Vogl, Gerhard:

607180 - Elektronische Medien, iG-5.10.2 (I), VO/UE

1997-10-08 Einführung

1997-10-15 Mediensituation in Österreich

1997-10-22 Der Werbemarkt

1997-10-29 Struktur des ORF-Radios

1997-11-05 Reichweiten, Quoten

1997-11-12

1997-12-03

1997-12-10

1997-12-17

1998-01-21

1998-01-28 Prüfung


1997-10-08 Einführung

Herr Vogl ist seit 25 Jahren im ORF.

Warum ist die österreichische Medienlandschaft anders, als die vergleichbarer Staaten?

Medienkonzentration:

Die Kronen Zeitung hat seit Jahren 42 % Marktanteil (Sonntags bis zu 80 %), Sun und Bild-Zeitung in ihren Ländern weit weniger. Regionale Tageszeitungen haben in ihren Bundesländern sogar bis zu 65 %.

(Krone war und ist ihrer Zeit voraus: gemäßigter Boulevard, mit einer Personifizierung, die heute aus dem Privatfernsehen bekannt ist. Heutige Folge: viele RedakteurInnen sind über 70 Jahre alt.)

Der österreichische Zeitungsmarkt ist stark geschützt durch:

  1. Presseförderung
  2. gestützte Posttarife (fallen bald weg)
  3. Förderung der Druckereien

Die Situation der elektronischen Medien

Aufbau des Radios in vier Besatzungszonen, Fernsehen erst 1955. Übernahme durch den Staat, starke Kontrolle durch den Proporz. Nach dem Rundfunkvolksbegehren Gründung einer "unabhängigen" ORF GesmbH.

1964 "Aufstand" des Fernsehpublikums zusammen mit den Printmedien

1974 entschied Kreisky, daß der ORF zu unabhängig ist. Das Gesetz wurde geändert, "unabhängige" ProgrammintendantInnen eingeführt. Dieses Gesetz gilt heute noch. Dadurch hat Zeiler theoretisch keine freie Hand und nicht das letzte Wort, was in der starken Konkurrenzsituation (16 private deutsche Sender) etwas benachteiligend ist.

ORF ist seitdem auch eine Anstalt öffentlichen Rechts, er gehört "sich selbst". Die Konstruktion ist sehr schwerfällig.

Der Markt wurde noch nicht dereguliert (derzeit ist es trotz Radio- und Kabelgesetz noch nicht möglich, österreichweit kommerziellen Rundfunk zu gründen).

Die Politik hat sich jahrelang nicht über diese Strukturen einigen können, weil sie Machtverlust befürchtet hat.

Ab März 1998 wird es 10 Regionalradiosender geben, obwohl sich nur ca. 4-5 tragen könnten.

Weiteres Problem: Föderalismus. (Vorarlberg und Burgenland wären in Deutschland Kleinstädte; die Werbewirtschaft kann aus solchen Ländern nicht genug herausholen).

Prüfungsmodus: schriftlich am Ende des Semesters, zwei Termine. Vorher Zusammenfassung in einer Stunde.


1997-10-15 Der Werbemarkt; Fernsehen in Österreich

Zeitgeschichtliche Kenntnisse sind in jedem kommunikationswissenschaftlichen Beruf, nicht nur im innenpolitischen Journalismus notwendig.

Publizistische Einheiten (=selbständige Redaktionen)

194636
195330
197220
19517

Die Schweiz hat 80 PE. Die Zahl könnte sich reduzieren, wenn die Presseförderung ausfällt. Derzeit sind nur 4-5 österreichische Tageszeitungen in den schwarzen Zahlen.

Druckauflage

UnabhängigeParteizeitungen
195350 %50 %
197180 %20 %
198888 %11 %
199396 %4 %

Gerade weil die Auflage der Parteizeitungen zurückgegangen ist, versuchen die Parteien, auf andere Weise Einfluß zu nehmen.

Die Allgemeine Presseförderung wird dahingehend geändert, daß in Zukunft nur defizitäre Qualitätsmedien davon profitieren sollen.

Die besondere Presseförderung nimmt auch ab, hat aber die Größenordnung von 150 Mio. Schlilling im Jahr.

Durch die Presseförderung und andere österreichische Eigenheiten werden tendenziell die Starken und Reichen gefördert. Das österreichische Modell geht auf Bruno Kreisky zurück: Qualität, regionale Vielfalt und somit auch ideologische Vielfalt sollten gestützt werden.

Natürlich hält die Presseförderung die kleine regionale und Minderheitenpresse am Leben, ohne sie hätte es viele Karrieren im Journalismus nicht gegeben.


Der Werbemarkt

Marktanteile klassischer Medien in Österreich

Werbeaufwendungen gesamt: 16.641,1 Mio. Schilling

Fachzeitschriften2,6 %
Wochenzeitungen6,6 %
Plakat7,0 %
Radio10,7 %
Fernsehen23 %
Tageszeitungen32,4 %

(Der Rest entfällt auf Direct-Mailing usw.)

Im Radio ist heute allein die Musik wichtig, Wortbeiträge werden zunehmend unwichtig, Nachrichten/Service nehmen auch ab. Radio ist am Anfang extrem investitionsintensiv, dafür sind die laufenden Personalkosten dank Computereinsatz niedrig. Auch die Marketingausgaben sind am Anfang (besonders wenn es Konkurrenz gibt) sehr hoch; sie kommen den Zeitungen zugute! In Wien werden die einzelnen Blätter "zufällig" nur jeweils über die Sender berichten, an denen sie beteiligt sind.

In Österreich herrschte die Meinung vor, die Rundfunkstruktur müsse der Regionalität Österreichs entsprechen. Deswegen heißt es auch Regionalradiogesetz; in jedem Bundesland gibt es eine Frequenz, in Wien zwei.

Die nächste Frage war: wer darf Radio machen?

Das erste Modell war so gedacht, daß die lokal stärksten Tageszeitungen auch Radio machen können. Mensch wollte aber weitere Monopole verhindern; eine 26 %ige Beteiligungshöhe wurde als Maximum in einem Bundesland festgesetzt, in zwei anderen Bundesländern sind weitere 10 % möglich.

In der Steiermark und in Salzburg wurden die Entscheidungen nicht beeinsprucht, deswegen konnte dort schon Privatradio starten. In den nächsten Wochen werden die anderen Frequenzen vergeben; es gibt keine Garantie, daß die Entscheidungen nicht wieder angefochten werden.

Dazu wurden 45 "echte" Lokalsender vorgesehen.

Fernsehen

Für Privatfernsehen gibt es bis jetzt nicht einmal ein Gesetz. (Das Rundfunkgesetz muß insofern geändert werden, daß nicht nur der ORF zugelassen ist; auch die Bestimmungen im Werbebereich müssen geändert werden. Die Gesellschaftsstruktur des ORF wird vermutlich auch geändert werden müssen.)

Der ORF war 1967-1974 eine GesmbH mit Geschäftsführer Gerd Bacher. 1974 wurde auf das Betreiben Kreiskys die öffentlich-rechtliche Gesellschaftsform eingeführt. Den ZuseherInnen ist aber die Struktur egal; so ist Zeilers Vorstoß Richtung AG-Umwandlung verständlich, der ORF kann in dieser Form nicht mit den Privaten mithalten. Die SPÖ favorisiert Mehrheitsbeteiligung des Bundes, die ÖVP 50:50 zwischen Bund und Ländern, weiters Aufsichtspersonen aus jedem Bundesland. Gleichzeitig muß auch der Privat-TV-Markt neu geordnet werden. Die ÖVP will auch in jedem Bundesland einen Sender; aber das ist absolut aussichtslos; höchstens eine österreichweite Fernsehstation könnte bestehen.

Eine österreichweite Frequenz braucht mindestens 1000 Umsetzer. Ein Sender könnte den ORF dafür bezahlen (ha ha) oder das selbst aufbauen (15-20 Jahre).


1997-10-22

Unter Bacher: Informationsexplosion, stündliche Nachrichten, Journale, bessere technische Ausstattung im ORF-Radio.

Struktur des ORF-Radios

Ö1

werbefrei, hohes Niveau, eher klassische Musik, aber auch modern, hoher Informationsanteil (Nachrichten, Kultur, Wissenschaft); in den letzten Jahren auch Versuche, Felder von Ö3 (z.B. Jazz) zu übernehmen.

Marketing (einfach nur Programm machen reicht heute nicht mehr):

Problem: "schlechte" Qualität durch analoge Übertragung

Ö2 + 9 Landesstudios

70-80 % des Tages Einzelprogramme

Ö3

Blue Danube Radio

Initiative von Kreisky, Wien als UNO-Standort zu promoten

Anfangs kam viel Geld vom Staat, in letzter Zeit immer weniger.

Schweres Problem in Österreich: Radio mit Native Speakers hat kaum Akzeptanz

FM4

Radio Österreich International (Kurzwelle)

Die Kurzwellenprogramme werden international in den meisten Fällen vom Staat oder vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk betrieben.

(mehr als zwei-drei "Fehlimpulse" (=nicht gefallende Musikstücke) können HörerInnen dazu veranlassen, den Sender zu wechseln)

Marktanteile der ORF-Radioangebote

Ö14 %
ORF-Regionalprogramme43 %
Ö341 %
FM4, Blue Danube1 %
Andere11 %

Gesamtmarktanteil des ORF: 89 %

Tagesreichweiten Ö3 in den Bundesländern

Wien52,8 %
Niederösterreich57,6 %
Burgenland46,6 %
Steiermark34,1 %
Kärnten56,6 %
57,1 %
Salzburg47,4 %
Tirol58,2 %
Vorarlberg55,8 %

Die Reichweiten der Regionalprogramme in den Bundesländern reichen von 20 % bis 40 %.

Der ORF hat die Entwicklung "vorausgesehen", die Programme arbeiten bereits sehr stark zielgruppenorientiert, Ö3 ist bereits sehr kommerziell. Wortanteil wurde gekürzt.

Verlagerung des Personals vom Programm- in den PR-Bereich, da die Musik aus dem Computer kommt. Service-Angebot (Nachrichten, Verkehrsfunk) wird auch zum unterscheidenden Element (z.B. Nachrichten 10 Minuten vor der Stunde) und gehören zum "Klangbild" des Senders. Heute ist "Gesamt-Identity" wichtig (Jingles, Gestaltung der Nachrichten: Schlagzeilen, musikunterlegt, ModeratorIn spricht die Nachrichten).

Die zukünftigen MitarbeiterInnen müssen technisch, sprecherisch und journalistisch ausgebildet sein.

Werbung

wird im Radio immer mehr zum Problem.

Lange Blöcke: Gefahr des Wegschaltens

Kurze Blöcke: Immer wieder Belästigung

Das Radio wird in Österreich in der Früh zu ca. 30 % und zu Mittag zu ca. 25 % gehört, das sind zwei Spitzen, dazwischen und später abnehmende Radionutzung, die am Nachmittag zum Fernsehkonsum übergeht.

Für den ORF wird es schwierig, wenn 300-400 Millionen öS von Ö3 zu den Privatsendern gehen.

Medienanteile der Werbeträger am Werbegeschäft (in %)

Werbeträger19931994 19951996
Tageszeitungen31313029
Fernsehen15171718
Werbung per Post141314 15
Publikumszeitschriften101010 9
Anzeigenblätter888 8
Fachzeitschriften7666
Adreßbücher666 6
Hörfunk3333
Außenwerbung333 3
Wochen-/Sonntagszeitungen111 1
Filmtheater1111

Quelle: Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft

Das Fernsehen hat die Werbezeiten ausgeweitet, weswegen die Preise hinuntergingen. Die Genußmittelindustrie hat die größten Werbeetats und wirbt vor allem im Fernsehen. Das Radio kann sich nicht mehr entwickeln, aber es könnte sich halten.

Die klassische Werbung hinkt der technischen Entwicklung hinterher, Internet könnte vor allem im Bereich der Kleinanzeigen große Anteile holen. Die Zeitungen versuchen, diesen Bereich online selbst abzudecken.

Inwiefern beeinflußt die Werbung die redaktionellen Inhalte?

Anspruchsvolle Zeitungen (z.B. Profil) können die beiden Bereiche halbwegs voneinander trennen, kleine Regionalblätter können das nicht, manche wollen es nicht.

In elektronischen Medien (vor allem im öffentlich-rechtlichen Bereich) gibt es verschiedene Beschränkungen: zeitlich (max. X Minuten, an bestimmten Tagen), Produkte (Zigarette, hochprozentiges Alkohol), im Fernsehen keine Unterbrechung von Sendungen, Synchronisation auf die österreichische Sprache.

Der Einfluß der Werbung beginnt nun auch in den elektronischen Medien zu wirken: "Werbesendungen mit Programm herum"; Wissen, daß ein Publikum da ist. Publikumsforschung und Programmplanung nehmen auch zuungunsten der eigentlichen Programmgestaltung zu.

Marktanteile der Fernsehsender in Österreich

Der ORF kommt auf ca. 50 %, sonst ist das Feld sehr zersplittert, am meisten hat RTL mit 6,4 %.

In der Schweiß ist das Feld viel ausgeglichener, DRS kommt nur auf 26 %, die stärksten Privatprogramme kommen auf 8-9 %. Die SchweizerInnen sind nicht so sehr auf Nationalität fixiert, wie die ÖsterreicherInnen, sie sind nicht gegen Deutschland "immunisiert".

Die schweizerischen Privatradios haben das Dialekt (sogar bis in die Nachrichten hinein) als wesentliches Unterscheidungselement entdeckt.

Kosten: Der Markt in der Schweiz ist noch kleiner als der österreichische, dadurch schwierig, Filme einzukaufen.


1997-10-29

Das Fernsehen entstammt dem Film und der Wochenschau. Letztere wurde von der NS- und faschistischen Propaganda stark benützt. Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Europa das Bestreben, das Instrument unter eine öffentliche Kontrolle zu stellen, es zu demokratisieren, und das Medium bewußt für die Demokratisierung und Volksbildung zu benutzen. Die ersten MacherInnen kamen aus dem Bildungsbereich.

Die alten Serien waren schön und anspruchsvoll; das konnte funktionieren, weil es keine Alternativen gab. (In Deutschland ist das Fernsehen Ländersache.)

Zweite Phase: JournalistInnen kamen ans Ruder. (In Österreich 1967 Gerd Bacher.) Vorher war das Medium "Verlautbarungsorgan", bei Interviews mußten die Fragen im Vorhinein bekanntgegeben werden. Nachher Informationsexplosion (z.B. Wahlnacht), Versuche, das Fernsehen in real-time zu bringen. Erst Ende der Siebzigerjahre war es technisch möglich, aus anderen Ländern "live" (mit kleiner Verspätung) zu berichten.

Dritte Generation: die Marketing-Leute bestimmen das Fernsehen. Grund: Idee des "freien Zuganges" aus den USA, massive Deregulierung durch konservative Regierungen (Vorwurf, Staatsfunk wäre links, dadurch Druck zur Liberalisierung).

SAT1

gehört zu großen Teilen Leo Kirch (Er erkannte vor 30 Jahren, daß das Fernsehen von Spielfilmen leben wird und hat Spielfilmrechte aufgekauft. Andere ahnten nicht, daß die Rechte noch von Wert sein können). Er ist konservativ, befreundet mit Franz Josef Strauß und Helmut Kohl.

Anderer wichtiger Eigentümer: Springer-Gruppe (Axel Springer: größter Nachkriegsverleger, z.B. Bild-Zeitung). Springer war konservativ, ließ bis zum Ende DDR unter Anführungszeichen setzen.

SAT1 ist in der Grundausrichtung eher konservativ, das ist auch am Programm und der ZuseherInnenstruktur ersichtlich.

Kirch liefert die Filme, Springer die Information und das Marketing (Hörzu, Bild).

RTL

In Deutschland werden die Lizenzen von den Ländern vergeben. RTL ist in Köln, in Nordrhein-Westfalen (SPD). Hans Mahr war der Pressesprecher von Bruno Kreisky.

Inhaltliche Verschiebungen in den letzten Jahren

Das Publikum muß heute viel genauer segmentiert werden. Wer Vollprogramm anbietet, muß auch genau schauen, wen das und das interessieren könnte. Die "kleinen" privaten Programme können die jüngere Population stark für sich interessieren, die öffentlich-rechtlichen haben Auflagen von der HörerInnen/SeherInnenvertretung und dürfen vieles oder zu bestimmten Zeiten nicht senden.

Wie kann ich mich als Gesamtprogramm präsentieren, um die Jüngeren zurückzugewinnen und Ältere nicht zu verlieren?

Die Werbung macht Aufsplittung notwendig, weil sie meint, über 50jährige seien für sie nicht interessant. Deswegen wollen alle, vor allem die privaten, Sender die Zielgruppe 12-49 erreichen.

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen dem Geschmack der "jüngeren" und "älteren" Zielgruppe.

Finanzierung

Klassische Finanzierung: Gebühren. Es gab keine Werbung im heutigen Sinn. Vor allem die Bundesländer behalten teilweise große Summen aus den Fernsehgebühren.

Österreich hat die dritthöchsten Rundfunkgebühren in Europa, aber der ORF bekommt davon netto den kleinsten Anteil.

Bald wird überall die Diskussion um die Rundfunkgebühren ausbrechen: Wieso sollte ich für vergleichbares Programm einmal zahlen und einmal nicht?

In Deutschland gibt es eine Untersuchung, die (vereinfacht) folgendes besagt: 1/3 schaut nur öffentlich (private zu schnell, laut, bunt...); 1/3 schaut nur kommerziell (die öffentlichen zu fad); 1/3 pendeln.

In Österreich zahlen ca. 12 % der Haushalte keine Gebühren; die Zahlenden finanzieren diese und die SchwarzseherInnen (ca. 12 %) mit.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner österreichischen Ausprägung braucht einen hohen Werbeanteil; der ORF finanziert sich zu 40-50 % aus Werbung (die deutschen Öffentlich-Rechtlichen haben nur ca. 10-15 %). Der ORF nimmt sehr viel Geld aus dem Werbemarkt auf, das könnte MitbewerberInnen große Probleme bereiten.

Perspektiven des Fernsehens:


1997-11-05 Reichweiten, Quoten

Gerd Bacher: "Es war ein Fehler der Öffentlich-Rechtlichen, den Begriff >>duales System<< nicht sofort bekämpft zu haben."

Während die öffentlich-rechtlichen Sender gezwungen sind, strenge Regeln einzuhalten und Gebühren einheben, orientieren sich die Privaten allein am Gewinn und finanzieren sich ausschließlich durch Werbung.

Das Publikum hat mehr Eingehen auf seine Bedürfnisse verlangt, deswegen wurde nötig, zu erforschen, was die ZuschauerInnen wollen => Medienforschung gewann ganz dramatisch an Bedeutung.

Die Privaten haben sich durch Marketing positioniert, sie erfanden "assets" ("Trümpfe"):

Ermittlung der Quote

Telecontrol läuft in allen deutschsprachigen Ländern prinzipiell gleich: "charakteristische" Haushalte (in Österreich jährlich 1200 Haushalte, ca. 2700 Erwachsene (>12), 350 Kinder) werden repräsentativ ausgewählt, ein Gerät ermittelt, was wann gesehen wird. Das Gerät hat eigene Fernbedienung, jede Person muß sich am Beginn der Sendung "einloggen". Die Fernbedienung registriert jedes Umschalten und sendet in der Nacht die Daten an den Hauptcomputer. Am Morgen stehen die kumulierten Ziffern (absolut, Marktanteil) im Teletext (ORF: Seite 491).

Kriterien der Erfassung: Bildung, Alter, Einkommen, Programmneigungen, andere Parameter wie Hund usw. Natürlich wird vor allem zwischen "Mehrkanalhaushalten" ("KaSat-Haushalte") und "Einkanalhaushalten" (nur ORF) unterschieden. Für die Werbewirtschaft sind hauptsächlich die KaSat-Haushalte interessant. (Kabel ist vor allem in neuen Siedlungen vertreten, dadurch werden tendenziell Jüngere erreicht.)

FernsehmacherInnen bekommen folgende Daten:

Wichtigste ORF-Daten 1996: ZiB 25 % RW, 78 % MA

Einteilung der Reichweiten

Es gibt die Tageszonen:

MarktanteilKosten Tausenderpreis (Kosten/MA)
VormittagX % = Y.000 ZuseherInnenX öS X/Y.000 öS
Nachmittag
Vorabendusw.
Hauptabend
Spätabend
Nacht

Ein Sender kann nicht immer stark sein. Er wird sich lieber an den Zeitvorgaben des angestrebten Publikums orientieren.

Gefragt wird auch die Publikumszufriedenheit nach Noten, daran nehmen ca. 40 % teil. Dies ist allerdings nicht wirklich aussagekräftig, da die ZuschauerInnen sehr subjektiv entscheiden (Sendungen ohne Kontroversen bzw. Sportereignisse mit österreichischen Erfolgen werden viel besser beurteilt).

Stars

Die Zahl der Personen, die am Bildschirm erscheinen, wird reduziert, dafür kehren diese immer wieder. Diese wenigen Personen müssen sich voll in die Maschinerie integrieren, sie müssen immer wieder auftauchen und werden vermarktet.

Am 19. 11. entfällt die Vorlesung.


1997-11-12

Der Verbot für Kabelgesellschaften, Werbung zu machen (ohne Werbung kein Programm), wurde vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben.

Die Gesetzlage muß in naher Zukunft geändert werden, sodaß auch Privatfernsehen zulässig wird (nach der geltenden Rechtslage hat der ORF noch Monopol).

Bestreben der ORF-Führung, das Rundfunkgesetz aus 1974 zu ändern und den ORF in eine moderne Struktur umzuwandeln.

Nach dem alten Rundfunkgesetz (1967) war der ORF eine GesmbH mit einem Intendanten. In den Siebzigerjahren gab es eine Diskussion dieser Form, Kreisky hatte im Parlament ab 1971 die absolute Mehrheit, in der ORF-Führung jedoch nicht. Deswegen wurde der ORF in eine Körperschaft öffentlichen Rechts umgewandelt. Die HörerInnen- und SeherInnenvertretung wurde eingeführt. Die ProgrammintendantInnen sind gegenüber der Aufsicht in Programmfragen verantwortlich.

Dieses System behindert massiv die Wettbewerbsfähigkeit des ORF, da die Konkurrenz nicht mehr nur aus öffentlich-rechtlichen Sendern besteht. Entscheidungen sind nicht schnell möglich; Konsens muß gesucht werden.

Vor der Zeiler-Ära war praktisch jedes Programm eine politische Auseinandersetzung, heute ist das weitgehend anders. Die ORF-Führung bräuchte aber die Möglichkeit, auf dem gleichen Markt gleichberechtigt zu agieren.

(Der ORF hat eigentlich nur den Auftrag, Fernsehen und Radio zu machen. Deswegen gab es z.B. bei Einführung des Teletexts Bestrebungen, das auf die Zeitungen auszulagern.)

Schon unter Kreisky ist die Idee aufgetaucht, "Verlegerfernsehen" zu machen; die Frage war nur: neuer Kanal oder statt ORF2?.

In Österreich ist es problematisch, eine "dritte Frequenz" einzuführen. Außerdem liegt die Übermittlung nicht bei der Post, wie in anderen Ländern, sondern beim ORF. Deswegen müßten neue Sender entweder eine Sendekette aufbauen oder sich beim ORF einkaufen 8-).

Nicht geklärte Punkte der kommenden Reform

Wie sollen die Gesellschaftsanteile einer neuen ORF-AG aussehen? Wenn Bund und Länder je 50 % bekommen, wäre das eine Art Verstaatlichung.

Wer würde den Aufsichtsrat stellen? (Das heutige Kuratorium ist zu groß.) Die ÖVP verlangt 9 Aufsichtsratsposten für die Bundesländer.

Kann und soll diesem Rundfunk noch ein Auftrag gegeben werden?

Das geltende Rundfunkgesetz

Aufgaben und Einrichtung des Österreichischen Rundfunks:

  1. die umfassende Information der Allgemeinheit über alle wichtigen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Fragen durch

(Darf z.B. "Vera" unter diesen Gesetzen stattfinden?)

Spannungsfeld: öffentlich-rechtlich, gebührenfinanziert, Bevormundung der SeherInnen <=> marktorientiert, frei, aber ohne Gebühren

Die EU versucht, den Einfluß US-amerikanischer Mediengesellschaften so weit zu beschränken, daß nationale Film- und Rundfunkgesellschaften noch überleben können.

Organe des ORF:

6 VertreterInnen der Parteien (deklariert); 9 BundesländervertreterInnen (meist in den Landesregierungen entschieden, oft von der stärksten Partei); 6 von der HörerInnen/SeherInnenvertretung; 5 des ORF-Betriebsrates (durch die Betriebsratswahlen nominiert); 9 VertreterInnen der Bundesregierung (vom Bundeskanzler vorgeschlagen).

Es finden sich oft Mehrheiten, die nicht der Gewichtung im Parlament entsprechen.

wird vom Kuratorium gewählt.

Versucht, die Bevölkerung zu repräsentieren, z.B. Jugend, ChristInnen, BergsteigerInnen usw. Es gibt Anlaufstellen für Beschwerden usw., die debattiert werden.

Die Parteien streiten sich schon seit einem Dreivierteljahr darüber, wie die Mehrheitsverhältnisse in der AG geregelt werden können.


1997-12-03

Trends im Journalismus

Journalistische Nachrichtenfaktoren

"Großes groß, Kleines klein"; "Nahes groß, Fernes klein"

Die Nachrichtenauswahl wird bestimmt durch

Gesellschaftskritik nur dort, wo sie hingehört (z.B. nicht bei Opernballübertragung).

Mit Metaphern nicht übertreiben! ("großer Bahnhof", "ganz Österreich steht im Bann...")

Wichtiger "Nachrichtenwert": Wie reichere ich die Geschichte an? Habe ich Bilder (TV, evt. Zeitungen)? Das Fernsehen wertet sogar die Stories nach der Illustrationsfähigkeit.

In der Recherche sind persönliche Kontakte wichtig, nicht unbedingt zur/m PolitikerIn, sondern z.B. zum Sekretariat. Vertrauensklima aufbauen.

Aufgabe bis zum 10. Dezember: Im Radio oder Fernsehen zu verlesende Analyse verfassen (1 min 30) über den Ausgang des Schilling-Volksbegehrens. Was bedeutet dieses Ereignis für die österreichische Innenpolitik?

Kein Kommentar, kein persönlicher Standpunkt!


1997-12-10

Nachricht: ("New York Times": "All the news that fit to print") Mitteilung über ein aktuelles Ereignis, das von öffentlichem Interesse ist. Neuigkeit, die für eine größere Zahl von Menschen interessant ist, in ihr Leben eingreift oder attraktiv ist.

Aufteilung der Nachrichten: Hard News und Soft News (nehmen zu). Immer mehr Austausch zwischen Hard- und Soft-News-Sendungen (z.B. Vera mit dem Fall Fuchs). Öffentliche Debatte, ob die Sendung zur Information oder zur Unterhaltung gehört.

Wie unterhaltsam dürfen Nachrichten sein? Auf keinen Fall langweilig. Mensch muß sich fragen, welche "soft news" interessant sind. Diese Selektion ist immer eine Wahl gegen eine andere Meldung. Eine Nachricht zu veröffentlichen ist ein (gesellschafts)politischer Akt.

Kriterien: Wer sagt etwas, wie außergewöhnlich; zusätzliche Nachrichtenfaktoren.

Recherche

Wichtigstes journalistisches Element: der Wahrheitsgehalt. Überprüfung durch Recherche (Datenbankabfrage, Befragung von KonkurrentInnen, anderen Organisation usw.). Es wird versucht, möglichst viele Aussagen zu einem Thema zu sammeln. Sie müssen nicht alle veröffentlicht werden, sie sind zusätzliche Absicherung.

Nachricht im Radio

Zeitfaktor ist extrem wichtig. Es gibt keine Zeit zu recherchieren. Deswegen müssen sich RadioredakteurInnen auf die Quelle verlassen können.

Die Quellen

Im Radio werden die Quellen nicht zitiert, wenn sie dauernd verwendet werden. Sie werden auch nicht zitiert, wenn die Nennung der Quelle etwaige unpassende Assoziationen wecken könnte.

Wichtig, die Quelle zu zitieren: Wenn divergierende Aussagen vorliegen; wenn nur eine Agentur etwas meldet; wenn die Daten unterschiedlich sind (Demonstration - Angaben der Polizeit und der OrganisatorInnen); wenn mit Meldungen Politik gemacht wird; wenn die Meldung nicht aktuell ist (z.B. jemand ist gestorben, erst Tage später bekannt: "Wie heute bekannt wurde, ...". Wieso nicht aktuell? Woran ist er/sie gestorben?); berufliche Fairness (wenn ich es nicht selbst gemacht habe, schreiben, woher ich es habe!)

<Exkurs>Bitte keinen Zahlenfetischismus! ("z.B. in Bangladesh sind 1374 Menschen umgekommen") Achtung bei prominenten Toten! (z.B. eine Agentur meldet Tod Jelzins. Andere schweigen. Vorgangsweise: "XXX meldet: Jelzin tot". Absicherung, aber auch Anerkennung für die Agentur (wenn's stimmt 8-))</Exkurs>

Daten überprüfen

Name, Titel, Alter, Jahreszahlen usw. Es kann oft nützlich sein, eineN ExpertIn zu haben, der/die sich mit einem Fachgebiet sehr gut auskennt und Angaben liefern kann.

Wesentlicher Kodex des Journalismus: Nenne nie deine Quelle. Quelle muß sicher sein, daß sie anonym bleiben kann. Auch gegenüber der Polizei muß die Quelle nicht genannt werden.

"Off records" muß "off records" bleiben (Schüssels "richtige Sau"-Affäre 8-)). Muß die Persönlichkeit OR deklarieren? Wie weit kann die Journalistin gehen?

Ämter und Behörden weisen gerne auf ihre Verschwiegenheitspflicht hin: JournalistIn kann auf die Auskunftspflicht hinweisen. Wenn das nicht hilft, die politisch verantwortliche Person fragen, sie kann sich nicht mehr darauf ausreden. Lästig, aber höflich sein.

Tonband mitlaufen lassen und fragen, ob der/die InterviewpartnerIn das erlaubt; wenn es nicht erlaubt wird, nicht verwenden und allgemein bleiben.

Radio

Das Medium ist sehr schnell; es wird flüchtig konsumiert (z.B. "Der Minister ist ein Lügner" - sagte Jörg Haider: die erste Behauptung könnte als redaktionelle Nachricht hängenbleiben.)

Wichtige Frage: muß ich eine Stellungnahme einholen? Bei einer politischen Aussage in der Regel nicht; in inhaltlichen Fragen zumindest versuchen.

Abfassen der Meldung

Es gibt immer weniger klassische Nachrichtenmedien, weil in Europa (im Gegensatz zum angelsächsischen Journalismus) die Nachrichten nicht so stark (z.B. optisch) vom Kommentar getrennt werden. Ein Teil des Publikums will das nicht, er will die Nachrichten bekommen und selbst darüber nachdenken.

Der Lead-Satz

(Vorspann, Einstieg)

Nicht so viel wie möglich in den Lead hineinbringen, sondern einen Gedanken. Was nicht unbedingt nötig ist (z.B. Ort), kann später kommen.

Lead sollte dem Publikum Appetit auf die ganze Meldung/Nachricht machen.

Wesentliche Elemente der Nachrichtensprache:

Der Kontext sollte beachtet werden; nach einer Todesmeldung ist eine Boulevardmeldung nicht optimal. Es sollte von einer Person auch nicht nur lächelnde Fotos geben.

Wenn es kein anderes Mittel gibt, eine kriminelle Tat aufzudecken, ist es vertretbar, selbst mit "halbkriminellen" Mitteln (Tonband, versteckte Kamera) vorzugehen.

Bilder

Es kann passieren, daß Leute wegen der Verwendung ihres Fotos klagen. Am besten die betreffende Person fragen.

Grundsätze

Aufgabe bis zum 17. Dezember: Aus der ausgeteilten APA-Meldung eine Nachricht verfassen.


1997-12-17

Probleme bei der ersten Übungsaufgabe:

Besser

Sich an der gesprochenen Sprache orientieren, erklären. Das führt automatisch zu kürzeren Sätzen. Verb nach vorne. Keine Anführungszeichen, keine Klammern, weil sie nicht gesprochen werden können. Wenig Zahlen, nur gerundete oder globale. Keine Absolutheiten (alle, niemand...).

Die Nachricht im Radio

Die Radionachrichten sind für die meisten Menschen die wichtigste Informationsquelle, durchschnittlich 50 % der ÖsterreicherInnen hört mindestens einmal am Tag Radionachrichten.

Der Glaubwürdigkeitsgrad ist sehr hoch.

Komplizierte Vorgänge müssen einfach ausgedrückt werden.

Große Probleme:

  1. Es ist notwendig, sich auf allen Gebieten gut auszukennen. Probleme: Übertreibungen der Agenturen, junge RedakteurInnen können sich unter einigen Namen nichts vorstellen.
  2. Die Arbeit erntet nicht die zustehende Anerkennung.
  3. Es gibt keine festen Grundsätze, die Regeln der Nachrichtenfaktoren sind manchmal passend, manchmal nicht.

Mensch sollte sich auf einfache Formulierungen zurückziehen ("sagte" anstelle von "betonte"), auch wenn das fad klingt. (Die Nachrichten sollten trotzdem nicht langweilig sein.)

NachrichtenredakteurIn darf nicht zwischen den Zeilen reden.

  1. Gesprochene Sprache legt die Betonung auf das aktive Zeitwort.
  2. Die gute Nachrichtensprache ist bemüht, nicht nur von InsiderInnen verstanden zu werden.
  3. Nur einen Gedanken in einen Satz bringen.
  4. Auf Uninteressantes verzichten.
  5. Lebendige Sprache, keine Papier- und Kanzleisprache.
  6. Überraschungen vermeiden. Der Leadsatz sollte das wichtigste sagen.

1998-01-21

Regionalradiolizenzen

Es kann nicht wieder passieren, daß die Entscheidungen der Lizenzbehörde wieder beeinsprucht werden, da das Parlament keine Einspruchsmöglichkeiten offengelassen hat.

Es kann nur gegen das ganze Gesetz vorgegangen werden, Jazz Radio tut das auch: Klage basiert auf den zulässigen Prozentsätzen.

Größtes Problem derzeit: die wichtigsten Privatradios (MediaPrint-basiert) haben sich mit Ö3 zu einem Werbekartell zusammengeschlossen.

Inhalt dieser Vereinbarung: Werbetreibende können für 25 % zusätzlich auch in allen beteiligten Privatradios werben. Der ORF garantiert (!) den anderen gewisse Millionenbeträge.

Da es in Österreich kein vernünftiges Kartellgesetz gibt, kann diese Übereinkunft nur schwer bekämpft werden.

Die Zeitungen, die allein schwach sind, und an den Radios beteiligt sind, versuchen, das Risiko zu minimieren.

Die neuen Radios versuchen, sich zusammenzuschließen, um die Reichweiten zu ermitteln (Kostenersparnis). (Besonders wichtig wegen der Werbung!) Es schaut so aus, daß dies auch mit dem ORF zusammen geschehen könnte.

Beim Programm werden keine Risiken eingegangen, die Musik muß nach Möglichkeit allen potentiellen HörerInnen gefallen (Schwerpunkte: bis 30 <=> 25-45).

Information und Service: Hier könnten sich lokale Sender stark profilieren. Im Wiener Raum werden 5-6 Sender mit lokalen Informationen und der selben Musik ausgestrahlt werden. Ö3 hat schon reagiert; ist fast "privater" als die Privaten.

Marketing: Die hinter dem jeweiligen Radio stehenden Zeitungen werden massiv ihre Schöpfungen bewerben (inkl. Gewinnspiele -- für HörerInnenbindung).

Privatfernsehen

Die ÖVP ist für Ballungsraumfernsehen, weil sie sich mehr den Bundesländerzeitungen verbunden fühlt. Die SPÖ möchte einen nationalen Sender, trotz aller ideologischen Traditionen und Bedenken wegen deutschen Kapitals.

Die deutschen Fernsehsender haben schon "Brückenköpfe" in Österreich: z.B. RTL die Krone, SAT1 den Kurier. Es ist kein Zufall, daß diese Zeitungen nicht das selbe über die Sender und ihre Konkurrenten schreiben.

Hauptkritikpunkte der Zeitungen am ORF: Product Placement ("Zur Sache"); verstärkte Eigen- und Programmwerbung des ORF (Hauptkonkurrent wirbt massivst in Zeitungen: ORF-Programm); Merchandising (Rex-Puppe; Zeitung "Universum"; CD-ROMs); Schleichwerbung (bereits Unterlassungsklage); Ö3-Veranstaltungen; Internet-Auftritt; digitale Spartensender.

Hauptvorwurf: Der ORF ist zu einem großen Teil gebührenfinanziert, wie kommt er dazu, daß er aus Gebühren Internet spielt?

Die Zeitungen fürchten um ihre Kleinanzeigen, weil das im Internet viel besser geht.

ORF-Gesetzgebung

Die Gesetzgebung versucht, verschiedene Gesetze miteinander zu verknüpfen: fertig ausgehandelte Gesetze müssen auf andere warten.

Gesellschaftsform

Es wird versucht, dem ORF eine wirtschaftliche Gesellschaftsform zu geben, damit er gleichberechtigt auf dem Markt mitkämpfen kann.

Probleme mit der AG-Version: Wenn Aktien ausgegeben werden, wäre das eine Art Verstaatlichung: der ORF hätte nicht nur politisch beeinflußten Aufsichtsrat, sondern EigentümerInnen.

Bis März könnte noch eine Änderung kommen; Zeiler hat gesagt, ohne AG kandidiert er nicht wieder.

Presseförderung

Klima hat nach Antritt des Bundeskanzleramtes gesagt, er wolle die Presseförderung reformieren.

Reformbedarf ist gegeben, derzeit bekommen gerade die ertragsreichsten Zeitungen am meisten. Weiteres Problem: derzeit keine Kriterien für die Presseförderung. Die Presseförderung verzerrt den Markt.

Forderung: unabhängige Medienbehörde

(nach dem deutschen Beispiel der Landesmedienanstalten)

Die Regionalradiobehörde setzt sich nach Vorschlägen der Parteien, Landesregierungen usw. zusammen, sehr wenige Mitglieder sind unabhängig.

Die Politik hofft, sich die Sympathie der KronenZeitung durch Ermöglichung eines Krone-nahen Senders sichern oder gewinnen zu können.

Prüfung

am 28. 1. von 14:00-15:00, 6 Fragen, fünf zu beantworten, die sechste zum Differenzieren der Note. Die Fragen beziehen sich auf Zusammenhänge und weniger auf Fakten.


1998-01-28 Prüfungsfragen

1. Welchen Stellenwert haben Nachrichten in den einzelnen Medien (Print, Radio +, TV, Boulevard, Qualitätsmedien, öffentlich-rechtlich, kommerziell), sowie auf die Gestaltung des Gesamtproduktes/Programm, und welche Entwicklung bei den Nachrichten ist in naher Zukunft für den Konsumenten absehbar.

2. Sie bewerben siech um eine Lizenz für ein kommerzielles Radio in Eisenstadt für das Burgenland. Mit welchen Programmschwerpunkten hoffen Sie, die Lizenz zu bekommen. Welche Besonderheiten müssen Sie besonders im Burgenland berücksichtigen?

3. Sie bewerben sich um die Position eines ORF-Korrespondenten in Moskau. Welche Voraussetzungen sollten Sie dafür mitbringen? Welche Schwierigkeiten könnten Sie dabei erwarten?

4. ORF-Generalintendant Gerhard Zeiler hat die Bestellungsmodalitäten für seine Position als reformbedürftig erklärt. Was will er? Und wie wurde bisher der ORF-GI gewählt?

5. Gibt es Versäumnisse der österreichischen Medienpolitik? Wenn ja, welche?

6. Zeichnen Sie ein Bild der Medienentwicklung in Österreich und in Europa bis Anfang des nächsten Jahrtausends. Wohin gehen die Trends?


© Balázs Bárány. Nicht autorisiert. Für Nutzungsbedingungen siehe http://www.tud.at/uni/kleingedrucktes.htm.
zuletzt geändert (JMT): 1999-10-01