BAUER Thomas A.: 609370 - Medien- u. kommunikationswissenschaftliche VO: Elektronische Medien,

iG-4.1, VO/UE

1996-10-10 Einführung, Überblick

1996-10-17 Projekt Uni-TV

1996-10-24 Wissenschaftstheoretische Grundlagen

1996-10-31 Einteilung in Projektgruppen

1996-11-07 Endgültige Einteilung der Projektgruppen, Literaturhinweise

1996-11-14 Vorstellung einiger Gruppen

1996-11-21 Vorstellung weiterer Gruppen

1996-11-28 Vortrag über Selbstdarstellungsstrategien von Politikern im Fernsehen vor den Wahlen

1996-12-05 Vorstellung weiterer Gruppen

1996-12-12

1997-01-16 Medienpolitik unter Zugzwang

1997-01-23 Medienpolitik unter Zugzwang


1996-10-10 Einführung, Überblick

empirische Wissenschaft: Analyse, Strukturieren der Erkenntnisse

normative Wissenschaft: Wertigkeiten in der Realität finden; wo das nicht möglich ist, selbst welche schaffen

kritische Wissenschaft: formuliert Kriterien, um Beschriebenes zu bewerten.

Kommunikation: dissipativer Vorgang (auseinanderlaufend, zerfallend). Wenn wir etwas beschreiben, kann das auch genau umgekehrt sein!

KW ist dann stimmig, wenn sie auch die Metakommunikaton zum Thema macht.

Medien: Hardware + Organisation

Im Laufe des Semesters ein Thema suchen, das mich beschäftigt. Eine Arbeit wird im Laufe des Semesters angefertigt (ca. 10 Seiten, wenn allein gearbeitet wird, max. 3 Leute in einer Gruppe).

Am 21. 10. Um 17:30 AudiMax Institutsvorstellung


1996-10-17 Projekt Uni-TV

Monitore am Institut, Zeiten z.B. dort angeschrieben. Homepage gibt es auch.

Jeweils Dienstag 18:30 am Institut im Seminarraum (manchmal bis 22:00)

Mai 1995 - erste öffentliche Präsentation

Streikberichterstattung - Höhepunkt

Ziel: einen offenen nichtkommerziellen Kanal als Alternative zum ORF anzubieten.

Frage: Welchen Sinn hat es, Fernsehen zu spielen? Kann dies über das Spielen hinausgehend funktionieren?

Geplant: redaktionelle und "experimentelle" Schiene.

Ideen:

Organisation, VermittlungInhalte
Zuseher bestimmt ZeitJugend
Jonas-ReindlService, Erstsemestrigeneinführung
Projektion statt MonitorWissenschaft: Dissertationen vorstellen
Senden bei EventsPortraits von Assistenten, Professoren
Kopfhörer in der Bibliothek
Programm im ORF-Teletext? und im WWW
PR


1996-10-24 Wissenschaftstheoretische Grundlagen
Wissenschaft ist der Weg, sich Wissen zu schaffen. Grundelement sind die Diskussion und die Kommunikation. Fragen sind fast wichtiger als Antworten. Der Wissen schaffende Diskurs sollte frei sein von Hierarchien und von Angst. Wissenschaft darf sich aus der gesellschaftlichen Diskussion nicht ausklammern. Wissenschaft sollte populär und verständlich sein.

Wissenschaft ist heute organisiert, formalisiert und strukturiert. Die Wissenschaft muß Regeln einhalten: Es muß mit festen Begriffen, Definitionen gearbeitet werden. Wissenschaft versucht, die unorganisierte Wirklichkeit in eine Struktur, in ein System zu bringen.

Sprechen vollzieht sich in sozialen Einheiten, diese Einheiten sind sozial organisiert. Jedes System hat Kommunikationsregeln, Gebote und Verbote. Dazu ist ein "bürokratisches" System nötig.

Eine Kommunikationswissenschaft muß lebensweltorientiert sein. Sie ist es dann, wenn sie versucht, die Zusammenhänge der Lebenswelt aufzunehmen und diese in ein System zu bringen.

Wissenschaft ist der Weg der Verallgemeinerung. Verallgemeinerung dient dazu, den Einzelfall zu erklären, Variablen auszuschalten, allgemein verständlich zu machen oder gleichzuschalten. Sie ist ein Instrument im Sinne eines technizistischen Erkenntnisinteresses. Was umständlich und komplex ist, wird ausgeschaltet, um den Einzelfall zur Regel zu erklären.

Wissenschaft versucht, etwas zu verbessern. Verbesserungen und Verallgemeinerung dienen dazu, die Wissenschaft selbständig zu machen, und daß die Welt nach bestimmten Standards erklärt werden kann.

"Nomothetische" Wissenschaft: sie versucht durch Verallgemeinerung, Komplexität und Variablen auszuschalten und Gesetze einzuführen. Diese Wissenschaft kann auf die Kommunikation (und andere Humanwissenschaften) nicht angewendet werden. Kommunikation ist ein Modell, mit dem wir den Vorgang, daß Menschen sich verständigen, beschreiben. Kommunikation ist ein Konstrukt über einen dissipativen Vorgang (ein Vorgang, der sich immer ändern kann).

Jeder Kommunikationsvorgang ist 1. ein Identitätsstiftungsvorgang (ich weiß, wer ich bin). Kommunikation braucht 2. auch Sinnstiftung (jede gute Kommunikation löst eine Erkenntnis aus: die Welt soll "sichtbarer" werden (durch neue Fragen oder Antworten)). 3. Kommunikation dient auch dazu, Vertrauen und Beziehungen zu schaffen.

Wissenschaftskommunikation ist potentiell nichtkommunikativ, um Macht zu schaffen.

Einerseits: Praxiswissen (Sachwissen): Erfahrung, Reflektion, Bewußtsein

Andererseits: Theoriewissen (Sinnwissen): Logische Systeme, erforschtes Wissen, kritische/normative/systematische Auswertung.

Kommunikationswissenschaft hat die Aufgabe, Problemlösungen anzubieten und Problemlösungskompetenz zu zeigen. Dazu ist eine Problemanalysekompetenz nötig, also die fünf Elemente der Theorie: 1. Ordnen, 2. Klassifizieren, 3. Werten (die eigene Position sichtbarmachen), 4. Verwerten, 5. Prognosen (Voraussagen der Tauglichkeit der Aussagen).

Ein Problem kann auch als Lösung betrachtet werden. Wenn das auf ein Phänomen zutrifft, sollten beide Seiten betrachtet werden. In der Analyse des Problems finden wir die Lösung.

Eine Kommunikationswissenschaft kann keine Kommunikationswissenschaft sein, wenn sie nicht die Absicht hat, systemkritisch zu sein. Eine Wissenschaft, die sich nur in ihrer Systematik bestätigen will, verfehlt sie ihr Ziel. Die Wissenschaft kann nur kritisch sein, wenn sie sich weiterentwickeln will. Sie muß sich für oder gegen etwas entscheiden.

Kennzeichen einer kritischen Wissenschaft: sie muß reflektiv sein: mit ihren Begriffen und Theorien kritisch umgehen und sie verwerfbar machen. Eine systemkritische Wissenschaft macht auf die kritischen Momente (Punkte, die sich nicht transformieren) eines Systems aufmerksam, um die Transformationsfähigkeit sicherzustellen.

Wert der Kommunikation: Offenheit für das Gegenteil. Nur Spruch und Widerspruch bilden einen Diskurs.

Kommunikationswissenschaft muß emanzipatorisch sein: die Erkenntnis muß mich von vorherigen Erkenntnissen (status quo) befreien können. Authentizität und Autonomie müssen gefördert werden, den wo diese eingeschränkt sind, ist die Kommunikation eingeschränkt.


1996-10-31 Einteilung in Projektgruppen

Empirisches Erkenntnisinteresse: nachvollziehbare Erfahrungen sammeln, Kommunikationsphänomene analysieren und Merkmalhäufungen suchen. Eine (Rahmen-)Theorie ist als Ausgangspunkt notwendig. Hypothesen stellen vermutete Zusammenhänge zwischen Phänomenen dar.

Normative Wertentscheidung: Kommunikationswert einer Situation ermitteln und herausarbeiten: Ist diese Situation ein Kommunikationsvorgang?

Kritische Wertentscheidung: Hypothese möglichst wissenschaftlich und nachvollziehbar widerlegen.

Verbreiteter Fehler bei Arbeiten: Journalistisch und nicht wissenschaftlich herangehen, Objektivität wird nicht in genügendem Ausmaß sichergestellt.

Themen:

  1. Diskussion im Fernsehen mit telefonischer und internetlicher Beteiligung der Zuseher. Fragen: Stören diese Wortmeldungen die Diskussion? Was heißt mediengerechtes Diskutieren?
  2. Wie könnte sich der ORF entwickeln? Welche Rolle spielen die Parteien? Ist der öffentlich-rechtliche Zugang der einzig mögliche?
  3. Ist das Internet eine Bildungsmöglichkeit für eine breite Öffentlichkeit oder schreibt es nur ein status quo fest? Werden soziale Ausgrenzungen eingeführt oder wirkt das emanzipatorisch?
  4. interkulturelle Kommunikation
  5. Nutzen Menschen die neuen Medien? Warum ja, warum nicht? Wovon hängt das ab?
  6. Bürgerradio
  7. Warum erzielen Talkshows immer höhere Einschaltquoten? Welchen Stellenwert haben sie im Programm?
  8. Digitalfernsehen: Gewinnt der Zuschauer? Wer steht dahinter?
  9. Betriebsinterne Medien, interne Kommunikations- und Mediennetze
  10. Können Medien im Unterricht Kommunikationsleistungen verbessern?
  11. Lebenshilfesendungen
  12. Stimmt es, daß durch die Medien die interpersonelle Kommunikation zurückgedrängt wird?
  13. Einschränkungen der Kommunikation im Internet durch demokratische Staaten. Würde eine total freie Kommunikation die Gesellschaft freier machen?
  14. Geschichte der Funktionen des Radios. Ist Radio ein Berieselungsmittel?
  15. Identitätskonstruktion im Fernsehen durch Darstellung von Verhaltenmustern
  16. Kommunikationsleistungen des Films

bis zum nächsten Mal: kommunikationswissenschaftlicher Zugang


1996-11-07 Endgültige Einteilung der Projektgruppen, Literaturhinweise

Literatur:

Kunczik, Michael: Kommunikation und Gesellschaft - Theorien zur Massenkommunikation Köln 1984 Böhlau Verlag

IPKW/Salzburg: Medienbericht IV - Massenmedien in Österreich Wien 1993 Buchkultur VerlagsgesmbH

Fabris, Hans Heinz / Hausjell, Fritz: Die vierte Macht Wien 1991 Verlag für Gesellschaftskritik

Pürer, Heinz: Einführung in die Publizistikwissenschaft - Fragestellungen, Theorieansätze, Forschungstechniken München, 1995 Ölschläger Verlag GmbH

Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft Wien 1983 Böhlau Verlag

Renckstorf, Karsten: Mensch und Medien Berlin 1984 Verlag Volker Spiess GmbH

Winterhoff-Spurk, Peter: Fernsehen und Weltwissen Opladen 1989 Westdeutscher Verlag

Kulturwissenschaft und Medien:

Lange, Ulrich (Hg): Identität, Integration und Verantwortung. Berlin 1994

Modleski, T.: Studies in Entertainment: Critical approaches to mass culture. Bloomington (Indiana University Press) 1986

Heinz-Praus, Roswitha / Heinze Thomas: Kulturwissenschaftliche Hermeneutik. Opladen (Westdeutscher Verlag) 1994

Delhees, Karl: Soziale Kommunikation. Opladen (Westd. Vlg.) 1994

IKUS-Lectures: Schwerpunkt Cultural Studies. Nr. 17/18, Institut für Kulturstudien Wien 1994

Boudrillard: Der symbolische Tausch und der Tod. München 1982

Baudrillard, Jean: Das andere selbst. Wien (Passagen) 1987

Virilio, Paul: Krieg und Fernsehen. München (Karl Hanser) 1993

Eco, Umberto: Apokalyptiker und Integrierte Frankfurt 1987

Postman, Neil: Das Technopol. Die Macht der Technologien und die Entmündigung der Gesellschaft. Frankfurt (Fischer) 1992

Berghaus, Margot: Multimedia-Zukunft Rundfunk und Fernsehen 42 Jahrgang 94/3, S 408

Problemstellung: 10-min-Präsentation, Theoretischer Zugang, Meta(Rahmen)theorie, Problemkatalog, Position aus Literatur, Beschreibung eines Projekts


1996-11-14 Vorstellung einiger Gruppen

Gruppen:

(Lebenshilfe-)Talkshows: Aufteilungskriterien: Betroffene, Gender, Nicht betroffene Zuschauer

Kulturverfall im Fernsehen? Bildungs- und Kulturangebot im Fernsehen: Was ist Kultur, hat ein Sender mit Kultur eine Chance im Wettbewerb? Kulturauftrag?

Projekt Bürgerradio: Demokratie und Massenmedien: Service, Forum, Identitätsbildung. Gesetzesänderungen notwendig, sind jedoch nicht in Sicht.

Verblödung durch Film? Werden Bücher die Filme verdrängen?

Sozialisation: Primäre: Familiäre S.; Sekundäre: Gesellschaftliche S.; Tertiäre: S. über Medien. Es werden Verhaltensweisen übernommen, deren Nichtbeachtung Sanktionen mit sich bringt. In allen drei Bereichen gibt es verschiedene Interessensrichtungen: affirmative S. (manchmal repressiv): Übernahme von Verhaltensweisen und Meinungen; emanzipatorische S. (Autonomieanspruch): sich für Rollen entscheiden auch außerhalb der Systeme.


1996-11-21 Vorstellung weiterer Gruppen

Wichtig im Lernprozeß: eigene Beschäftigung mit der Materie.

Gruppe Elektronische Medien: Eine Gefahr für die interpersonelle Kommunikation? Schwerpunkt: (interaktives) Fernsehen. Unterschiedliche Charakteristik der Kommunikation. Kommunikationsmodelle:

Paradigma: Kommunikation als Summe von Handlungen in Rollen

Paradigma: Kommunikation als System (= das, was ein Wissenschaftler als zusammenhängend definieren würde), soziale Zusammenhänge

Gruppe Digitalfernsehen: Auswirkungen auf die demokratischen Strukturen und auf die Medienlandschaft. Möglichkeiten:

Auswirkungen auf die etablierte Medienlandschaft: Bereits akzeptierte Medien werden nicht verdrängt (Riepl-Theorie).

Massenkommunikation Telekommunikation Individual- und Systemkommunikation
|Telematik
Konvergenzmodell Mediamatik
Funktion Information, Kultur, Bildung, Unterhaltung, öffentliche und private Nutzung geschäftliche und private Nutzung geschäftliche und private Kommunikation
Wertansatz Kultur-, Wirtschaft-, öffentliches, privates Gut Wirtschaftsgut Wirtschaftsgut => Bildungsgut
Marktzutritt Monopol, Lizenzen Monopol, Lizenzen Wettbewerb, Pluralismus
Gesellschaftliche Relevanz Öffentlichkeit, Kultur, Freizeit Ökonomie, Mobilität, Arbeitsorganisation Ökonomie, Mobilität, Kultur
Leitbilder Integrierte Gesellschaft Marktgesellschaft Autonomie, Heterarchie
|Informationsgesellschaft
Kommunikationsgesellschaft


1996-11-28 Vortrag über Selbstdarstellungsstrategien von Politikern im Fernsehen vor den Wahlen

Kriterien für die Abschlußarbeit: ca. 8 Seiten pro Mitglied; eigene Motivation für die Themenstellung; Problemformulierung, Aufgliederung von Teilproblemstellungen des Grundproblems, theoretischer Rahmen, in dem das Problem gestellt wird; Arbeit bis 1. März abgeben.

Vortrag über Selbstdarstellungsstrategien von Politikern im Fernsehen vor den Wahlen

Untersuchungsgegenstand: Wer hat objektiv (und nicht nur in den Meinungsumfragen) gewonnen? Methoden:

Ergebnisse:

Daraus wurden die folgenden Schlüsse gezogen: es geht nicht darum, Inhalte darzustellen, sondern die eigenen Themen kurz aufzuwerfen. Auf die Argumente des Gegenübers wird nicht eingegangen, der Ton wird aggressiver. Konsequenzen: Es wird nicht mehr über Lösungsvorschläge diskutiert, sondern nur die eigene Ausstrahlung trainiert. Es werden QuereinsteigerInnen angeboten, die mit dem Medium Fernsehen große Erfahrung haben. Es hat sich auch eine große Kongruenz zwischen offensivem und assertivem Stil gezeigt.

In Österreich war der Ton viel härter als in anderen Ländern.

In einem zweiten Buch wurde die Rolle der Präsentatoren analysiert. Die Rollen der Moderatoren wurden in "Oppositioneller" und "Schiedsrichter" unterteilt. Oberhauser konnte in den Sommergesprächen die Oppositionspolitiker besser in die Defensive drängen als Busek und Vranitzky. Es wurde gezeigt, daß Oberhauser den Frauen gegenüber viel kritischer war und sogar oft Gegenmeinung ausgedrückt hat. Nagiller war weit mehr Diskussionsleiter und kaum Oppositioneller, Oberhauser umgekehrt. Nagiller hat dafür Haider extrem benachteiligt.


1996-12-05 Vorstellung weiterer Gruppen

Radio: Radio wird extrem häufig benutzt, wird jedoch als unbedeutender eingeschätzt als andere Medien. Welche Bedürfnisse und Erwartungen der RezipientInnen werden vom Radio erfüllt, welche Wirkung hat das Radio. Fernsehen ist für die Forschung viel "interessanter", weil ihm eine größere Bedeutung zugeschrieben wird. Das Radio hat bereits den Punkt erreicht, daß es als Berieselungsmedium eingesetzt wird. Das Fernsehen ist auch auf dem Weg dazu.

Internet als emanzipatorisches Medium: Wird das Internet zur Entstehung einer Informationselite als herrschende Klasse führen?

Kinderprogramm: mögliche Quelle der Gewaltdarstellung. Theorie von Bandura: Lernen durch Beobachtung erfolgt in vier Teilprozessen: Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Verhalten, Motivation. Es wird beobachtet, wieviel Gewalt wirklich im Kinderprogramm gezeigt wird. Untersucht werden die Gewaltelemente in Bezug auf ihre affektive Valenz; funktionalen Wert; Teilkomponenten des Modellverhaltens, die die Beobachtenden bereits beherrschen; stellvertretenden Verstärker und Motivatoren.

Kultur beim ORF: ORF beruft sich immer auf seinen Bildungsauftrag, es wird quantitativ untersucht, inwiefern das zutrifft.

Kinder und elektronische Medien: Vor ca. 30 Jahren gab es Bemühungen, Kinder überhaupt vom Fernsehen abzuhalten, weil die Gefahr einer "Reizüberflutung" bestanden haben soll. Heute ist diese Sicht überholt.


1996-12-12

Cultural Studies:

Kulturelle Lebenswelt:

Wenn Medien Nachrichten aus der KL oder SN aufnehmen, führen sie eine Selektion dieser Nachrichten durch, transformieren sie (Neuinterpretation) durch ihre Organisation. Sie bauen Sinnstrukturen auf, schaffen Wahrnehmungsmöglichkeiten und ermöglichen Handlungen.

Sinnstrukturen:

Transformation der Information in den Medien ist nicht dem Medium zuzuschreiben, sondern ist die Kulturleistung der dort arbeitenden Menschen.

Kultur (tägliche Selektion aus den natürlich gegebenen Qualitäten) in den Medien: Ikonen (symbolische Abbildungen) und Indizes (glatte Abbildungen). Durch Kulturdarstellung in den Medien wird ein bestimmtes Gesellschaftssystem gefestigt.

A-Realität => A'-Realität usw.

Jeder Kommunikationsvorgang, der die Wirklichkeit verändert, wirkt auf den Kommunizierenden zurück.

Neue Medien sind nicht den Massenmedien gleichzusetzen, da sie sich nicht mit den selben Aussagen an Massen wenden.

Jede Kommunikation in den Massenmedien ist inszenierte Realität.

Diskursanalyse: Massenkommunikation kann nicht durch agenda-setting-Theorie oder andere erklärt werden. Dahinter steht der Konstruktivismus, der besagt, daß alle unsere Bedeutungen, Meinungen durch Begriffe der Kommunikation entstanden sind. (Konstruktivismus ist nicht eine neue Theorie, sondern ein System verschiedener neuer Theorien und Betrachtungsweisen)

Das, was wir Medien nennen, sind eigentlich Systeme, Organisationen zur Vermittlung der Medien. Medium: Bezeichnung für die Konvention der Gesellschaft, mit der sie vereinbart, wie sie über was miteinander kommunizieren möchte.

Wert der Kommunikation: Neue Erkenntnisse und Zugangsweisen über bekannte Dinge vermitteln.

Hypothesenquellen des Konstruktivismus:


Gruppen

Talkshows: ModeratorIn, Funktionen, Publikum, Bedeutung der Gäste, usw. Prof. Bauer: Talkshow ist das Modell des Fernsehens.


1997-01-16 Diskussion über Medienpolitik

Medienpolitik unter Zugzwang

Prof. Ellen Mickiewicz: Präsidentin der Carter-Kommission, die Medien im Osten beobachtet

Sie spricht über ihre Erfahrungen mit Fernsehen in Rußland. Da die Printmedien in Rußland für große Bevölkerungsschichten zu teuer sind, beziehen sie zu einem sehr hohen Prozentsatz ihre Informationen aus dem Fernsehen. Die Sender sind jedoch nicht unabhängig. Der Staat kann den Sendern nicht zahlen, weswegen die Fernsehsender massiv Werbung ausstrahlen. Die Werbung ist in Rußland nicht reglementiert. Es ist deswegen auch versteckte Werbung verbreitet. Dazu kommt das Problem der Konzentration: es gibt zwei sehr starke Gruppen, die die meisten privaten Sender kontrollieren. Um an unabhängige Information heranzukommen, müßten die Leute viel zahlen, was die meisten nicht können.

Jelzin hätte ohne das Fernsehen nicht gewonnen. Ein halbes Jahr vor der Wahl hatte er Umfragedaten von 4 %. Das Fernsehen zeigte, daß Jelzin lebt und voll da ist. Es wurde von staatlicher Seite massiver Druck auf die Sender ausgeübt. Dadurch bekam Jelzin extrem lange Sendezeiten. (Es gab jedoch für die Opposition die Möglichkeit, gratis Sendezeit zu bekommen und auch zu buchen, das war 1993 nicht der Fall.)

Der Krieg in Tschetschenien hat bewirkt, daß private, nicht staatliche Nachrichten deutlich an Wichtigkeit und Akzeptanz gewonnen haben.

Erich Bauer: Initiator des Medienvolksbegehrens

Pilz: Bank Austria hat Anteile an der Medieprint, großen Einfluß auf Standard und Falter. Es gibt keine Medienpolitik im Sinne von bewußten Schritten zur Demokratieerhaltung und -verbesserung.

Franz C. Bauer (JournalistInnen-Gewerkschaft): die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich sind kaum besser als in Rußland und der Ukraine. Werbebudget wird durch BA-Deal um 100 Millionen zurückgehen.

Zöchling (Verband alternativer Zeitungen und Zeitschriften): es gibt ca. 350 alternative Printmedien in Österreich.

Schmidt: "Volksbegehren" geht von Medien aus, die sich davon Vorteile erhoffen ("Krone ist zu groß")

Mickiewicz: Österreich nicht mit Rußland vergleichbar, da leicht ausländische deutschsprachige Sender zu empfangen sind. Das Monopol besteht nur auf der wirtschaftlichen Seite.

Vorschlag: progressive Pressebesteuerung (nach Auflage oder Werbeaufkommen). Pilz kann dem nichts abgewinnen, es gehe ihn als Politiker nichts an, ob eine "Hausmeisterzeitung" 400.000 oder 2.000.000 Exemplare verkauft. Die anderen (Vertreter der alternativen Printmedien, JournalistInnengewerkschaft) können es sich jedoch vorstellen.


1997-01-23 Medienpolitik unter Zugzwang

ORF könnte Probleme bekommen, wenn große private Konkurrenz auftaucht, da mehr als 50 % des Budgets aus Werbeeinnahmen kommt.


© Balázs Bárány. Quelle: Vorlesung von Prof. Thomas Bauer, nicht autorisiert.
zuletzt geändert (JMT): 1999-10-01