Petra Herczeg:

609287 - Grundprobleme d. journ. Vermittlung: Elektronische Medien, iG-4.2, UE

1997-03-19 Einführung, Überblick

1997-04-09

1997-04-16 Vortrag eines ORF-Redakteurs

1997-04-30 Referate

1997-05-07

1997-05-21

1997-05-28

1997-06-04 Referate

1997-06-11 Gestaltung von Beiträgen in elektronischen Medien; 4. Übungsaufgabe

1997-06-18

1997-06-25


1997-03-19 Einführung, Überblick

Frau Prof. Herczeg ist im ORF im Bereich Minderheitenradio/Fernsehen beschäftigt.

4 Übungsarbeiten im Laufe des Semesters, Referat (Gruppenarbeit möglich), Proseminararbeit (Gruppe 20-30 Seiten) am Ende des Semesters

Ein Thema wählen, das eineN einen Semester lang beschäftigen kann.

Sprechstunde: 15:00-17:00 am Donnerstag (manchmal jedoch nicht)

Vermutlich kommt am 16. April ein Gast aus dem Bereich der elektronischen Medien.

Themenvorschläge:

1. Übungsarbeit (bis 9. 4. abgeben):

Fernsehen im Leben dreier Generationen: Erfahrungen, Befragung, Beobachtung, Vergleich zwischen den Generationen (Fernsehen als Alternative zu anderen Tätigkeiten, usw.) (3-4 Seiten)

Übungsarbeiten brauchen kein Deckblatt und Inhaltsverzeichnis, sie sollten als "X. Übungsarbeit" beschriftet sein, können eigenen Titel enthalten.


1997-04-09

mögliche Referatstermine: 30. 4., 21. 5., 28. 5., 4. 6., 18. 6., 25. 6.

Fernsehjournlismus ist die aufwendigste Form von Journalismus: Information muß den ZuschauerInnen gefallen, von ihnen verstanden werden und interpretierbar sein. Die Länge der Beiträge ist streng limitiert, weil die grundsätzlichen Vorgaben der Sendung eingehalten werden müssen.

Für eine wissenschaftliche Arbeit ist genauso wie für einen Fernsehbeitrag ein "roter Faden" notwendig.

Wenn mensch beim Radio anrufen kann, erzeugt das eine starke Bindung an den Sender.

Die neue Ö3 hat ein 90-seitiges Werk bekommen, in dem drinnen steht, wie sich der Sender positionieren soll usw. (ModeratorInnen stehen anstelle von Sitzen, usw.)

Filmvorführung: "100 Burgenländer": eine Serie vom ORF-Landesstudio Burgenland, in der "interessante" Personen vorgestellt wurden. Ziel: Bindung der ZuseherInnen an den Sender. Trailer bei solch ungewöhnlichen Sendungen/Sendereihen wichtig.

Fernsehportraits unterscheiden sich von tagesaktuellen Fernsehberichten, da hier eine Person ohne Zeitdruck usw. vorgestellt wird.

Text-Bild-Schere: Moderation weicht vom gezeigten Bild ab. Einer der größten möglichen Fehler im Fernsehjournalismus.


1997-04-16 Vortrag eines ORF-Redakteurs

Vortrag von Herbert Weibel (ZiB 2-Mitarbeiter)

Frage: Über Albanien und Zaire wurde viel berichtet, über die Volksbegehren nicht so viel.

Antwort: Der ORF ist als ganzes zu sehen. Es wurde abgesprochen, daß in der ZiB 1 vorher über die Volksbegehren berichtet wird, und die ZiB 2 bringt Konfrontationen. Während der Volksbegehren wäre es nicht sinnvoll gewesen, zu berichten.

Frage: Was hat Herr Weibel für eine Aufgabe?

Antwort: Er ist Redakteur, hauptsächlich Innenpolitik, ab und zu Außenpolitik, einmal im Monat Chef vom Dienst.

Frage: Gleicht sich der ORF dem Programm der Privaten an?

Antwort: Ja, das läßt sich feststellen. Dagegen kann der ORF jedoch im Alleingang kaum etwas machen. "Achtung Kultur" punktet mit "Privat"-Themen. Wetterbericht wurde stark gekürzt, da sehr viele Leute weg/ausschalten.

Frage: nach welchen Gesichtspunkten werden Nachrichten ausgewählt?

Antwort: Gut ist, wenn es Bilder gibt. Nur bei großer Aktualität ist Telefon-Einschaltung akzeptabel. Aus dem Meldungsblock sind schon Nachrichten herausgeflogen, weil keine Bilder verfügbar waren. Es wird auch darauf geachtet, was die anderen Medien bringen. Früher sah sich der Inlandsreport als Gegenpunkt zu manchen Blättern.

Frage: 3Sat-Ausstrahlung?

Antwort: Es gibt ein positives Echo darauf, ab und zu wird die Reihenfolge umgestellt, ZDF bekommt eine Liste von Themen vom ORF.

Frage: Zusammenarbeit mit Teletext?

Antwort: Kaum, Teletext bekommt eine Themenliste um ca. 18:00, ab und zu Bitte an Teletext, in den Nachrichten eine ZiB2-Konfrontation anzukündigen. Jede Redaktion wählt die Themen nach eigenen Gesichtspunkten. Teletext muß über alles berichten, ZiB2 geht davon aus, daß 50 % schon ZiB1 gesehen haben, und versucht in die Tiefe zu gehen.

Frage: Bekommen MitarbeiterInnen genaue Informationen, wenn sie an Außenstellen sind?

Antwort: Manchmal klappt etwas nicht, bzw. keine Rückmeldungsmöglichkeit von Außen-RedakteurInnen. Live ist überhaupt sehr schwierig.

Frage: Ein Tag im Leben des ORF-Redakteurs?

Antwort: Bei ZiB2 erste Redaktionssitzung 11:00 (Rohplanung, was die Themen sind), 1/3 der Sendung voll, Beiträge von der Kulturredaktion bereits bekannt, Studiogäste); dann Routinearbeit des Recherchierens, um 14:00 nocheinmal Redaktionssitzung (Was ist eine Geschichte, nachher drehen oder aus Archiv); bis ca. 18:00 ist der Beitrag da, Schnittplätze bis 20:00 von ZiB1 blockiert, nachher muß alles bis 22:00 geschnitten werden.

Frage: Quelle: Großteils von APA oder aus anderen Quellen?

Antwort: Innenpolitik von der APA, Bilder dann von den Landesstudios, für Außenmeldungen Reuters usw., die bereits Bilder haben und verkaufen.

Frage: Pauschalverträge oder Abrechnung pro Bild?

Antwort: Mit den meisten Agenturen hat der ORF Pauschalverträge, sehr aktuelle und interessante Beiträge kosten manchmal extra (US$ 3.000). Diese müssen aber sehr gut sein, um genommen zu werden.

Frage: Drop-Outs im ORF?

Antwort: Schlechtes Material, Panasonic-M2-System, sonst nur in Albanien und einigen Privatsendern im englischen Sprachraum, schlechter als das verbreitete Sony-System, derzeit Warten auf neuen Standard. Wartung der Geräte ist manchmal schwierig. Videokassetten werden teilweise als Kaffeeunterlage verwendet.

Frage: Werden Fragen abgesprochen?

Antwort: Normalerweise nicht, aber z.B. Frau Prammer hat darauf bestanden, nicht gefragt zu werden, "Wird Ihr Mann das Frauenvolksbegehren unterschreiben?".

Frage: Differenzen zwischen Hochner und Oberhauser?

Antwort: Unterschiedlicher Interviewstil (Hochner: Florett, Oberhauser: Säbel). Oberhauser schwer zugänglich. An Haider beißen sich alle die Zähne aus.
Oberhausers Wechsel von Innenpolitik zu Sport sei kein Abstieg. Als JournalistIn sollte mensch alles können und machen. Herr Weibel hat auch für die Seitenblicke Interviews gemacht.

Frage: Wer redet bei Besetzungen mit?

Antwort: Redaktion redet mit, Entscheidung ChefInnensache. Bei LandesintendantInnen hat Landeshauptmensch auch ein Mitspracherecht.

Frage: Wieso werden alle Sportarten außer Tennis, Fußball und Formel-1 ignoriert? Wieso gibt mensch anderen Sportarten keine Chance?

Antwort: Meinungsumfragen.


  1. Übungsaufgabe: Reflexionen eines Fernsehjournalisten => Zusammenfassung, eigene Schlußfolgerungen, Abgabe am 30. 4.

1997-04-30

Referat: Sitcoms

Geschichte: Zielgruppenfernsehprogramm, das ein Wunschbild familiären Zusammenlebens zeigt, und alle Konflikte in 25 Minuten löst. Sitcoms waren schon in den Sechzigerjahren so, wie sie heute sind. Erste Zielgruppe: Hausfrauen. Ihnen wurde eine idealisierte Frau vorgestellt.

Wurzeln im europäischen Theater (z.B. Operette).

Schrecklich nette Familie: Anspielungen auf die Fünfzigerjahre.

Lacher gehören zur Dramaturgie, sie sollen das Publikum zum Lachen animieren.

Familie wird in allen Serien in gleicher Weise dargestellt. Sie ist schon ein Wert an sich.

Referat: Konstruktion von Wirklichkeit im Fernsehen

Nachrichten: Veröffentlichte Ereignisse.

Fernsehen vermittelt Authentizität und Realität.

Die Abhandlung von Themen kann nur ein Ausschnitt der möglichen Themen sein.

Manche Ereignisse sind so alltäglich, daß sie nicht auffallen => Nachrichten zeigen nicht die Wirklichkeit. "Massenmedien sind Instanzen der Selektion und Sinngebung."

Gatekeeper-Forschung: JournalistIn entscheidet über die Nachrichtenselektion, diejenigen Nachrichten, die von ihm/r als banal angesehen werden, werden ausgesondert.

Newsbias: Nachrichten werden subjektiv selektiert.

Nachrichtenwerttheorie: "Nachrichtenfaktoren" als Hilfe zur Selektion. Z.B. werden einfache Nachrichten komplexen vorgezogen.


1997-05-07

Referat "Fernsehen intern - journalistisches Selbstverständnis"

Journalistitsche Rollenselbstbilder

Verallgemeinerung schwierig, da persönliche Einstellungen große Rolle spielen.

Zustimmung überwiegt:

Zustimmung und Ablehnung:

Ablehnung überwiegt:

Viele JournalistInnen haben mehrere Rollenselbstbilder.

Referat: Talkshows

Infotainment: Zuerst in den USA, aufgrund der großen Konkurrenz mußten Kosten gespart werden. Nachrichten wurden so umgewandelt, daß Unterhaltungselemente enthalten waren.

Talkshow nur eine Ausprägung von Infotainment.

Wiederholungscharakter, GastgeberInnen zentrale Figuren. Ohne Publikum nur "Talkshow im weiteren Sinne". Ersatz für gesellige Kommunikation, Möglichkeit der Teilnahme.

ModeratorIn wird als RepräsentatorIn angesehen, muß die eigenen Interessen und die des Publikums sowie der Rundfunkanstalt beachten.

Gäste werden über Agenturen gebucht. Personen, die sich selbst engagieren, in die Sendung zu kommen, werden nur selten genommen.

Interessen der NormalbürgerInnen, in die Show zu kommen: Selbstdarstellung, "Beichtstuhl", aus der Masse herausstechen.

Publikum: Regulation der Reaktion, Stellvertretung für ZuschauerInnen. Erwartung, Unvorhergesehenes zu erleben.

Situation (Licht, Möbel) wird genau auf die Sendung abgestimmt.

Rolle des Gastes wird vor der Sendung festgelegt.

In den Sechzigerjahren wurde Polit-Talk eingeführt. Seitdem nimmt das Niveau ab, Tabuthemen werden gebracht.

Deutscher Talk ab 1953: "Internationaler Frühschoppen". Ab 1970 Prominententalkshows im öffentlichen Fernsehen. Ab Ende der Achtzigerjahre viele Shows im Privatfernsehen.

In Österreich lange Zeit Versuchen, Talkshows zu etablieren, aber erst ab 1995 Erfolg (Schiejok, Vera). Club2 war bekannt, Absetzung wegen Bürokratie und zuwenig Entscheidungskompetenz der Redaktion.

Zur Sache

Politische Talkshow, wochenaktuelle Themen, ExpertInnen als Gäste. Kopie der Sat1-Produktion Talk im Turm. Sitzordnung an den Einstellungen orientiert, KontrahentInnen einander gegenüber. Auf klassische Showelemente und Live-Publikum wird verzichtet.

Schiejok täglich

Vorlage: Hans Meiser (RTL). Meistens 5 Gäste (ExpertIn, 3-4 Betroffene). Freiraum zwischen ZuschauerInnen und Gästen, Tisch für Schiejok, er bleibt immer dort. Auflockerungselemente: Filme, Musik. RezipientInnen sehr alt, Durchschnittsalter über 65 Jahre. Keine Diskussion zwischen Gästen, nur mit Schiejok.

Talkshows sehr billig, guteR ModeratorIn nötig. Sehr von der Quote abhängig, bei Mißerfolg schnell Absetzung.

Schiejok Kopie der amerikanischen Talkshows, gegen Hans Meiser programmiert. Marktanteil 40 %.

Zur Sache: Marktanteil von Gästen abhängig, Haider großer Publikumsmagnet.

Vera: Gegenstück zu Schreinemakers. Außergewöhnliche Leute oder Opfer von Tragödien. Auch junges Publikum.

Help-TV: "Service"-Sendung, Marktanteil über 50 %.

Willkommen Österreich: Alltagstips, Gesundheit, bis zu 70 % Marktanteil.

ORF-Problem: hohes Alter der Talkshow-RezipientInnen.

Quotendruck in Österreich und Deutschland sehr groß.


1997-05-21

Referat: Privatradio in Österreich

Regionalradiogesetz: in Europa schon seit den Achtzigerjahren Radioliberalisierung, in Österreich erst 1997. Erste Version des Gesetzes vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben, da zu wenig genau. Neubeschluß am 20. März 1997.

Bestehende Regionalradios (sie existieren, weil in ihrem Bundesland keine Klagen gegen das erste Gesetz eingebracht wurden):

Antenne Steiermark sowie Salzburg. Aufgrund des großen Erfolgs mußte Ö3 sich zweimal reformieren. Musik an 20-45-jährige gerichtet. Nachrichten zweimal in der Stunde, Nachrichtenmagazin, Radarwarnung, Veranstaltungskalender. HörerInnenbindung durch Wunschprogramme. Der Tag ist auf drei-Stunden-Blöcke aufgeteilt: Morgenshow, "Hausfrauen", Nachrichten, Show. 1996 wurde gleich ein Marktanteil von 33 % erreicht und Ö3 überholt. 1997 gewann Ö3 5 % wieder zurück.

Radio Melody: an etwas älterer ZuhörerInnenschaft orientiert. Inhalt: regionale Berichterstattung, halbstündliche Nachrichten, Gewinnspiele, Möglichkeit der Meinungsäußerung. Wenige special interest-Programme. Studiotechnik: alles digital von der Festplatte. Nicht so erfolgreich wie Antenne Steiermark.

Werbepolitik von Radio Melody: neben der klassischen Werbung auch "Sonderwerbeformen": Event promotion (Bericht und Interview), Themen-placement. Werbung wird ins Programm integriert.

Ab Mai können Anträge bei der Regionalradiobehörde gestellt werden, bis Anfang September werden 53 Lizenzen vergeben. In Wien drei Bewerber für zwei Lizenzen: KronenZeitung, News, Falter. In allen Bundesländern sind die stärksten lokalen Printmedien mit dem höchstmöglichen Anteil beteiligt. Kriterien: Kompetenz, Inhaltskonzept, Kapitaldeckung.

Finanzierung: Heftige Kritik von der Opposition, weil Regionalradios nicht gefördert werden. Lokalradios werden sich in Nischen behaupten können.

Freies Radio soll Möglichkeiten zur Mitgestaltung bieten.

Problem: Nachrichtensendungen: teuerstes Programm, in Deutschland gibt es bereits eine zentrale Redaktion für Regionalradionachrichten => Einförmigkeit.

Werbekuchen für Radios insgesamt ist insgesamt kleiner geworden, für Ö3 kein Problem, aber andere werden es schwer haben, zu überleben.

In Deutschland Berechnungen, wie viele ZuhörerInnen für ein rentables Radio nötig sind: In Österreich könnten dem zufolge nur vier Regional/Privatradios überleben.

Zukunft der Lokalradios: Besetzung von Marktnischen, BürgerInnenbeteiligung.

Kleinstlokalsender braucht ca. 6 Mio. öS pro Jahr, Privatsender ca. 60 Mio.

In Frankreich zahlen private Radiosender 3 % ihrer Werbeeinnahmen in einen Topf, aus dem freie Radios unterstützt werden.

Referat: Flucht in die Mediengewalt, Kinder und Mediengewalt

Nur wenige 8-13-jährige Kinder sind in der Lage, mit Fernsehangeboten richtig umzugehen. Familiäres Umfeld beeinflußt die Auswahl der Inhalte.

In actionorientierten Sendungen werden die Folgen der Gewalt ausgeblendet; "gute" Helden sind legitimiert, jede Art von Gewalt anzuwenden. ("Saubere Gewalt") Solche Helden werden von Buben oft imitiert. (Buben finden im Fernsehangebot viel mehr Identifikationsmöglichkeiten.) Mädchen greifen mehr auf äußere Merkmale ihrer bevorzugten HeldInnen zu.

Gewalt wird von Kindern dann als unpassend empfunden, wenn ein Bezug zur eigenen Realität vorhanden ist. Nachrichten sind bei Kindern deswegen unbeliebt, weil zu viel geredet wird.

Es ist für sie schwierig, Reality-TV und die Wirklichkeit zu unterscheiden.

Fernsehorientiertes Weltbild der 8-9-jährigen: Krieg, Katastrophen, Verbrechen.

Arten der Gewalt: Verbrechen (Täter sind vor allem Männer); Krieg (anonyme Mörder, Mädchen nehmen Opfer stärker wahr); Rassismus

Angst entsteht, wenn die Möglichkeit existiert, selbst betroffen zu sein.

3. Übungsarbeit

Abgabe: 4. Juni. Titel: "Drei Tage Fernsehen": Selbstbeobachtung, Kritik, Bewertung. Wirkung, Beurteilung der Sendung. Ca. 2 Seiten.


1997-05-28

entfallen


1997-06-04 Referate

Stellenwert des Fernsehens im Alltag

Wenn wir fernsehen, wird im Gehirn ein Bild aufgebaut und geordnet, indem bekannte dazupassende Bilder im Gehirn-"Archiv" gesucht werden.

Fernsehen im Alltag kann an der Generation bis 25 Jahre untersucht werden, da für diese das Fernsehen von Anfang an etwas Selbstverständliches war und nicht als Sensation dazugekommen ist.

ORF-Teletest: 1200 Testhaushalte. Marktanteil des ORF während der ZiB: 75 %.

"Massengeschmack": Fragebogen, 20 Männer und 20 Frauen befragt, in fünf verschiedene Altersgruppen eingeteilt. Am wenigsten sehen Leute zwischen 40 und 60 Jahren fern, Männer 25-40 eher später. Männer sagen, sie bevorzugten hauptsächlich Nachrichten und Kultur, Frauen eher Serien. Personen, die nur ORF haben, sind unzufriedener mit dem Programm als KabelbesitzerInnen (hmm). Leute, die zufriedener sind, können leichter auf das Fernsehen verzichten (!).

Familie und Fernseher: Früher Fernseher im Wohnzimmer, Familienunterhaltung. Heute mehr im Schlaf-, Kinderzimmer; Reaktion auf Sendervielfalt und Sehgewohnheiten.

Fernsehen ist "Einbahnstraße", es wird gesendet und es kommt kein Feedback. Versuche, dagegen etwas zu tun: ZuschauerInnentelefon, Live-Beiträge mit ZuschauerInnen.

Frauenklischees in der Fernsehwerbung

Sexuelle Impulse wurden schon in den Sechzigerjahren als verkaufsfördernd erkannt. Durch explizite Signale wird eine eindeutige Dekodierung ermöglicht; sexuelle Reize ziehen so viel Aufmerksamkeit auf sich, daß die kritische Überprüfung der anderen Produktmerkmale unwahrscheinlich wird. Solche Werbungsgestaltung wird von Frauen meistens abgelehnt.

Frau im Haushalt: "Unfähige" Männer im Haushalt "beweisen", daß die Hausarbeit Frauensache ist.

Frau als Lustobjekt in der Werbung: z.B. Computer - Frau auf dem Computer; Bier - Dekolleté.

Tabuthemen: z.B. Damenhygieneprodukte, WC-Artikel. Große Schwierigkeiten in der Werbekommunikation. In Werbung für WC-Artikel werden oft Comicfiguren verwendet.

OB-Werbung seit 1950:

Star Trek

Gene Roddendery erfand die Idee 1960: die Serie sollte ganz anders sein als die damaligen; an Westernserien orientiert. Mitfliegende Personen sind Mitglieder der Starfleet; Orientierung an der obersten Direktive. Idee anfangs abgelehnt, weil angeblich zu anspruchsvoll und kostspielig.

Erster Pilotfilm wurde als zu anspruchsvoll betrachtet, zweiter Pilot wurde gedreht.

Kirk: draufgängerisch, humorvoll, charmant, wie ein Kapitän eines Segelschiffes

Spock: emotionslos, einziger Überlebender des ersten Pilotfilms

Dr. McCoy: Freund des Captains, oft Streit mit Spock

Scott: bekam die Rolle, weil er mehrere Akzente sprechen konnte

Uhura: erste schwarze Frau als Offizier

Zuerst abgesetzt, da zuwenig Einschaltquoten aufgrund geringer Verbreitung und schlechter Sendezeit (Konkurrenz mit Spielfilmen). Nach der Einstellung wurde die Serie an lokale Sender verkauft, die bessere Sendeplätze und größere Verbreitung bieten konnten.

Merchandising wurde mit Star Trek erfunden.

Der Erfolg der Kinofilme führte zu Star Trek: The Next Generation.

Faktoren des Erfolgs: Untypisch für die damalige Zeit, Grundidee von der Koexistenz aller Rassen, hohes, aber glaubwürdiges Bild der technischen Entwicklung, sehr positives Zukunftsbild, weil die heutigen Probleme gelöst werden.

Die erfolgreichsten Folgen gingen von gängigen SF-Klischees weg und projizierten heutige Probleme in die Zukunft.

Bei 13-15jährigen Jugendlichen überwiegend gute Zustimmung, neue Serie gefällt mehr. In der alten Serie waren Kirk und Spock am beliebtesten, in TNG Data.


1997-06-11 Gestaltung von Beiträgen in elektronischen Medien

Begriffe

Abblende: "Weicher Schluß", Bild versinkt in Schwarz. Schwarz deutet auf das Ende hin; Weißblende signalisiert, daß noch etwas kommt.

abfahren: "Kamera läuft"

Ablauf: "Fahrplan" der Sendung. Wichtige Punkte der Sendung und ihre Dauer sowie Inserts usw. werden festgelegt.

Abspann: Ende der Sendung

Achsensprung: Bildgestaltungsfehler: Kontinuität der Bewegung wird unterbrochen.

anlegen: Der Ton wird im Laufe des Schneidens an die Bilder angepaßt

Assemble-Schnitt: Eine Einstellung wird unmittelbar an eine andere angefügt.

Atmo: Allgemeine "Tonatmosphäre", Umweltgeräusche

Bildmischung: verschiedene Bildquellen werden zu einer Gesamtproduktion zusammengemischt

Blue-Box-Verfahren: Die AkteurInnen stehen vor einer einfärbigen Wand, Hintergrundbild wird elektronisch eingeblendet.

Bobby: Film- oder Tonbandspule

Drop-out: kleine Bild- oder Tonstörung, kann am Magnetband oder an den Geräten liegen; die meisten Zuschauer denken, der Fehler wäre in ihrem Apparat.

Einspielung: In eine laufende Sendung wird über die Bildleitung ein externer Beitrag eingeblendet.

Einstellung: Einzelne, nicht unterbrochene Aufnahme/Bildfolge

Frame: Einzelbild bei magnetischer Aufzeichnung, in Europa 25 frames per second. Timecode ist in Stunden, Minuten, Sekunden und Frames aufgeteilt.

Insert: Bildunterschrift. Wichtig: Name und Funktion bei längerem Interview, wenn InterviewpartnerIn wichtig (FunktionsträgerIn, ProminenteR) ist.

Insert-Schnitt: In eine Bildfolge werden andere Bilder hineinkopiert, die vorhandenen Bilder werden ersetzt.

Kamerabewegungen:

On/Off: SprecherIn ist im Bild

O-Ton: Originalton; echter Ton, während der Dreharbeiten aufgenommen

Sequenz: Zusammenhängende Folge von mehreren Einstellungen

Slow-Motion: Herabsetzung der Bandgeschwindigkeit, bitte nur bewußt einsetzen!

Storyboard: "Drehbuch" in Bildern, allen FernsehjournalistInnen empfohlen: Skizzen der gewünschten Bildinhalte.

Subjektive Kamera: Kamera nimmt den Standpunkt der handelnden Person auf und gibt die Handlung aus diesem Blickwinkel wieder

Totale: Gesamtansicht einer Einstellung. Gut für die (Raum-)Orientierung der ZuschauerInnen.

Weißabgleich: Die Kamera wird auf ein Objekt eingestellt, das als weiß definiert ist (z.B. Papier).

Zoom sollte nicht eingesetzt werden, weil es als unnatürlich empfunden wird.


4. Übungsaufgabe: Storyboard für eine 3-Minuten-Geschichte erstellen, Thema beliebig aus dem Bereich der Universität und Studierende (Ausgangshypothese, Situation usw.) Überlegen, wie lang die Einstellung sein soll. Titel überlegen. Ziel der Geschichte, eigene Absicht. Abgabe: 25. 6.
1997-06-18

Referat: Privatfernsehen

Wien1: ca. 12-16.000 ZuschauerInnen sehen das ca. dreistündige und später wiederholte Programm täglich. Auch alle anderen Regionalsender bringen nur einige Stunden Programm wöchentlich zusammen. Sie präsentieren sich meistens "total lokal".

Information Superhighway

Das Internet ist ein weltumspannendes Netz von Computern. Zur Benutzung sind vor allem Englischkenntnisse nötig.

Das Referat im WWW


1997-06-25 Referate

Zukunft des Radios

Radio seit den Zwanzigerjahren Massenmedium, in den Fünfzigern Höhepunkt, seitdem wegen des Fernsehens (zunehmende Visualisierung) rückläufig.

Das Radio hat noch nicht geschafft, das Publikum über seine eigenen Inhalte zu informieren.

Filmanalyse

Es wird versucht, den Film mit wissenschaftlich und rationalen Mitteln in seiner Gesamtheit zu erfassen (im Gegensatz zur subjektiven und wertenden Filmkritik).

Der Film wird dann verstanden, wenn der gemeinsame Zeichenvorrat von Filmteam und Publikum groß ist.

Semiotik = Allgemeine Theorie der Zeichen.

Filmwirkungsforschung: Jeder Film ruft Erwartungshaltung hervor. Beim ersten Ansehen können die subjektiven Eindrücke, beim zweiten die objektiven Sachverhalte erfragt werden.

Filmprotokoll: Jede Einstellung wird analysiert (Dialoge, Kameraführung, Musik,...).

Story: Geschichte, die erzählt wird. Plot: kausale Zusammenhänge in der Handlung.

Kriegsberichterstattung im Fernsehen

Zensur ist im Krieg Normalfall, auch in den USA im Golfkrieg. Gründe: Keine Information für den Gegner, keine Kritik an der eigenen Regierung. Ausnahme: Vietnam. Anfangs waren die Medien von sich aus loyal (wie sie eigentlich grundsätzlich sind). Nach Grenada durfte dann keinE einzigeR JournalistIn. Die Öffentlichkeit fühlte sich trotzdem gut informiert.

Die US-Zensurbestimmungen wurden nach dem Panamakrieg von der US-Regierung und den Medien gemeinsam ausgearbeitet. Sie kamen im Golfkrieg zur Anwendung. Es gab einen Pool von akkreditierten JournalistInnen, andere durften sich nicht der Frontlinie nähern, andernfalls wurden sie ausgewiesen. Vom Militär wurde Bildmaterial zur Verfügung gestellt (z.B. Bordkameras von Smart-Bombs).

Die Medien haben großteils über Kriegsmaterial und Maschinen und nur sehr wenig über Opfer und Soldaten berichtet. Die Intention war "sauberer Krieg".

Reality-TV: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Reality-TV: Im engeren Sinn: Privatleute filmen zufällig ein interessantes Ereignis. Im weiteren Sinn: Nachgestellte Szenen, formale Gestaltungsmittel.

Personalisierung => Identifikation.

Dramatisierung => Gewalt (beabsichtigt, unbeabsichtigt, strukturell bedingt)

Komplexität der Realität wird reduziert, um die Emotionen zu steuern.

Notruf (RTL): beliebteste Sendung. Oft werden Beiträge aus den USA eingekauft.

Ereignisse, die dargestellt werden, sind ein kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit (Katastrophen, Verbrechen usw.). Neben der Reduktion findet auch eine Inszenierung statt. Das Ereignis muß optisch darstellbar und realisierbar sein. Trotzdem wird die Authentizität ständig betont.


© Balázs Bárány. Quelle: Vorlesung von Petra Herczeg, nicht autorisiert
zuletzt geändert (JMT):1999-10-01