VO+UE 5.7 Information und Dokumentation 609019

Lektor Herwig Jobst

  1. 1996-10-08 Einführung, Grundlagen, Literaturempfehlungen
  2. 1996-10-15 Arten von Dokumenten
  3. 1996-10-22 (Internet-Referat)
  4. 1996-10-29 Folgen der digitalen Revolution
  5. 1996-11-05 Weitere Konsequenzen der digitalen Revolution
  6. 1996-11-19 Beurteilung der Qualität von Veröffentlichungen, Formale Erfassung
  7. 1996-11-26 Verfahren der inhaltlichen Erschließung
  8. 1996-12-03 Verfahren der inhaltlichen Erschließung
  9. 1996-12-10 Dokumentationssprache
  10. 1996-12-17 Auswertung der Übungsarbeiten
  11. 1997-01-14
  12. 1997-01-28 Prüfung
  13. 2000-01-25 Prüfung (Wintersemester 1999/2000)

Informationen zum Tutorium


1996-10-08 Einführung, Grundlagen, Literaturempfehlungen

Literatur:

(Hrsg.) Buder/Rehfeld/Seeger: Grundlagen der prakt. Information und Dokumentation 3. Aufl. 1990

Henzler, Rolf: Information und Dokumentation 1992

Zeitschriften:

Nachrichten für Dokumentation zweimonatl.

cogito zweimonatl.

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FDZ - Fakten, Daten, Zitate 4mal im Jahr

VöB-Mitteilungen (Verein öst. BibliothekarInnen) Anhang: Online-Mitteilungen 4mal im Jahr


Der Weg der Informationsübermittlung zwischen Produzenten und Konsumenten

Verlauf der Informationsübermittlung zwischen Produzent und Konsument

  1. Beschaffung (Vorauswahl für den Konsumenten)
  2. formale Erfassung (so beschreiben, daß es auffindbar ist)
  3. inhaltliche Erschließung (Stichwörter, Synonyme beseitigen, Wissen strukturieren)
  4. Speicherung (Karteikarte, Werk)
  5. Recherche (OPAC: Online Public Access Catalog)
  6. Reproduktion
  7. Verwendung durch Konsument


2. 1996-10-15 Arten von Dokumenten

Auswirkungen auf Information und Dokumentation:


1996-10-22 Referat über Internet

PCM - Online-Magazin


1996-10-29 Folgen der digitalen Revolution

Übung: OPAC der Uni-Bibliothek: BIBOS mit konventionellem Katalog (Literatur in Kartei bis 1988) oder mit anderem OPAC vergleichen und gegenüberstellen. Gesichtspunkte: Zugänglichkeit, Verfügbarkeit, Einstieg (gibt es Unterstützung, Führung, Hilfe), Output. Tabellarisch, pro/kontra oder als Aufsatz. Bis zum 10. 12. 1996.


1996-11-05 Weitere Konsequenzen der digitalen Revolution

Emanzipation des Benutzers von Information und Dokumentation-Stellen kann auf zwei Arten erfolgen: online oder offline.


1996-11-19

Informationsflut, Publikationsflut

Wie bewertet mensch die Qualität von Information, von Informationsdiensten?

Erster Ansatz: Veröffentlichungen zählen.

Genauere Methode: Anzahl der Zitierungen des Werks ermitteln. Wenn ein Werk wirklich von der wissenschaftlichen Welt aufgenommen wurde, wird es auch zitiert.

Science Citation Index (SCI), Social Science Citation Index, Arts & Humanities SCI. Größte Bedeutung bei den Naturwissenschaften, weil diese am meisten auf die angelsächsische Welt zugeschnitten sind.

Mögliche Verfälschungen:

Methoden gegen die Verfälschungen:

Wichtiges Kriterium bei der Bewertung von Artikeln in Zeitschriften: Veröffentlichungsdatum. Versuche, die "Halbwertszeit" der Information (der Zitierungen) zu bestimmen. Für naturwissenschaftliche Literatur angeblich ca. 5 Jahre. Weitere quantitative Methoden: Anzahl der Kopien und Entlehnungen.

"Citation Classics": Alte Veröffentlichungen, die immer wieder zitiert werden.

In Geistes- und Sozialwissenschaften spielen Classics eine größere Rolle und die Halbwertszeit ist länger.

Formale Erfassung: Beschreibung eines Dokuments, um es wiederfinden zu können. ("B-Posten")

RAK: Regeln für die alphabetische Katalogisierung:

  1. Sachtitel + Verfasser
  2. Ausgabebezeichnung
  3. Erscheinungsvermerk (Ort, Verlag, Jahr, Druckort)
  4. Kollationsvermerke: Umfang, opt. Angabe von Illustrationen, Statistiken, Beilagen, sonst. Begleitmaterial
  5. Gesamttitel (bei Büchern in Reihen)
  6. Fußnoten
  7. ISBN (International Standard Book Number): X-YYYY-ZZZZ-N X: Land, geographischer Bereich (3: Deutscher Sprachraum); Y: Verlagsnummer; Z: Titelnummer des Verlages; N: Prüfziffer. ISSN: International Standard Serial Number: für Zeitschriften

Für audiovisuelle Medien andere Kriterien.

Inhaltliche Erschließung: Nötig, weil der Titel manchmal wenig aussagekräftig ist. Großer Aufwand, sowohl zeitlich als auch intellektuell ("A-Posten"). Kommt in Zeiten der Volltextdatenbanken immer mehr unter Beschuß, ist aber nötig, um die Terminologie zu standardisieren. Außerdem gibt es sehr viele implizite Informationen, die im Volltext nicht erfaßt werden (z.B. in Zeitungsartikeln keine Ortsangabe). Zeitinformationen schwer zu standardisieren.

Quick and Dirty-Prinzip: alles hineinbringen.


1996-11-26 Inhaltliche Erschließung

Dokumente im Volltext / Inhaltliche Erschließung: intellektuelle Arbeit / automatische Inhaltserschließung: maschinell

Zwei Phasen der inhaltlichen Erschließung:

  1. Inhaltsanalyse: Dokument verstehen, Schlagwörter heraussuchen. Sprachliche und fachliche Kompetenz für das Verständnis des Dokuments nötig.
  2. Inhaltsdarstellung

Sekundärdokument entsteht. Dieses dient zur Verdichtung und Harmonisierung (Vereinheitlichung und Standardisierung in Erscheinungsbild, Vokabular). Zwecke: Ordnung und Suche.

Suchprofil muß dem Dokumentenprofil entsprechen, dann kommt es zu einem Treffer. ("Matching")

Ergebnis der Suche: Treffermenge = recall; precision = Relevanz der Dokumente (Maßzahlen: Trefferquote, Relevanzquote).

Verfahren der Inhaltsdarstellung:

Indexieren Referieren
  • Klassieren: Darstellung des Inhalts in Form von Indextermini, Zuordnung zu inhaltsgleichen Dokumenten. Gutes System für Freihandbibliotheken. Nachteil: Mensch muß sich für einen Ort für das Dokument entscheiden, bei Dokumenten mit mehreren Hauptthemen problematisch und willkürlich. Einordnung nur nach Hauptaspekten. Funktioniert auch ohne Computereinsatz.
  • beschreibendes Indexieren (Beschlagwortung): mehrere Indextermini, die für die Suche sinnvoll sind, werden einem Dokument zugeordnet.
    • coordinate, gleichordnendes indexing: unstrukturiertes Zuordnen, Termini gleichwertig. Vorteile: relativ einfach, geringer Schulungsaufwand, große inhaltliche Nähe zum Dokument, kontrolliertes Vokabular. Nachteile: fehlende Gewichtung der Begriffe, Fehlverknüpfungen möglich (ca. 90 % der wissenschaftlichen Datenbanken arbeiten mit diesem System) Nur mit EDV-Unterstützung sinnvoll.
    • syntaktisches Indexieren: Um die Nachteile des coordinate indexing zu lösen, werden immer mehr Systeme der Gewichtung eingesetzt. Für das Problem der Verknüpfung gibt es die Möglichkeiten, Kategorien einzuführen (z.B. Name=Bauer<=>Beruf=Bauer), oder Termini zu verknüpfen, um Sätze zu bilden (Linking). Dadurch ist das System wieder arbeitsintensiver und aufwendiger. Andere Möglichkeit: Relationsangaben.
Beschreiben des Inhalts in natürlicher Sprache, in vollständigen Sätzen. Das Ergebnis ist ein Referat oder Abstract.
  • indikatives Referat: weist auf Inhalt hin
  • informatives Referat: enthält die Information selber. Wenn gut gemacht, eignet es sich zum nachfolgenden automatischen Indexieren zur Recherche nach Sachbegriffen über das kontrollierte Vokabular hinaus.

  • Fremdreferat: im Zuge der inhaltlichen Erschließung durch Bibliothekare und Informationsspezialisten
  • Autorenreferat

Für das Klassieren muß eine gute und flexible Struktur vorhanden sein.


1996-12-03

Scientific Information-Dienst

(Fortsetzung der Tabelle von der vorigen Woche)

RSWK: Regeln für die Schlagwortkatalogisierung, im deutschsprachigen Raum sehr verbreitet. Wörter werden in festgelegter Reihenfolge zu Sätzen verknüpft (z.B. a:präsident:krankheit:lunge). Diese System wird für Linking im Rahmen der syntaktischen Indexierung verwendet. BIBOS macht das noch nicht.

Präkoordination: Verknüpfung der Suchbegriffe vor der Recherche. Setzt einen Lernaufwand des Anwenders voraus.

Postkoordination: Verknüpfung der Suchbegriffe durch das System im Zuge der Recherche.

Relationsangaben: Beziehung zwischen Deskriptoren explizit angeben. Beispiele: Vranitzky über Haider, Export von Österreich nach Iran.

Automatisches Indexieren im Gegensatz zum intellektuellen Indexieren: maschinelle Erfassung von Begriffen aus den Texten nach Entfernung von Stop/Banalwörtern. Sehr einfach in Bezug auf den maschinellen Aufwand.


1996-12-10 Dokumentationssprache

Dokumentationssprachen sind sehr stark reglementiert, die Grammatik steht eher im Hintergrund. Sie wird laufend an die wissenschaftliche Wirklichkeit und Terminologie angepaßt.

Elemente der Dokumentationssprache:

Nachteile: Synonyme sind nicht bereinigt, grammatikalisch gebildete Formen gehen im Originalzustand ins Dokument ein. Vor/Nachteil: Nähe zur Terminologie des/der Autors/In. Vorteil: gewährleistet breiten Zugang.

Vorgangsweise bei der automatisierten Erschließung:

Beispiel: Baum Laubbaum Nadelbaum Tanne

Baum

--> UB Laubbaum

--> UB Nadelbaum

Laubbaum

--> OB Baum

--> SA Nadelbaum

Nadelbaum

--> OB Baum

--> SA Laubbaum

--> UF Tanne

Tanne: Nondeskriptor

--> USE Nadelbaum


1996-12-17 Auswertung der Übungsarbeiten
1997-01-14

Klassifikation: arbeitet mit Notation (künstlichsprachig), strukturiert Informationen systematisch in einer Hierarchie. (hierarchisch-analytische Klassifikation <=> [Facettenklassifikation, assoziative Klassifikation])

Existierende Klassifikationssysteme: Dewey Decimal Classification (DDC): (im angelsächsischem Sprachraum sehr verbreitet) => Universal Decimal Classification (UDC): Anfang des 20. Jh. entwickelt, besser für Information und Dokumentation geeignet

LCC: Library of Congress Classification: englischsprachige Literatur wird durch LCC erschlossen (nicht dezimal).

DDC: Unterteilt das Wissen der Welt in Klassen 0 ... 9, dann Untergruppen

0: Allgemeines

1: Philosophie

...

6: Angewandte Wissenschaft (Medizin, Technik):

9: Geographie, Ethnologie, Geschichte

Vorteile: Sprachunabhängigkeit auf Notationsebene, Ordnung des Systems wird wiedergegeben, übersichtlich, Struktur erweiterbar. Anzahl der Ziffern gibt an, wie "tief" mensch gerade im Baum ist. "Siehe auch"-Relation ist automatisch durch Begriffe auf der selben Ebene gegeben.

Nachteile gegenüber Thesauri: Jeder Begriff kann nur einen Oberbegriff haben, manchmal zwanghafte Zuordnung (z.B: Fernsehen: Technik? Kommunikationswissenschaft? Politik?). Es ist schwer, neue Informationen und Betrachtungsweisen (Ökologie, Feminismus, Informatik ...) einzuordnen.

Echtes Beispiel:

...

Informationstheorie 007

Informationstheorie (Mathematik) 519.72

Informationsträger (Datenverarbeitung) ...

Datenbanken haben in der Klassifikation an Bedeutung gewonnen.

Klassifikation ist in der Recherche effizient, weil z.B. eine Suche erweitert werden kann, indem mensch die letzte Ziffer wegstreicht (652 ungenügend => 65), andererseits ich auch eine Einschränkung möglich (z.B.: Fernsehen nur im Bereich 6). Auch zur Ermittlung der Terminologie von neuen Sachgebieten nützlich. Schwer ausdrückbare Sachverhalte können besser im Zusammenhang erklärt werden.

Großer Nachteil, daß keine automatisierte Kategorisierung möglich ist.


1997-01-28 Prüfung

Fragen:

  1. Information und Dokumentation als Kommunikationsprozeß Antwort / Dokumentationssprache Antwort
  2. Recherche in Datenbanken / Modelle, Strategien, Perspektiven Antwort

Eine der Fragen sollte ausgewählt werden. Zusätzlich sollte eine Bewertung der LVA in Bezug auf Inhalte und "Performance" vorgenommen werden.


2000-01-25 Prüfung

Fragen:

  1. Internet wissenschaftliche Informationsvermittlung?
  2. Bibliotheken (?) 2050 - Arbeitsorganisationen und Dienstleistungen

Eine der Fragen sollte ausgewählt werden.


© Balázs Bárány. Quelle: Vorlesung von Dr. Herwig Jobst, nicht autorisiert.
zuletzt geändert (JMT): 2000-01-25