BURKART Roland

657380 - Einführung in kommunikationswissenschaftliche Theorien, iG-1.4, VO/UE

1997-03-13 Einführung

1997-04-10

1997-04-17

1997-04-24

1997-05-15

1997-06-05 Funktionale Dimension der Kommunikation, Wirkungsforschung

1997-06-12 Persuasions- und Konsistenztheorien

1997-06-19

1997-06-26 Prüfung


1997-03-13 Einführung

Prüfungstermine: 26. Juni, 3. Oktober (Freitag!)

Beispiel: "Schlampigkeit" im Journalismus. ==> Wie können wir erkennen, ob die Medien objektiv berichten? Wie können es die JournalististInnen erkennen? Tatsachen sind immer Interpretationen, vorbestimmt durch Vorurteile, Erwartungen, augenblickliche Situation. (Experiment von Popper)

Konstruktivismus: "Es kann gar keine objektive Berichterstattung geben, sondern das, was von den Medien berichtet wird, beruht auf Konstruktionsprozessen, die in den Köpfen der JournalistInnen produziert werden." Die Ereignisse, die von JournalistInnen wiedergegeben werden, stammen in den seltensten Fällen aus ihrer Beobachtung, sondern aus der Öffentlichkeitsarbeit von Personen/Institutionen, über die berichtet wird.

Nachrichtenwertigkeit:

==> Einfache Nachrichten werden komplizierten vorgezogen, nach Identifikationsmöglichkeit absteigend sortiert, Sensationalismus (negative Sensationen zuerst)

Theorie: "Schlampigkeit" (krasse Mißinterpretation der Tatsachen) war in Wirklichkeit strukturell bedingt.

Beispiel Hainburg: Nur die Kronen Zeitung berichtete anfangs, aber fast kampagnenmäßig. Trotzdem ist die Zahl der BefürworterInnen unter den Kronen-Zeitung-LeserInnen angestiegen.

Interpretation der Kommunikationswissenschaft:

Programm:

(Theorie: möglichst allgemeingültige Zusammenfassung, die auf möglichst vielen Beobachtungen basiert und nach ordnenden Gesichtspunkten erfaßt ist.)

Literatur:


20, 33, 388
1997-04-10
Latzer: Mediamatik

In Österreich 40 % der Menschen in Informationsberufen.

Kommunikation:

whoKommunikatorforschung
says whatInhaltsanalyse / Aussagenanalyse
in which channelMedienforschung
to whomPublikumsforschung / Rezipientenforschung
with what effect?Wirkungsforschung

(Statisch-lineare Sicht des Kommunikationsvorganges, suggeriert, daß Kommunikation Einbahnstraße ist; Interessen nicht erfaßt; Zerstückelung der Massenkommunikationsforschung in Teilbereiche: z.B. nur Kommunikatorforschung)

Massenkommunikation: Durch technische Hilfsmittel indirekt, einseitig, öffentlich an ein disperses Publikum vermittelt.


Kommunikation ist

Menschliche Kommunikation ist

Wenn wir Medien einsetzen, formen wir Zeichen. Zeichen haben eine materielle Erscheinung, wir ordnen ihnen Bedeutung zu. Sie können in unterschiedlichen Qualitäten vorliegen. Sie können auftreten als:

(Es gibt Zeichen, die gleichzeitig Signale und Symbole sind)

Definition ist eine Entscheidung darüber, daß mensch ein bestimmtes sprachliches Zeichen in Zukunft in einer bestimmter Weise verwenden will. (Definiertes sprachliches Zeichen: Terminus) Zweck: damit klare Vorstellungen herrschen, Zeitersparung, da kürzere Zeichen möglich werden.

Arten von Definitionen:

Realdefinition

wahr/falsch

Nominaldefinition

angemessen/unangemessen (für das Untersuchungsfeld)

Vorschlag für die Definition von Kommunikation: symbolisch vermittelte Interaktion.


Kommunikationswissenschaftliche Theorien

(solche, die von WissenschaftlerInnen verwendet wurden, um Prognosen zu treffen)

Arten von Kommunikationstheorien:


1997-04-17

Universale Dimension

Ansätze:

Übertragung

Shannon und Weaver waren Angestellte einer Telephongesellschaft in den 40erjahren. Sie wollten möglichst viele Signale über eine Telefonleitung übertragen.

NachrichtenquelleSender Nachrichtenziel
Signalempfangenes Signal
Störquelle

Störungen = noise.

Ähnliches Schicksal wie bei der Lasswell-Formel: Nicht für Kommunikationswissenschaft gedacht.

Informationsbegriff kommt aus der mathematischen Theorie und ist für die Kommunikationswissenschaft nicht geeignet.

Definition: Information ist Reduktion von Unsicherheit.

Im sozialen Kommunikationsprozeß kann die Informationsmenge nicht bestimmt werden. Informationsgehalt wird am Verhältnis Sender-Empfänger festgelegt.

Menschliche Kommunikation ist symbolisch vermittelte Interaktion.

Semiotik: Lehre von den sprachlichen Zeichen.

Zeichen:

  1. Syntax: befaßt sich mit den Beziehungen zwischen den Zeichen untereinander (Beistrichregeln usw.).
  2. Semantik: Beziehungen zwischen Zeichen und außersprachlichen Objekten (Lexikalische Bedeutung <=> Konnotationen)
  3. Pragmatik: Regelt die Beziehungen zwischen Zeichen und ZeichenbenützerIn (z.B. "Ich komme morgen.": Unterschiedliche Bedeutung, wenn durch unterschiedliche Personen gesagt).

Sprechakt = Sprachliche Handlung.

"Noise" bei Menschen ist keine technische Störung: Es gibt eine pragmatische, semantische und syntaktische Verschlüsselung des Signals, und dann eine Entschlüsselung in der umgekehrten Reihenfolge. Gesellschaftliche Randbedingungen der Kommunikation: soziale Version von noise.

Einflüsse (sozialwissenschaftliches "noise"):

  1. Situation: Umstände, unter denen der Informationsprozeß stattfindet. Rezeption von Inhalten, die medial vermittelt werden, ist sehr von der Situation abhängig. (Fernsehwerbung!)
  2. Informationsniveau: Gestaltung der Botschaft (Abstraktion) <=> Kenntnisse des/r KommunikationspartnerIn.
  3. emotiver Erlebnishorizont: Gefühle, Emotionen, die mit dem/r KommunikationspartnerIn oder mit der Botschaft verbunden sind.
  4. Interessen: Ziele, die mit der Kommunikationshandlung verbunden sind (K und R). Medien haben auch Interessen. (Inhaltliche <=> situationsbezogene Interessen:

Symbolischer Interaktionismus

Sozialwissenschaftliche Theorie, die die Kommunikationswissenschaft noch heute prägt.


1997-04-24 Symbolischer Interaktionismus

Beispiel: McDonalds wird allgemein mit ungesundem, umweltschädigenden Essen verbunden (="Bedeutungsdimensionen", Symbole). Anzeigen sind eine Reaktion darauf.

Ausgangsposition des symbolischen Interaktionismus: Wir leben nicht nur in einer natürlichen, sondern auch einer symbolischen Umwelt. Der symbolische Interaktionismus ist eine soziologische Handlungstheorie, auch Identitätstheorie, gibt auch Auskunft darüber, wie wir uns selbst sehen, dadurch auch eine Sozialisationstheorie. (Diese Theorie stammt von George Herbert Mead, der in den 20erjahren Vorlesungen an der Chicago University gehalten hat. Der Name ist erst später erfunden worden.)

Positivismus: Handlungstheorie, die besagt, daß wir uns in der Wissenschaft nur am Empirischen orientieren sollen. Der symbolische Interaktionismus sollte dieser Theorie widersprechen.

Die Welt, die wir nicht erfahren können, ist uns nur durch Deutungs- und Interpretationsprozesse zugänglich.

A =>kommunikatives Handeln
Medium

Zeichen/Symbole
kommunikatives Handeln<= B
Bedeutungsvorrat von ABedeutungsvorrat von B
Verständigung

Die Bedeutungsvorräte überlappen sich nie ganz.

Symbole sind unser einziger Zugang zur Wirklichkeit.

Prämissen des symbolischen Interaktionismus:

  1. Menschen handeln den "Dingen" ihrer Umwelt gegenüber auf der Grundlage von Bedeutungen, welche diese Dinge für sie besitzen.
  2. Die Bedeutung der Dinge entsteht in sozialen Interaktionen, die Menschen miteinander eingehen.
  3. Diese Bedeutungen werden im Rahmen der Auseinandersetzung mit ebendiesen Dingen in einem interpretativen Prozeß benützt und auch abgeändert.

Identität im Sinne von "Selbst - Bewußtsein"

entsteht: in starkem Ausmaß durch die Interaktion mit anderen Menschen

setzt voraus: Fähigkeit zur Übernahme der Rolle eines anderen bzw. die Rolle des "verallgemeinerten" anderen einnehmen zu können ("Spiegel-Ich")

Identität/Selbst-Bewußtsein als "soziale Schöpfung" (wie alle Gegenstände)

Massenmedien

als Grundlage zur Identifikation, Projektion, Legitimation...

Der symbolische Interaktionismus hat ganz entscheidende Aspekte zur Wirkungsforschung geliefert. Die Frage "Wie wirken Medien?" wurde umgedreht, es wird angenommen, daß die Menschen ganz unterschiedlich mit den Medienangebote umgehen:

Nutzenansatz (uses and gratifications approach):

Es gibt natürlich Probleme bei der empirischen Erfassung der Bedürfnisse und deren Befriedigung.

Mediengratifikationen:

Theorie des kommunikativen Handelns

(= Theorie der kommunikativen Kompetenz, = Universalpragmatik, Jürgen Habermas)

Ziel: Entdecken eines (universalen) Regelsystems, das wir Menschen benützen, wenn wir kommunikativ handeln.

Frage: Was sind die "universalen" Bedingungen von Verständigung?

Frage: Was tun wir, wenn wir sprechen?

Äußerung besteht aus

  1. Gegenständen
  2. Intersubjektivität
Allgemeine Kommunikationsvoraussetzungen

SprecherIn und HörerIn unterstellen einander

"Verständigung" kommt nur dann zustande, wenn beide Kommunikationspartner von diesen Voraussetzungen ausgehen.

In der Realität empfinden wir nicht alle Ansprüche als akzeptabel. In der Alltagskommunikation gibt es einen Reparaturmechanismus für nicht anerkannte Geltungsansprüche:

"Diskurs": Problematisch gewordenes Einverständnis wird durch Begründung wiederhergestellt (Reden über die vorangegangene Kommunikation). ("der zwanglose Zwang des besseren Argumentes") (kommunikative Theorie der Demokratie)

Nur die Ebene der Wahrheit und der Richtigkeit können im Diskurs behandelt werden.

Unterstellung der "idealen Sprechsituation":

"Kontrafaktisch": Vorwegnahme der Utopie herrschaftsfreier Kommunikation


1997-05-15
Beispiel Gehaltspyramiden-Diskussion:

Kommt es zur Verständigung zwischen PolitikerIn und Publikum? Publikum wendet sich überwiegend denjenigen Aussagen zu, die von präferierten PolitikerInnen kommen => selektive Wahrnehmung. ("Mauer der selektiven Interpretation")

Öffentlichkeitsarbeit: Kommunikationskonzepte werden auf Defizite der Geltungsansprüche untersucht.

Journalismus sollte sich bemühen, 1. rationale Argumentation und 2. Symmetrie der Chancen zu gewährleisten.

Umweltbezogenheit

Kommunikation findet nicht nur zwischen zwei Kommunikationspartnern statt, sondern vor dem Hintergrund einer sozialen Realität.

Systemtheorie

(Literatur: Bd. 8, Ulrich Saxer)

Das Denken in Systemen stammt aus der Biologie. "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile."

Systemtheorien eignen sich für viele Wissenschaftszweige, deswegen sind sie meistens sehr abstrakt.

Regel: Teile suchen und Beziehungen untersuchen.

Nichtmechanistische Erklärung der Wirklichkeit.

System: "das Zusammengesetzte": Menge von Elementen mit Beziehungen zwischen diesen Elementen.

Struktur: Beziehungen der Systemelemente zueinander

Funktion: Konsequenz eines Elements/einer Struktur für die Erreichung des Systemzieles (vgl. "Dysfunktion")

Jedes System besitzt eine "Umwelt": alle Objekte außerhalb des Systems, die Einfluß auf das System besitzen

Komplexität: mehrere Einflußmöglichkeiten stehen offen.

Zentrale Funktion (sozialer Systeme): Reduktion von Umweltkomplexität durch Feedback-gesteuertes Input/Output-Modell

Funktionen der Massenmedien ("Funktion" im erweiterten Sinne)

soziale
politische
ökonomische
Informationsfunktion
  • Sozialisationsfunktion
  • soziale Orientierungsfunktion
  • Rekreationsfunktion (Unterhaltung, Eskapismus)
  • Integrationsfunktion
  • Herstellen von Öffentlichkeit
  • Artikulationsfunktion
  • politische Sozialisations- bzw. Bildungsfunktion
  • Kritik- und Kontrollfunktion
  • Zirkulationsfunktion (+ Personalisierung)
  • + Wissensvermittlung
  • + Sozialtherapie
  • + Legitimationshilfe
  • regenerative Funktion
  • herrschaftliche Funktion

Materialistische Theorie

Materialismus: "In der Materie (im sinnlich wahrnehmbaren) besteht die eigentliche Wirklichkeit".

Die historisch-materialistitische Perspektive von Kommunikation

Gesellschaftstheorie (Marx, Engels, Lenin) der Gesellschaftsentwicklung: Kommunikation ist eine Folge bestimmter materieller Gegebenheiten. Die Geräte bestimmen über die Aussage.

Gesellschaft: Gesamtheit praktischer Verhältnisse, welche Menschen zum Zweck der Produktion ihrer Lebensmittel eingehen (=ökonomische Verhältnisse)

Materialistisch gewonnenes "kommunikatives Prinzip" des Marxismus: Keine Produktion ohne Kommunikation - keine Kommunikation ohne Produktion.

Medien sind nicht nur eine Ansammlung von Menschen, die Funktionen erfüllen, sondern Unternehmen, die ein Produkt verkaufen wollen, und die Botschaft daran anpassen.

Die nächste Vorlesung entfällt.


1997-06-05 Funktionale Dimension der Kommunikation, Wirkungsforschung

Historischer Materialismus

Gesellschaft

= Gesamtheit praktischer Verhältnisse, welche Menschen zum Zweck der Produktion ihrer Lebensmittel eingehen (=ökonomische Verhältnisse)

Produktivkräfte
> Produktionsweise
Produktionsverhältnisse

Klassische materialistische Analyse von Kommunikation

Ausgangspunkt: Kommunikation ist wesentlich ökonomisch vorbestimmt

Ziel: Aufzeigen, in welcher Form die kapitalistische Produktionsweise den Massenkommunikationsprozeß beeinflußt

Ergebnis: Information wird industriell als "Ware" produziert und auf einem konkurrierenden Markt abgesetzt (= dem Verwertungsprozeß des Kapitals unterworfen)
>Ende der universalen Dimension *


Funktionale Dimension

Worin bestehen die Ziele von Kommunikation?

Theoretische Ansätze, die nach den Zielen von Kommunikation unterscheiden:

/Beeinflussung (persuasiver Ansatz)
Ziele von Kommunikation--Emanzipation (pädagogischer Ansatz)
\Therapie (therapeutischer Ansatz)

Beeinflussung - Wirkungen der Massenkommunikation

Was heißt "Wirkung" der Massenmedien?

oder

oder

oder

Wirkung ist nicht genau zu definieren. Was wissen wir? (siehe Band 5 der Studienbücher)

Perspektiven der Wirkungsforschung

A
==== ====>R
Aussage
Erleben
Wirkung
Rezipient

Stimulusorientierte Perspektive: Wirkung dadurch bedingt, daß ein bestimmter Kommunikator etwas ganz bestimmtes sagt.

Rezipientenorientierte Perspektive (Nutzentheorie): Es kommt mehr darauf an, was der Rezipient erwartet.

Medienorientierte Perspektive (sehr neu): Medien stehen als verursachender Faktor im Vordergrund.

Stimulus-Response-Theorie (1940)

Psychologie.Instinkttheorie + Soziologie.Massengesellschaft = Stimulus-Response-Theorie

Damals gab es die Auffassung, daß mit einer entsprechend formulierten Botschaft immer dazupassende Reaktionen ausgelöst werden können (=> der pawlowsche Hund).

(Allmachtsthese, "Black-Box"-Modell, "hypodermic needle model" (Injektion unter die Haut), Behaviorismus)

Lazarsfeld hat in den Vierzigerjahren erkannt, daß das nicht so einfach ist (hmm. Anm. Balázs). SOR = Stimulus - Objekt - Response: von den Prädispositionen des Rezipienten hängt die Wirkung ab.

Unsicherheiten:


1997-06-12 Persuasions- und Konsistenztheorien

Persuasionsforschung

Frage: Was kann ich an meinem Stimulus verändern, und welche Wirkung kann ich davon erwarten?

/Affekt
Einstellungen--Kognition
\Verhalten

Einstellung: Tendenz, auf ein Objekt mit bestimmten Gefühlen (Affekt), Wahrnehmungen und Vorstellungen (Kognition) und Verhaltensweisen zu reagieren.

Erkenntnisse aus der Persuasionsforschung

(umfassendstes Buch: Michael Schenk: Medienwirkungsforschung)

Konsistenz-Theorien

Erkenntnisse aus der Konsistenzforschung über die Wirksamkeit von Überredungskommunikation besagen:

Menschen tendieren dazu, zwischen ihren Einstellungen und/oder Verhaltensweisen einen Zustand der Vereinbarkeit (=Konsistenz) zu erreichen und zu erhalten. Z.B. RaucherIn empfängt die Botschaft "Rauchen erzeugt Lungenkrebs". Daraus resultiert ein Spannungszustand.

Spannungszustände, die aus Situationen entstehen, in denen derartige Elemente NICHT im Gleichgewicht zueinander stehen, drängen nach Aufhebung.

Spannungsloser Zustand = Kognitives Gleichgewicht

Spannungsgeladener Zustand = Kognitives Ungleichgewicht

Strategien zur Reduktion von Ungleichgewicht im Hinblick auf


1997-06-19

Diffusionstheorien

Sie fragen danach, wie sich die Nachrichten verbreiten:

Wichtige Erkenntnis: Wirkungen auf die Handlungsebene resultieren viel öfter aus persönlichen Kontakten als aus Medienangeboten!

Nutzen-Ansatz (uses and gratifications approach) (rezipientenorientiert)

Kommt aus der Psychologie der menschlichen Bedürfnisse und der Sozialpsychologie (Symbolische Interaktion).

Wenn

wiederholt wird, sind auch Stimulus-Response-Modelle anwendbar. Die RezipientInnen neigen in demokratischen Gesellschaften dazu, Botschaften, die immer wieder und von allen Seiten kommen, zu glauben. Beispiele: Verkehrsmeldungen, Wetterbericht, Tschernobil-Berichterstattung.

Medienorientierte Perspektiven

Agenda-Setting-Ansatz

Ausgangspunkt: Die Medien sind in ihren Wirkungen im Hinblick auf direkte Einstellungs- und Verhaltensbeeinflussung sehr eingeschränkt.

Sie können uns kaum mehr "vorschreiben", WIE wir denken sollen, aber sie "diktieren" uns sehr wohl, WORÜBER wir nachzudenken haben.

Auch die KronenZeitung kann die 2,8 Mio. LeserInnen nicht beeinflussen, aber sie zum Nachdenken bringen.

Thematisierungs- und Themenstrukturierungswirkung der Massenmedien = Massenmedien bestimmen, was öffentlich zum Thema gemacht wird. In der Bevölkerung spiegeln sich diese Themen wider.

Zentrale These: Die Themen, welche die Medien in ihrer Berichterstattung (in quantitativer und qualitativer Hinsicht) besonders hervorheben, sind auch diejenigen Themen, welche die MedienrezipentInnen für besonders wichtig halten. Medien bestimmen, WAS auf die "Tagesordnung" unseres Denkens kommen, sie beeinflussen weit weniger, WIE wir uns mit diesen Themen auseinandersetzen.

Henne-Ei-Problem: Es könnte auch so sein, daß JournalistInnen eine besonders gute Nase dafür haben, was "das Volk" bewegt => die öffentliche Meinung bestimmt die Medien! Kausalität nicht beweisbar.

Wissenskluft-These (increasing knowledge gap)

Grundannahme: Es gibt einen "kommunikativen Privilegierungszusammenhang":

Personen auf niedrigem Bildungsniveau können mit dem Informationsangebot schlechter umgehen, als Personen auf höherem Bildungsniveau.

Die niedriger Gebildeten sind "unterprivilegiert" im Hinblick auf die Möglichkeit, ihr Wissen anzureichern: sie werden "overnewsed but underinformed".

Zentrale These

Wenn der Informationsfluß in einem Sozialsystem wächst, tendieren die Bevölkerungssegmente mit höherem sozioökonomischem Status und höherer formaler Bildung zu einer rascheren Informationsaneignung als die status- und bildungsmäßig niedrigeren Segmente, sodaß die Wissenskluft zwischen diesen Segmenten tendenziell zu- statt abnimmt.

Langfristige Wirkung der Massenmedien demnach:

Sie spalten die Gesellschaft in

Betroffenheit und Leseverhalten (bzw. Printmediennutzung) sind die zentralen intervenierenden Variablen.


1997-06-26 Prüfung

Prüfungsfragen

  1. In den letzten Wochen ist immer wieder davon zu lesen, daß unser Pensionssystem auf Dauer nicht mehr finanzierbar ist. Erklären Sie die mögliche Wirkung dieser Botschaft unter Bezugnahme auf die Dissonanztheorie und nennen Sie drei Möglichkeiten der Dissonazreduktion seitens der Rezipienten! (Als Antwort gilt: Nennung der Strategie und themenbezogene Erläuterung) Antwort
  2. Zeitungsartikel aus dem Standard:
    "AUA wird nächstes Jahr privatisiert
    Der Bund wird 1998 nicht mehr Mehrheitseigentümer der Austrian Airlines (AUA) sein. Der Eigentümervertreter im Aufsichtsrat, Kurt Haslinger, kann sich nicht vorstellen, daß der Bund bei der geplanten Kapitalerhöhung mitzieht."
    Diskutieren Sie den Nachrichtenwert dieser Meldung! Antwort
  3. Unsere Gesellschaft wird häufig als Informationsgesellschaft etikettiert. Warum? Geben Sie eine Antwort aus zwei Perspektiven!
  4. Wer gilt als opinion-leader? Antwort
  5. Die "Theorie des kommunikativen Handelns" gilt auch als eine kommunikative Theorie der Demokratie. Begründen Sie diese Behauptung. Antwort?
  6. Was versteht man unter dem "Black-Box-Modell"? Antwort
  7. "Die Aussagen der Massenmedien sind Wirklichkeitsangebote für die Rezipienten." Interpretieren Sie diese Aussage kommunikationstheoretisch!
  8. Wann spricht man von einer Theorie und wozu werden Theorien überhaupt benötigt? Antwort

© Balázs Bárány. Quelle: Vorlesung von Prof. Roland Burkart; nicht autorisiert.
zuletzt geändert (JMT):1999-10-01