt auf Firmen, die Online-Content produzieren, anwendbar, da er nur für "Mitglieder des Fachverbandes Unternehmensberatung und Informationstechnologie der Wirtschaftskammer Österreich, die eine Berechtigung zur Ausübung des Gewerbes 'Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik' haben" gilt. In der Liste der beliebtesten Websites Österreichs tauchen solche Unternehmen kaum auf; allerdings erbringen sie Leistungen in Bereichen, auf die sie spezialisiert sind.

Der EDV-Kollektivvertrag ist hier insofern relevant, als dass er ein recht guter Indikator fürs Mindestgehaltsniveau ist. Es gibt zwar branchenbezogene Unterschiede im Gehaltsniveau, aber die sind für MitarbeiterInnen mit spezialisierten IT-Kenntnissen eher gering, da sie am Arbeitsmarkt eine starke Position haben und wegen der Möglichkeit der Telearbeit auch eher "mobil" sind.

Ein dritter Kollektivvertrag, der für einige Online-Content-ProduzentInnen relevant sein kann, ist der KV für Angestellte in Betrieben der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien42. Der Vertrag gilt im Gegensatz zu den zwei anderen nicht österreichweit, sondern nur in Wien.

Dieser Kollektivvertrag schreibt für die relevante Verwendungsgruppe IV, in der z.B. WerbegrafikerInnen und WerbetexterInnen zu finden sind, ein Einstiegsgehalt von 19.640 öS / € 1.427 vor, also um einiges weniger als die JournalistInnen- und EDV-Kollektivverträge.

Es gibt allerdings einen großen Teil der Online-Content-ProduzentInnen, die nicht in eine der besprochenen Kategorien fallen, weil sie entweder nicht im engeren Sinne journalistisch tätig sind oder weil sie in einem solchen Unternehmen arbeiten, das nicht in den Geltungsbereich eines Kollektivvertrags fällt. Die Gehälter dieser Leute hängen davon ab, wie sie sich durchsetzen können.

Journalistisch tätige MitarbeiterInnen von Nicht-Medienunternehmen bekommen zwar keine Gehälter nach dem JournalistInnen-Kollektivvertrag, aber die positiven Bestimmungen des Journalistengesetzes (z.B. längerer Urlaub) gelten auch für sie.

Leute, deren Kenntnisse ins Gebiet der Informationstechnologie fallen, können auf einem für sie immer noch sehr günstigen Arbeitsmarkt wählen und sollten, da das Gehaltsniveau ca. 20 % höher als der Kollektivvertrag ist, mindestens mit KV-Gehältern rechnen können.


5.1.2. ATYPISCHE GEHALTSFORMEN


Vor allem bei den mit Risikokapital finanzierten Dotcoms, zu einem kleineren Teil bei den älteren Unternehmen kommen Beteiligungsmodelle wie vergünstigte MitarbeiterInnen-Aktien und Bezugsrechte für Optionen vor. Diese konnten für die Beteiligten sehr attraktive Zusatzeinnahmen bedeuten, als die Internet-Wirtschaft noch (in den Augen der Börse) sehr attraktiv war und der Wert des Unternehmens beim Börsengang durchaus vervielfacht werden konnte.

Solche Beteiligungen waren jedoch auch nie ohne Risiko, und sind spätestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2001 wegen der schlechten Stimmung an der Börse auch weitgehend unattraktiv geworden.


5.2. ORGANISATION IN INTERESSENSVERTRETUNGEN


5.2.1. GEWERKSCHAFTSZUGEHÖRIGKEIT


Hier ist eine interessante Diskrepanz zu beobachten: Im Journalismus ist die Gewerkschaftszugehörigkeit traditionell häufig, da sie mit großen beruflichen Vorteilen verbunden ist. In der EDV hingegen ist es unüblich, sich gewerkschaftlich zu organisieren: die Beschäftigten sehen sich häufig als "EinzelkämpferInnen" und Gewerkschaften als unflexible, veraltete Bürokratien an. (Nach Aussage eines Funktionärs der Gewerkschaft der Privatangestellten ist aber in diesem Bereich die Entwicklung zu beobachten, dass eine steigende Anzahl von IT-Angestellten die Vorteile der gewerkschaftlichen Organisation zu sehen beginnt. Die GPA reagiert auf diesen Bedarf mit dem Angebot von "freien Interessensgemeinschaften" unter http://www.interesse.at/. Auch ohne Gewerkschaftszugehörigkeit werden dort Informationen über Betriebsratsgründung, Arbeitszeitmodelle, Telearbeit, Beschäftigungsformen, Vertragsgestaltung etc. geboten.)

Für die Gruppe der Dotcoms gilt eher das für die EDV gesagte: Gewerkschaftsmitgliedschaft gehört wegen der Orientierung an der Börse und an Risikokapital - die beide eher eine "kapitalistische" Sicht von der Arbeit vertreten - weder zur Firmenkultur, noch zu den individuellen Werten.


5.2.2. BETRIEBSRÄTE


In Österreich gilt, dass ein Betrieb ab 5 MitarbeitInnen einen Betriebsrat haben muss. Dies ist de facto eine "Kann-Bestimmung" - ohne Initiative der MitarbeiterInnen entsteht kein Betriebsrat. (Es gibt allerdings eine selten angewendete Möglichkeit für Gewerkschaften, ab einer bestimmten Betriebsgröße von "außen" die Betriebsratsgründung einzuleiten.)

Im Medienbereich sind Betriebsräte etabliert und stark. (Z.B. hat der ORF-Betriebsrat das Recht, über die Leitung des Unternehmens mit abzustimmen.) In der EDV hingegen wird die Betriebsratsgründung häufig weit über die 5-Personen-Grenze hinausgeschoben, da Betriebsräte teilweise als hinderlich, unflexibel und bürokratisch angesehen werden.

In den Dotcoms gilt die Situation der EDV, nur noch einmal verstärkt. Wegen der konsequenten Ausrichtung an den (vermuteten) Interessen der Risikokapitalgeber und der Börse und dem notwendigen "dynamischen" Image werden Betriebsräte als unerwünscht betrachtet. Das wird im deutschen Sprachraum zwar nicht offen ausgesprochen, aber es gibt Beispiele, in denen die Unternehmensleitung am Tag vor der Betriebsratswahl Entlassungen bekanntgegeben hat (Beispiele: Pixelpark in Deutschland43 oder apc interactive in Österreich).

In den USA ist die Position der Dotcom-Managements extremer. Dort haben mehrere Unternehmen deklariert, keine Gewerkschaften zulassen zu wollen44. (In den USA gibt es die Einrichtung "Betriebsrat" nicht, die Aufgaben werden von Gewerkschaften übernommen, die wiederum nicht so groß sind wie im deutschsprachigen Raum.) Die Argumentationslinie war, dass in den modernen Firmenstrukturen der "New Economy" eine direkte Kommunikation zwischen MitarbeiterInnen und Firmenleitung erwünscht sei, ohne Vermittlung etwa durch Gewerkschaften. Ein weiteres Druckmittel sind die von den MitarbeiterInnen gehaltenen Aktien: deren Börsenkurs werde durch anscheinend "eigentümerfeindliche" Organisationsbestrebungen gedrückt.

5.2.3. BERUFSVERBÄNDE


Für Journalismus, Werbung und PR gibt es allesamt Berufsverbände, die sich um thematische Fragen der Berufsausübung, etwa Ethik, Normen etc. kümmern, Lobbyarbeit z.B. für günstige gesetzliche Regelungen betreiben sowie Kommunikationsmöglichkeiten für ihre Mitglieder bieten.

Für Online-Content-ProduzentInnen scheint es in Österreich nichts direkt Vergleichbares zu geben. (In Deutschland gibt es den Deutschen Multimediaverband DMMV45, der nach Eigendarstellung sowohl Lobbying betreibt und Forderungen an die Politik formuliert46, als auch Branchenempfehlungen abgibt, etwa zum Thema e-mail-Marketing47.)

Die Oesterreichische Computer Gesellschaft48 konzentriert sich sehr stark auf die Informationstechnologie und zu einem kleinen Teil auf e-commerce. Auf der Webseite sind keine Informationen über Verhaltensempfehlungen oder andere Normen zu finden.

Online-Content-ProduzentInnen haben also nur die Wahl, sich in dem Verband, der ihrer Arbeit "offline" entspricht, zu engagieren.


6. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN ZUM ARBEITSMARKT


Das Arbeitsmarktservice gibt für Berufe, die in unseren Untersuchungsbereich fallen, folgende Anzahl von Arbeitslosen an: (Stand: Ende November 2001)



Männl.

Weibl.

Insgesamt

Web-Programmierer/in (Ing.)

1

0

1

Multimedia-Programmierer/in (Ing)

1

0

1

Internet-Techniker/in

10

3

13

Web-Programmierer/in

23

5

28

Multimedia-Programmierer/in

7

4

11

Web-Designer/in

151

88

239

Summe:

193

100

293


Auffällig ist die Verteilung der Arbeitslosen zwischen technischen Berufen (TechnikerIn, ProgrammiererIn - 18,5 %) und Web-DesignerIn (81,5 %). Das dürfte daran liegen, dass der EDV-Sektor in Österreich wesentlich mehr Aufgaben bietet als die Internet-Branche allein; die Kenntnisse von Web-Design sind jedoch nur in einigen Randgebieten wie Multimedia-Produktion und Grafik-Design anwendbar.

Diese Zahlen sind allerdings mit etwas Vorsicht zu betrachten, da Arbeitslose im Internet-Bereich eher über Online-Jobbörsen als übers Arbeitsmarktservice vermittelt werden.

Fachzeitschriften49, Bücher über zukünftige Jobchancen50 und allgemeine Internet-Nachschlagewerke51 vertreten seit Jahren konsequent den Standpunkt, dass es im Online-Content-Bereich einen Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften gibt. Es gibt mit dem Abflauen der Internet-Euphorie aber auch Entlassungen52 bei Firmen, die Online-Content anbieten.

Insgesamt kann der Arbeitsmarkt aber als stabil und zukunftsträchtig bezeichnet werden, da viele der für Online-Content benötigten Fähigkeiten (z.B. Vermittlung) und Kenntnisse (z.B. über Computer) auch in anderen Bereichen nützlich sind.



7. LITERATURVERZEICHNIS


+ FLATSCHER, Alfons; Haacker, Dieter (Hg.): Österreich Online 2001. Wien, 2001.

+ POHL, Elke: Karriere im E-Business. Niedernhausen, 2001.

+ QUINN, Stephen: Digital Sub-Editing and Design. Woburn (Massachusetts), 2001.

+ RICHARD, Birgit; Klanten, Robert und Heidenreich, Stefan: icons - localizer 1.3. Berlin, 1998.

+ SCHNELL, Rainer u.a.: Methoden der empirischen Sozialforschung. 6., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. München; Wien, 1999.

+ SCHUMACHER, Claudia; Schwartz, Stefan: 100 Jobs mit Zukunft. Wien, 1999.

+ WEISCHENBERG, Siegfried: Die Zukunft des Journalismus. Technologische, Ökonomische und Redaktionelle Trends. Wiesbaden, 1994.

Broschüren:

+ Kursprogramm Herbst 2001, Hg. bfi Wien, Wien 2001.

+ WIFI Kursbuch 2001 2002, Hg. Wifi Wien, Wifi Wien 2001.

+ polycollege Kursprogramm 2001, Hg. polycollege Stöbergasse, Wien 2001.

+ Weiterbildung an Universitäten 2001/2002, Hg. bm:bwk, Wien 2001.

+ Universitäten Hochschulen - Studium und Beruf 2001, Hg. BMBWK/AMS, Wien 2001.

+ Studienleitfaden Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Hg.: IG Publizistik, Wien 1997.


Links: (in der Reihenfolge der Kapitel)

+ http://www.fh-vorarlberg.ac.at/edu/im/ (Link vom 05.01.2002)

+ http://www.fh-sbg.ac.at/mma/html/frameset.html (Link vom 05.01.2002)

+ http://www.logic.at/informatik/spinf1.pdf (Link vom 01.01.2002)

+ http://www.onlinejournalismus.com/olj/downloads/group5.pdf

+ http://www.ams.or.at

+ http://www.jobpilot.at

+ http://www.eurojobsearch.org

+ http://www.oeh.jobfinder.at

+ http://www.jobmonitor.com

+ http://www.stepstone.at

+ http://www.jobnews.at

+ http://www.myfreelancer.at

+ http://www.newsroom.at

+ http://www.job-consult.com

+ http://www.e-media.at

+ http://www.heise.de/newsticker/data/jk-26.02.01-002/

+ http://www.heise.de/newsticker/data/thd-02.07.01-001/

+ http://journalisten.mediaweb.at/honorare/tarifvertrag_2001n.html

+ http://journalisten.mediaweb.at/recht/kvz_par18bispar33.html , §§ 24, 25

+ http://journalisten.mediaweb.at/recht/journalistengesetz.html , § 3

+ http://www.gpa.at/IT/KV/kv.htm

+ http://www.werbungwien.at/fachgruppe/downloads/kv2001lang.zip

+ http://www.heise.de/newsticker/data/wst-10.05.01-002/

+ http://news.cnet.com/news/0-1007-200-4602813.html

+ http://www.dmmv.de/

+ http://www.dmmv.de/de/7_pub/homepagedmmv/themen/lobbyingrecht/forderungen.cfm

+ http://www.dmmv.de/de/7_pub/homepagedmmv/themen/emarketing/emailmarketing/

aktivitaetenemailmarketing.cfm

+ http://www.ocg.at/

+ http://www.cwonline.at/idgneu-cgi/on_druckansicht.pl?ID=20010322002

+ http://www.heise.de/newsticker/data/jk-29.03.01-003/

+ http://www.heise.de/newsticker/data/jk-20.12.00-008/



1 http://www.logic.at/informatik/spinf1.pdf (in pdf Datei S.7 ff.; Link vom 01.01.2002)

2 http://www.logic.at/informatik/spinf1.pdf (in pdf Datei S.7 ff.; Link vom 01.01.2002)

3 Studienleitfaden Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Hrg.: IG Publizistik, Wien 1997, S. 6

4 http://www.fh-vorarlberg.ac.at/edu/im/ (Link vom 05.01.2002)

5 http://www.fh-sbg.ac.at/mma/html/frameset.html (Link vom 05.01.2002)

6 Universitäten Hochschulen - Studium und Beruf 2001, Hrg. BMBWK/AMS, Wien 2001, S. 305 ff.

7 Weiterbildung an Universitäten 2001/2002, Hrg. bm:bwk, Wien 2001, S.232 ff.

8 Weiterbildung an Universitäten 2001/2002, Hrg. bm:bwk, Wien 2001, S.233 ff.

9 vgl. Kursprogramm Herbst 2001, Hrg. bfi Wien, Wien 2001, S.34 ff.

10 WIFI Kursbuch 2001 2002, Hrg. Wifi Wien, Wifi Wien 2001, S. 138

11 polycollege Kursprogramm 2001, Hrg. polycollege Stöbergasse, Wien 2001, S.32

12 www.jobpilot.at

13 www.eurojobsearch.org

14 www.ams.or.at

15 www.jobmonitor.com

16 www.öh-jobfinder.at

17 POHL, Elke: Karriere in E-Business. Niedernhausen, 2001. S.162.

18 POHL, Elke: Karriere im E-Business. Niedernhausen, 2001. S.162.

19 SCHNELL, Rainer u.a.: Methoden der empirischen Sozialforschung. 6., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. München; Wien, 1999. S.377f.

20 Der Einfachkeit halber verwende ich nur die männliche Form, obwohl auch immer Damen angesprochen wurden. Insgesamt erhielt ich mehr als 50 Berufsbezeichnungen, weil manchmal eine Stelle mit mehreren Bezeichnungen beschrieben war.

21 http://www.onlinejournalismus.com/olj/downloads/group5.pdf

22 Studie vom Februar 2001, durchgeführt von Accenture gemeinsam mit dem EuroLab für Electronic Commerce & Internet Economies der Universität Witten/Herdecke in Kooperation mit dem "Handelsblatt". Zit. nach POHL, Elke: Karriere im E-Business. Niedernhausen, 2001. S.132ff.

23 POHL, Elke: Karriere im E-Business. Niedernhausen, 2001. S.135.

24 Quinn (2001); S. 141

25 Quinn (2001); S. 142

26 "Redaktionelle Richtlinien für den Online-Journalismus bei ORF ON", in: "Style-Guide: Online-Journalismus bei ORF ON"; redaktionsinternes Thesenpapier, liegt dem Verfasser vor;

27 Weischenberg (1994); S. 154 ff

28 Quinn (2001); S. 15

29 Quinn (2001); S. 144

30 Quinn (2001); S. 148

31 siehe Fußnote 3

32 Siehe Fußnote 3

33 Siehe Fußnote 3

34 Heidenreich (1998), S. 85; in: Richard, Klnaten, Heidenreich (1998): "icons: localizer 1.3"

35 Siehe Fußnote 3

36Heise News-Ticker: '"Eklatante Managementschwächen" bei Heyde', 2001-02-26

http://www.heise.de/newsticker/data/jk-26.02.01-002/

37Heise News-Ticker: 'Letsbuyit verliert Hauptinvestor', 2001-07-02

http://www.heise.de/newsticker/data/thd-02.07.01-001/

38http://journalisten.mediaweb.at/honorare/tarifvertrag_2001n.html

39http://journalisten.mediaweb.at/recht/kvz_par18bispar33.html, §§ 24, 25

40http://journalisten.mediaweb.at/recht/journalistengesetz.html, § 3

41http://www.gpa.at/IT/KV/kv.htm

42http://www.werbungwien.at/fachgruppe/downloads/kv2001lang.zip (mit Zip komprimiertes Word-Dokument)

43Heise News-Ticker: "Pixelpark streicht jede sechste Stelle", 2001-05-10

http://www.heise.de/newsticker/data/wst-10.05.01-002/

44c|net news.com: "E-biz company spells out no-union position", 2001-01-25

http://news.cnet.com/news/0-1007-200-4602813.html

45http://www.dmmv.de/

46 http://www.dmmv.de/de/7_pub/homepagedmmv/themen/lobbyingrecht/forderungen.cfm

47http://www.dmmv.de/de/7_pub/homepagedmmv/themen/emarketing/emailmarketing/ aktivitaetenemailmarketing.cfm

48http://www.ocg.at/

49Computerwelt Online: "In Deutschland fehlen 8.000 Multimedia-Spezialisten", 2001-03-22

http://www.cwonline.at/idgneu-cgi/on_druckansicht.pl?ID=20010322002

50Claudia Schumacher, Stefan Schwartz: 100 Jobs mit Zukunft. Ueberreuter, Wien, 1999, 2. Aufl.

51Alfons Flatscher, Dieter Haacker (Hrsg.): Österreich Online 2001. Public Voice, Wien, 2001, Seite 97

52Heise News-Ticker: "Massenentlassungswelle in den USA", 2001-03-29

http://www.heise.de/newsticker/data/jk-29.03.01-003/

Heise News-Ticker: "Tomorrow Internet bestätigt Stellenabbau", 2000-12-20

http://www.heise.de/newsticker/data/jk-20.12.00-008/