Karl Obermair: Methoden der Sozialforschung iG-5.9.1/I VO/UE 609201

1996-10-09 Einführung, Abstecken der Ziele, Erklärung der Vorgangsweisen

1996-10-16 Gruppenbildung

1996-10-23 Besprechung des Themas

1996-10-29

1996-10-30 Vorstellung des Themas

1996-11-13

1996-11-20


1996-10-09 Einführung, Abstecken der Ziele, Erklärung der Vorgangsweisen

Möglichkeiten der Dissertation:

a: 100 Bücher lesen, daraus ein 101. machen. Probleme: Manche Quellen zu alt, ständige Zweifel an der Vollständigkeit (hat mensch auch alles gelesen?).

b: Theorie: Mensch beginnt mit einem Thema (z.B. Untergang des Abendlandes) und kommt erst im Laufe der Zeit darauf, daß das Thema zu groß, uninteressant, unübersichtlich etc. ist.

c: Empirische Arbeit: vorteilhaft, weil in einem Thema wirklich drinnen. Gut für den Einstieg in die Privatwirtschaft, wenn mensch sich mit einem praxisnahen oder aus anderen Gründen interessanten Thema beschäftigt hat.

Wichtig bei Untersuchungen: Innere Logik: Passen die Ergebnisse zum Thema?

Es werden Gruppen gebildet, die sich und andere kritisch beurteilen sollen/dürfen.

in einer Woche: Gruppenbildung

in zwei Wochen: 1. Gruppentermin. Bis dahin sich nach Möglichkeit mit Leuten zusammenreden, die dasselbe machen wollen und sympathisch sind.

Vorschlag: Leute mit vorbereiteten Themen geben selbige auf Zetteln ab, die Themen werden ausgewertet und in Oberbegriffe eingeordnet. Auf diese Weise können die Gruppen etwas systematischer gebildet werden. Der Vorschlag wird mit großer Mehrheit ohne Gegenstimmen angenommen.


1996-10-16 Gruppenbildung

Bis zum ersten Gruppentermin: als Gruppe max. eine A4-Seite über das gewählte Thema abgeben.

Was ist unser Untersuchungsproblem? (Problem = Gespürte Differenz zwischen Istzustand und Sollzustand) Was ist unser Wertehorizont, vor dem dies ein Problem ist? Warum ist das für mich ein Problem? (= normativer wertbezogener Maßstab) Belege finden, die darauf hinweisen, daß das wirklich ein Problem ist. Gibt es Indikatoren, daß das Problem (oder seine Konsequenzen) sich ausweitet? Soziale Dimension (für wen, für wie viele Menschen ist das ein Problem)? Ist das ein gesellschaftlich relevantes Problem? Nicht jedes Problem ist ein wissenschaftliches Problem. Das Erkenntnispotential ist manchmal nicht klar erkennbar. Gibt es ein Erkenntnispotential? Wissen wir das nicht alles schon? Muß mensch das wirklich alles wissen? Wer muß das wissen?

Problem muß reflektiert, verallgemeinert werden. (Von Teilfrage ausgehend größeren Zusammenhang finden). Wieweit kann das Thema auf eine höhere Ebene gestellt werden (Thema soll nur gutes Beispiel für das Grundproblem sein)

Nagelprobe: Auf welche Frage soll unsere Untersuchung eine Antwort geben?

  1. Was will ich untersuchen?
  2. Warum will ich das untersuchen?

(Soll-Ist-Vergleich)

  1. Wie komme ich dahinter? Nach welchen Dingen muß ich suchen, um dem Problem anhand des Beispiels auf die Spur zu kommen?
Fragen: reinhard.raberger@bmlv.gv.at

bei jedem Termin abgeben: 1. Aktueller Stand der Arbeit (2. Änderungen des Themas)

am Ende: Präsentation

Gruppen:

Kommunikationsmittel + Internet Gruppe 12

Zeit: 30. 10 19:00

Treffen 23. 10 18:30 HS 31


1996-10-23

Leserbrief: wie reagiert die Zeitung darauf, gibt es die Briefschreiber wirklich, wieweit werden die Leserbriefe dafür verwendet, die redaktionelle Meinung zu unterstreichen und radikaler auszudrücken?

Behindert die Technik die Kommunikation?

Zensur heute

Behinderte

Informationsexplosion

Klosprüche

Versucht Politik in demokratischen Staaten, auf die Medien Einfluß zu nehmen?

Was denken die Leute von Politikergehältern, gibt es Korrelation mit Wahlverhalten, konsumierten Medien, Einkommen, Bildungsstand?

Befragungsmethoden (Suggestivfragen)


1996-10-29
1996-10-30 Vorstellung des Themas

Wo sind die Grenzen der nicht anonymen Kommunikation? Über welche Themen spricht mensch nicht, in welchen Situationen? Was steht nicht oben, was oben stehen könnte? Was ist der Tabukern? Einerseits: Inhaltsanalyse der Sprüche, andererseits: was hält die Gesellschaft für ein Tabu, was ist ein Tabuthema, was zeichnet es aus? Eine Gruppe reflektiert theoretisch das Thema, die andere versucht, empirisch die Inhalte zu erfassen.

13. 11. 18:00 Theorietermin

27. 11. 19:00 Gruppentermin: Modelle, Begriffe, Theorien zu Tabus in der Kommunikation, konkrete Ergebnisse, die wir gefunden haben.


1996-11-13

Beschreibung des Problems genügt nicht, es ist eine Erklärung notwendig. Mit der Forschung soll eine gewisse "Auflösung" erreicht werden, sodaß mensch aus dem "Bild" das Dargestellte erkennen kann.

Komplexes Problem muß in Teilprobleme zerlegt werden: Auf eine symbolische Kugel wird ein "Scheinwerfer" gerichtet, um einen Teil der Fläche zu beleuchten. Das ist ein Aspekt des Problems. Dabei kann es keine Vollständigkeit geben. Auswahl der Scheinwerfer hängt vom theoretischen Ansatz an. Es gibt keine theorielose Beschreibung. Theorien sollten nach Möglichkeit aus einer "Kiste" stammen, da z.B. psychologische und kommunikationswissenschaftliche Theorien sehr oft nicht kompatibel sind. Theorie zu finden ist leicht, sie auf das Problem anwenden ist schwer.

Beispiel: Kurt Falk feuert einen Redakteur, weil dieser sich über Zensur beschwert. Redakteur sagt: Ich möchte meine freie Meinung publizieren. Falk: Es gibt eine Blattlinie, von der keine Abweichungen möglich sind, weil das der Zeitung schaden würde. Das selbe Objekt wird von beiden Seiten unterschiedlich beleuchtet.

Beispiel: Problem der Politikverdrossenheit. Mögliche Theoriekisten: Persönliche Erfahrungen, Vorurteile, Images, usw. Image-Theorie wird ausgewählt und aus der Bibliothek ausgesucht. Wir wählen z.B. die Drei-Komponenten-Theorie (Image wird aus Wissen, Einschätzung, Verhalten ermittelt). Fragen an politikverdrossene Menschen: 1. Was wissen Sie über die SPÖ? Wer ist der Bundeskanzler? 2. Was halten Sie vom Sparpaket? Vom Vranitzky? Vom Haider? 3. Beobachtung des Verhaltens: Wahlverhalten? Wir können nicht nur Leute befragen, die wählen gegangen sind, weil das das Ergebnis verzerren würde.

Die Gültigkeit und Verläßlichkeit der Theorien wird ermittelt. Messung ist gültig, wenn das gemessen wird, was gemessen werden soll. Sie kann nur dann zufällige Messungen liefern, wenn das Instrument verläßlich ist und die Messung korrekt durchgeführt wurde. Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung für eine Theorie, sondern nur zweckmäßige und unpassende.

Operationalisieren: was noch nicht meßbar ist, meßbar machen. Was meßbar ist, messen. Meßbarmachung muß über Indikatoren erfolgen, wenn es anders nicht geht. (Luftqualität: gibt es bestimmte Pflanzen? Wie gesund sind die?)

Beispiel für Politikverdrossenheit: Indikatoren für Wissen über Politik:

1
2
3
i1
0 oder 1
0 ... 10
0 ... 100
i2
0 ... 15
0 oder 1
i3
Summe

Je mehr voneinander unabhängige Indikatoren gefunden werden, desto besser ist die Gültigkeit.

nächster Plenartermin: 11. Dezember.

Bis zum nächsten Gruppentermin: Welche Theorien nehme ich aus der Kiste, wie mache ich die Kriterien meßbar, Operationalisierung


Thema: Kommunikationstabus

Baut Anonymität Tabus ab? Welche nicht? Wann nicht?


1996-11-20

Wie reagiert eine Gruppe auf die Erwähnung eines Tabuthemas?

Hängt ein möglicher Abbau von Kommunikationstabus von deren gesellschaftlicher Entstehung ab? Inwiefern?

Was hilft, Kommunikationstabus zu überwinden?

Lassen sich Bevölkerungsgruppen ausmachen, die bestimmte Tabuthemen unterschiedlich beurteilen?