609 028 Fritz Hausjell: Grundprobleme d. journ. Vermittlung: Elektronische Medien, iG-4.2, UE

1999-03-08 Einführung

1999-03-22

1999-04-19

1999-04-26

1999-05-03

1999-05-10

1999-05-17

1999-05-31

1999-06-07 Diskussion: Migration/multikulturelles Programm

1999-06-21


1999-03-08

Inhaltliche Ziele

Ablauf der Lehrveranstaltung


1999-03-22

Themen

01 Relevanz von Organisation und Struktur des ORF für das journalistische Handeln

02 Die Relevanz von Struktur und Organisation einer größeren privaten TV- oder Radioanstalt für das journalistische Handeln

03 Rundfunkpolitik historisch: das journalistische Handeln im Spannungsfeld der Bemühungen der politischen Parteien und Interessensverbände um Einfluß auf den ORF in den letzten 30 Jahren

04 Rundfunkpolitik heute: Die Positionen der politischen Parteien zu Privatradio, Privat-TV und nichtkommerziellen freien Radios. Eine Debatte mit fiktiven PolitikerInnen am "eckigen Tisch"

05 Objektivität und Ausgewogenheit als rechtlich verankerte journalistische Werte und Anforderungen an den ORF-Journalismus (Grundsätze versus Praxis sowie Vergleich zu entsprechenden bzw. fehlenden Leitwerten bei Privatsendern)

06 Innere Medienfreiheit: Bedeutung des ORF-Redakteursstatus für die journalistische Arbeit (im Vergleich zu kommerziellen Rundfunkanbietern). Innere Medienfreiheit: Redaktionsstatut; für die Redaktion anerkannte Regeln für die Arbeit als Reaktion auf den äußeren kommerziellen Druck

07 TV-Nachrichtensendungen öffentlich-rechtlicher Sender im Vergleich mit jenen privater Programmanbieter: Umfang, journalistische Philosophie, Themenprioritäten und Präsentation/Gestaltung; Quellen (Nachrichtenagenturen, Eigenrecherche)

08a "Infotainment" - pro und contra. Ein Streitgespräch

08b "Infotainment". Wer bringt und wer will unterhaltsame Nachrichten im TV?

09 Veränderungen der Radionachrichten seit 1945: Umfang, Häufigkeit, Stile, neuerdings Trend zum O-Ton (und sein Auswirkungen auf Verständlichkeit, Vermittlung von Zusammenhängen und Themenvielfalt)

(möglich: Nachrichtenmagazine)

10 TV als Unterhaltungsmedium: Vergleich von öffentlich-rechtlichen und privaten Anstalten. Entwicklungen, Ansprüche, Programmangebote, Schwerpunkte und Defizite

11 Die heimlichen Botschaften der TV-Unterhaltung (z.B. Verhaltensregeln, politische Botschaften in Sendungen, die "nur" unterhalten wollen)

12 Talkshows - demokratisches Forum oder Exhibitionismus? Journalistische Philosophie, Themen, Gästebehandlung und -verschleiß etc. Eventuell: eine Talkshow über Talkshows im Hörsaal 1

13 HörerInnenbeteiligung im Radio (z.B. "Talk Radio", Ö3-"Freizeichen", Ö1-"Wissen auf Abruf" usw.): Demokratisierung und/oder kostengünstige Sendungen?

14 Bildungsauftrag und Kulturangebot des öffentlich-rechtlichen TV versus vergleichbare Angebote im Privat-TV. Ansprüche, Programmangebote und -defizite.

15 Bildung und Kultur im Hörfunk. Ein Vergleich zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern

16 Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus als Herausforderungen an den modernen Radio- und Fernsehjournalismus (evt. auch Migration und Medien, multikulturelles Radio/Fernsehen)

17 Sport und TV: Die Probleme eines zunehmend engeren Verhältnisses (Steigende Kosten für Übertragungsrechte, Beschränkung auf Spitzensport, Parteilichkeit der Berichterstattung, Chauvinismus, Faszination des Scheiterns u.a.)

4 Wünsche werden bekanntgegeben: Nachname und in Klammer die Priorität des Themas (1 bis 4)

Übungsarbeiten

1 - Fernsehen im Leben dreier Generationen - bis 12. April

Es kann einen sehr unterschiedlichen Zugang der Generationen (z.B. wir <=> Eltern <=> Großeltern) zum Fernsehen geben. Die Arbeit sollte möglichst im familiären Kontext passieren.

Bedeutung des Fernsehens für meine Generation, usw. Für ältere Generationen: heute - früher

Es geht nicht darum, daß Leute theoretisieren. Es sollte ein natürliches Gespräch sein.

z.B. Was hat am Fernsehen fasziniert (Gerät, Programm usw.)? Ausmaß der Nutzung? Vergleich mit anderen Medien? Image (damals <=> heute)? Fernsehen gehaßt und/oder geliebt? Wo steht (überall) ein Fernsehgerät? Wie ist es inszeniert, oder kann es weggeräumt werden?

Umfang: vollständig. Unter 5 Seiten wird es sich nicht ausgehen. Entweder der Inhalt der drei Gespräche (auch Fragen und die Formulierungen aus den Antworten) oder themenzentriert.

Soziodemografische Daten der GesprächspartnerInnen: Alter, Geschlecht, Beruf, Position, Wohnort heute und früher ("Großstadt"), Ausbildung, Familienverhältnisse

2 - "Medienmusik" - bis 26. April

Suchen Sie ein Musikstück (in Textform!) aus der Populärkultur aus, das sich zentral mit einem elektronischen Medium beschäftigt. Dieses Stück bitte auf Kassette oder CD (wir bekommen es zurück) und als Text (z.B. Internet). Mit ein paar Sätzen den Text auf kommunikationswissenschaftlicher Ebene interpretieren.


1999-04-19 Vorbesprechung für Referate, Themenverteilung


1999-04-26 Referate


1999-05-03 Referate

Organisation des ORF

Organe

Das Kuratorium ist nicht unpolitisch zusammengesetzt; politische Gruppierungen versuchen, Einfluß auszuüben. Bisher 18 Mitglieder SP/liberal/grün, 17 schwarz/blau; nach den Regionalwahlen in Kärnten hat sich das geändert, jetzt steht es 17/18.

Öffentlich-rechtlicher Auftrag:

ORF versucht, Qualität und Quote zu erreichen. Er kann sich nicht auf öffentlich-rechtliche Aufgaben beschränken. Betont das Nationale, auch um sich von den kommerziellen deutschen Anbietern abzuheben.

ORF als Multimedia-Unternehmen: digitale Verbreitung; ORF soll unternehmerischer ausgerichtet werden.

Schwerpunkte für die Programmarbeit:

Interne Entscheidungsprozesse

Privatradio: "88,6 - Der Musiksender"

Bei Privatradios ist der Handlungsrahmen der JournalistInnen und ModeratorInnen ziemlich eingeschränkt. Bei 88,6 steht sowieso die Musik im Vordergrund.

Radiotest: 15-16 % Reichweite, 25 % Marktanteil. 70 % Marktanteil in der Gruppe der Privatradios.

Redaktionsstatut:

1. Grundsätze: Alle MitarbeiterInnen bekennen sich zu Österreich, sind unabhängig

2. Geltungsbereich: Alle Mitglieder der Redaktion

3. Gesinnungsschutz

4. Gestaltungsfreiheit

5. Redaktionsgeheimnis

6. RedakteurInsprecherIn, Redaktionsausschuß ab 12 MitarbeiterInnen

7. Informationspflicht z.B. bei Eigentümerstruktur-Änderungen

8. Ziel: partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen BroadcasterInnen und Geschäftsführung


1999-05-10


1999-05-17


1999-05-31

3. Übungsaufgabe: Entwickeln Sie für das Radio oder fürs Fernsehen (fiktiver oder existierender Sender) eine Sendung, Serie oder Sendereihe für MigrantInnen oder fürs gesamte Publikum über "Themen" oder "Bedürfnisse von MigrantInnen". Größenordnung: 2-4 Seiten.

Abgabe: 14. Juni.

Kreativität ist gefragt. Konzept sollte enthalten: Titel; Sender(typ); Zielgruppe; Sendeplatz/Periodizität; Ablauf der Sendung: Inhalte, Gestaltungselemente, Genres.


1999-06-07 Diskussion: Migration/multikulturelles Programm

"Multicultural television is not only about black people."


1999-06-21

Referat: Sportberichterstattung im ORF

ORF muß mit spezialisierten Sendern um das Interesse der ZuschauerInnen konkurrieren.

In Österreich am wichtigsten: Fußball, Formel 1, alpiner Schisport

15 Kameras bei Fußball-Länderspielen

Grand Prix vom Monaco ist eines der meistgesehenen Sportereignisse der Welt

Übertragungsrechte

Die Klubs besitzen die Rechte an der Übertragung. Die Namen der Sponsoren sind Teil des Klubnamen, die Namen stehen in jeder Tabelle usw. (im Gegensatz zu Deutschland).

ORF kauft die Rechte an den publikumswirksamsten Spielen.

Im ORF gibt es eine eigene Rechtsabteilung für Sportrechte

(Mangelnde) Objektivität

Faszination des Scheiterns

Persönliche Bindung der Fans mit dem Star, im ORF z.B. durch Übertragung der Kommentare von Verwandten gefördert.

Referat: Sportberichterstattung über Frauen (Chauvinismus)

Sportrealität - Medienrealität

Sport ist Show, er unterliegt bestimmten Regeln.

Mediensport kann die Realität gar nicht abbilden, weil so viel ausgelassen wird.

Die Massenmedien verändern das, worüber sie berichten.

ZuschauerInnen erleben alles "live" mit, aber aus der Sicht des Reporters.

Fernsehen hinkt der gesellschaftlichen Realität 20 Jahre hinterher.

Frauensport im Fernsehen

Über Frauen wird viel weniger berichtet.

Männerfußball ist Nr. 1 in der Berichterstattung, Frauenfußball kommt gar nicht vor.

Rollenklischees werden verstärkt, z.B. werden Frauen emotionaler dargestellt oder auf ihr Aussehen eingegangen.

"Männlichen" Eigenschaften wie Ehrgeiz dürfen bei Frauen nicht sehr stark sein, sie werden sonst als verbissen dargestellt.

Darstellung erfolgreicher Sportlerinnen werden durch Berichte übers Privatleben, Darstellung als Mutter usw. zu "normalen" Frauen gemacht. Mißerfolge werden auf private Probleme zurückgeführt. Frauen werden öfter mit Vornamen angeredet und als "Mädchen" bezeichnet.

Bei Tennisspielerinnen werden Trainer und Eltern in den Vordergrund gerückt.

Trivialisierung der Bemühungen: Je "männlicher" der Sport, desto schwerer, in den Medien präsent zu sein.

Finanzielle Benachteiligung: Frauen verdienen, auch wenn sie erfolgreicher sind, weniger als Männer.

Gründe für den Chauvinismus:

Bildungsauftrag und Kultur

Rundfunkgesetz: ... kulturellen ... Fragen ... Volks- und Jugendbildung... Kunst und Wissenschaft ... hohes Niveau...

Publikum will Kultur und Bildung getrennt in Spartenkanälen.


© Balázs Bárány. Quelle: Proseminar von Fritz Hausjell, nicht autorisiert
zuletzt geändert (JMT):1999-10-01